Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.
08. Mai 2021, 12:04:17
Übersicht Hilfe Suche Galerie Einloggen Registrieren
News: Die Inhalte von Forum und Galerie (Fotos, Texte...) unterliegen der Creative Common License
forum.planten.de  |  gartenlandschaftsforum  |  Tier-Forum (Moderator: flor)  |  Thema: Wo sind die Maikäfer geblieben? 0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema. « vorheriges nächstes »
Seiten: [1] Nach unten Drucken
Autor Thema: Wo sind die Maikäfer geblieben?  (Gelesen 6985 mal)
wolfgangstern
Gast
« am: 27. Mai 2005, 08:57:44 »

Es mag jetzt fast dreißig Jahre her sein, da ich zuletzt loszog, um einer anscheinend obsoleten Tradition unter Kindern nachzugehen: Ich wollte Maikäfer sammeln!

Als Kind wusste ich wenig von ökologischen Gesetzen und Gegebenheiten; von Umweltschutz hatte ich durch Hören-sagen eine schwache Vorstellung - es war nicht üblich, Kinder in der Schule zu lehren, was uns Natur bedeutet und bedeuten kann, wie sie durch moderne Technologie fortlaufend gefährdet wird und wie aus einer kompetitiven Grundsituation zwischen moderne Technik und Natur eine Grundkonstellation hervorgehen könne, aus der beide als Sieger und gegenseitige Förderer fortbestehen und sich weiterentwickeln können.

Zurückblickend stellt sich mir, wenn ich meine kindliche Lernsituation hinsichtlich meines sich entfaltenden Naturbildes betrachte, eine betrübliche Bilanz vor, denn diese ist durch Materialismen, wie sie in den 70ger und 80ger Jahren die Öffentlichkeit, das Schulwesen und die Pädagogik prägten, dominiert worden.

Seither hat sich vieles im Schulwesen, in der Erziehung und in der Öffentlichkeit geändert; zwar gibt es nicht mehr massenhaft junge Maikäfer in jener Hecke, wo ich damals welche fand (ironischweise an einer vielbefahrenen Haupt- und Umgehungsstraße des Ortes), aber ökologisches Denken und Handeln zeitigt inzwischen gute Früchte, die sich auch im Stadtbild manifestieren.

Der Mai neigt sich seinem Ende zu, und ich gestehe, auch dieses Jahr blieb mir der erfreuende Anblick eines Maikäfers verwehrt. Ich weiß nicht, ob, wenn ich die beiden Nachbarskinder fragen würde, wenigstens einer von beiden, sagen könnte, wie denn so ein Maikäfer aussieht. Nichts halte ich von einer nostalgisch verklärenden, kitschig an oberflächlichen Schemata orientierten Pädagogik - weder im Elternhaus noch in der Schule; wenn Erwachsene, nach dem Aussehen des Sauerkrautes auf dem Feld befragt, nur zu antworten wissen, Weißkraut wachse lianen- und spaghettiförmig als Staude am Boden - ähnlich etwa wie manches Schlingkraut - dann mag dieses Anzeichen als Alarmsignal uns gelten, dass ein auf die Ganzheit des Mensch- und Naturseins gerichtete Bildung mehr denn je als Ideal uns erscheinen muss.

Gestern kam ich gerade von einem kleinen Ausflug mit dem Fahrrad zurück, als mein Handy klingelte: als ich an meinen Gürtel griff, um zu antworten, klammerte sich ein Etwas an meinem Zeigefinger fest: nicht ein Maikäfer war es, aber ein smaragdgrüner, fast daumengroßer Käfer, der sinniger Weise in der hiesigen Gegend schlicht "Gärtner" genannt wird. Er hatte die energiesparende Mitfahrgelegenheit an meinem Handy-Etui genützt und blieb an jenem noch zwei Stunden Gast in meinem Arbeitszimmer. Irgendwie tröstete mich der kleine Ritter, der trotz wohlbewährter Chitinrüstung - im Kampf oder bei einem "Verkehrsunfall" ein Bein verloren hatte.

Wenn Menschen in der Gegenwart - wenn überhaupt - einen auf reine Sentimentalität beschränkten Zugang zum Wesen und Erleben der Natur angewiesen bleiben würden, auf ein Verhältnis zum Naturhaften, das keine adäquaten Begriffe und nur ein bescheidenes Repertoire an eigenen Erlebnisinhalten mit Natur aufweist, dann müssen die Ergebnisse der PISA-Studien wie Bagatelle-Nachrichten anmuten; sie können eigentlich nicht verwundern, sondern sind größtenteils Ergebnis einer besorgniserregenden Bildungssituation in unserer Republik.

Im Grunde sollten diese Zeilen keineswegs diesen ernsten Grundton erhalten; aber anscheinend schwingt zumindest in meiner emotionalen Befindlichkeit ein solcher mit, wenn ich an Maikäfer denke.

Wie ergeht es Euch?

Liebe Grüße

Wolfgang

Gespeichert
Chrissie
*****
Offline Offline


Geist ist geil! Klimazone 7a, ca. 500 m über NN


« Antworten #1 am: 27. Mai 2005, 09:55:06 »

Ich muss dir Recht geben - es gibt keine Maikäfer mehr.

Als ich in den 70ern in die Grundschule ging, gab es "Fangprämien" von 1 Pfennig/Stück ob der damals grassierenden Maikäferplage. Wir haben ganze Schuhkartons voll in der Schule abgeliefert und die wurden dann vom Zoo als Futter abgeholt. Morgens vor der Schule haben wir sie im klammen Zustand geradezu von den Bäumen geschüttelt. Manche Buchen hatten gar keine Blätter mehr. Natürlich haben wir nur die "Bauern" eingesammelt, die "Schornsteinfeger", "Müller" oder gar die "Kaiser" haben wir uns selbst behalten und ein paar Tage versucht zu füttern, bevor wir sie wieder freigelassen haben.
Die größte Mutprobe war, sich einen auf die Nase zu setzen - da haben die anderen Mädels immer gekreischt.

Und heute? Kein Kind hier in der Gegend weiß mehr, wie der Maikäfer eigentlich in Natura aussieht.
« Letzte Änderung: 27. Mai 2005, 09:56:28 von Chrissie » Gespeichert

Dumme hetzen, Kluge warten - Weise gehen in den Garten. (Frei nach Tagore)
Günther
*****
Offline Offline


Ich liebe dieses Forum!


« Antworten #2 am: 27. Mai 2005, 10:48:07 »

Maikäfer gibts noch, ich muß sagen, gottseidank viel weniger als früher, auch Junikäfer, auch - noch zu viel - Rosenkäfer.
Eher betrübt mich der Rückgang an Hirschkäfern oder Glühwürmchen....
Gespeichert
Sarracenie
****
Offline Offline

Sarracenie
Ich liebe dieses Forum!


« Antworten #3 am: 28. Mai 2005, 12:16:52 »

Hi,

dieses Jahr waren auch wieder die Maikäfer unterwegs, allerdings schon mitte April. Und sie waren auch wieder Massenhaft da (zumindest hier bei mir). Kein Baum bei mir im Garten ist nicht angefressen worden, beim Gartenumgraben habe ich je qm mehr als 5-6 Engerlinge und 3-4 Maikäfer gefunden (2 Engerlinge pro qm gelten schon als Plage. Und beim Ausfliegen habe ich innerhalb einer halben Stunde mehr als 30 Stück auf noch nicht mal 10qm Wiese erwischt (war nur ein Bruchteil, da man im dunklen nicht mehr nach dem Gehör gehen konnte weil es überall von starteten Maukäfern brummte). Man muß nur zur rechten Zeit (warm, nach 21.00) am rechten Ort (Wiesen mit Strauchgruppen,hohem Gras und Hecken)sein dann trifft man auch die Maikäfer wieder an. Das die heutigen Kiddis keine mehr kennen liegt unter anderem daran das sie sich nicht mehr in der Natur aufhalten, sondern lieber am Computer hocken, sich in Discos rumtreiben und fast jeden Meter mit dem Mofa, Moped oder Auto zurücklegen, anstatt mal einige Stunden durch Wald, Feld und Wiesen zu maschieren. So kann man auch keine Naturschönheiten kennenlernen. Nach dem Kälteeinbrauch Anfang Mai sind die Maikäfer natürlich nicht mehr am fliegen gewesen, haben ihre Eier abgelegt und sind dann eingegangen.
Gespeichert
domus
Gast
« Antworten #4 am: 28. Mai 2005, 16:55:24 »

Hier waren es dieses Jahr auch ziemlich viele; vorgestern habe ich den letzten über unsere Terrasse fliegen gesehen und brummen gehört.

Vor einiger Zeit habe ich irgendwo gelesen, dass jedes 11. Jahr ein Maikäferjahr sei, was angeblich mit einem bestimmten Zyklus in der Sonnenaktivität zu tun haben soll. Was das miteinander zusammenhängen soll, ist mir zwar rätselhaft, aber so stand's da.

Und was die Kinder angeht: Hier auf dem Land wissen die schon noch, wie ein Maikäfer aussieht. Es wird auch noch im Garten gespielt, Baumhäuser gebaut und durch die Gegend gestromert.

So ab 13, 14 ist dann Schluss, aber das ist normal. Ich jedenfalls habe mich als pubertierender Knabe (lang, lang ist's her) wenn überhaupt für Biologie, dann nur in eine sehr bestimmte Richtung interessiert ;-)

Gruß

domus

   
Gespeichert
gregor
*****
Offline Offline


« Antworten #5 am: 29. Mai 2005, 08:58:16 »

In Westösterreich sind die letzten Maikäferplagen grad einmal ein paar Jahre her. Maikeäfer werden durch die Umweltzerstörung eigentlich kaum beeinträchtigt. Ihre Bestandsschwankungen haben keine anthropogenen Ursachen. Wie die Lemminge gehören maikäfer zu den r-Strategen. Sie vermehren sich solange, bis der Bestand so groß wird, daß er zusammenbricht. Im Falle des Maikäfers passiert das durch eine zeitverzögerte Massenvermehrung eines parasitischen Fadenwurmes (Nemathode). Nach dem Bestandszusammenbruch (2-4 "Maikäferjahre" im 3-4jährigen Abstand) dauert es etwa 70 Jahre, bis sich der Bestand erholt hat. Der 70-Jahre-Rhythmus ist anhand lokaler Chroniken über das Massenvorkommen von Maikäfern belegbar und bislang unabhängig von Bekämpfungsmaßnahmen.
Gespeichert

d'Ehre
Grischa
lissy
***
Offline Offline


WWW
« Antworten #6 am: 29. Mai 2005, 10:46:45 »

Hallo wolfgangstern,

wo sind die Maikäfer geblieben?
Sie schlummern in meinem Garten als dicke fette Larven unter der Mulchdecke und im Kompost.

Heute Abend gibt es wieder Maikäferlarven vom Grill.
Gefüllt mir Thyminan und Rosmarin. Grinsend

Scherz beiseite.
Wer mich kennt, weiß, daß ich das nieee machen würde.
Aber lecker schaun sie schon aus.

Gruß, Lissy

Gespeichert
gregor
*****
Offline Offline


« Antworten #7 am: 29. Mai 2005, 11:05:02 »

Maikäfer-Engerlinge leben niemals im Kompost. Das sind Rosenkäfer oder evtl. Nashornkäfer.
Gespeichert

d'Ehre
Grischa
Günther
*****
Offline Offline


Ich liebe dieses Forum!


« Antworten #8 am: 29. Mai 2005, 11:43:44 »

Bei mir sinds Rosenkäfer, Maikäferpuppen hab ich heuer relativ viele unter der Grasnarbe gefunden.
Sind Nashornkäferlarven leicht zu identifizieren?
Engerlinge werden besser roh gegessen, wie Austern Grinsend
Gespeichert
lissy
***
Offline Offline


WWW
« Antworten #9 am: 29. Mai 2005, 15:34:24 »

Hallo gregor,

Die Ansichten gehen auseinander, ob Maikäfer-Larven im Kompost vorkommen.
Wenn der Kompost zeitenweise bewachsen ist, dann schon.

Vom Aussehen her sind meine sowohl im Kompost, als auch in den Beeten eindeutig keine Rosenkäfer, sondern ehr Maikäfer, oder eine sehr ähnliche Engerling-Art.

http://www.reckenholz.ch/doc/de/forsch/landbau/nutz/rosenk.html
http://www.wsl.ch/forest/wus/diag/show_singlerecord.php?TEXTID=94&MOD=1&LANGID=1

Nashornkäfer fände ich ja cooler, die schauen auch so ähnlich aus wie Maikäfer, aber daß die in dieser Häufigkeit vorkommen, kann ich mir gar nicht vorstellen.

Die würd ich sicher auch nicht essen, viel zu selten, diese Viecher.
Nicht mal roh, wie Austern  Zwinkernd
Rosenkäfer-Larven eignen sich offensichtlich besser zum Verzehr, weil sie nicht diesen harten Schild haben.
Wieder was gelernt.

Gruß, Lissy

Gespeichert
Seiten: [1] Nach oben Drucken 
forum.planten.de  |  gartenlandschaftsforum  |  Tier-Forum (Moderator: flor)  |  Thema: Wo sind die Maikäfer geblieben? « vorheriges nächstes »
Gehe zu:  


Einloggen mit Benutzername, Passwort und Sitzungslänge

Impressum | Netiquette | Nutzungsbedingungen | Hilfe
Inhalte (Fotos, Texte...) unterliegen seit 02.09.2006 der Creative Common License

Powered by SMF 1.1.21 | SMF © 2006, Simple Machines