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Autor Thema: Meine ganz besondere Elster  (Gelesen 4222 mal)
Wühlmaus
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Wühlmaus
Raue Ostalb, 500m ü.NN, Tallage, 6b


« am: 25. März 2002, 10:09:09 »

Für ein anderes Forum habe ich mal vor einigen Jahren in meinen Erinnerungen gekramt und diese dann einwenig ergänzt und aktualisiert  Smiley


Vor einer halben Ewigkeit, als ich noch bei meinen Eltern wohnte, flog uns eines Tages eine halbzahme Elster zu, die uns "erzählte", daß sie CÄSAR heißt!

Über viele Wochen hinweg besuchte sie uns regelmäßig durch das geöffnete Badezimmer- oder Küchenfenster. Nie über den Balkon. Mit  den wunderschönen  Melodien, die sie pfiff, konnte sie es mit jeder Amsel aufnehmen.

Wie wir nach einiger Zeit feststellten, schlief sie immer im Trockenraum des Hauses auf einer Wäscheleine. Und sie war so rotzfrech, daß man es kaum glauben kann. Eine Nachbarin konnte nur noch mit geschlossenen Schuhen in den Trockenraum oder den Garten, da Cäsar es immer auf die wunderbar gepflegten roten Fußnägel abgesehen hatte, dem Briefträger hing sie sich ans Hosenbein und einem furchtbar pingeligen Rentner hat sie immer den Schwamm geklaut, wenn er das Auto wusch. Mit Vorliebe hat sie an den Fensterbrettern von außen alle Ablauflöcher für das Kondenswasser mit Futterresten verstopft...

Mit der Zeit wurde er auch immer handzahmer und ließ mit großem Genuß im Genick kraulen. Aber das Schönste waren die „Badefeste“: Es ergab sich eines Tages, daß ich mir im Bad am Waschbecken die Hände wusch. Wg. Cäsar stand meistens das Fenster offen und so erschien er auch wieder. Nach neugierigem Beäugen kam er ans Waschbecken geflogen und testete erst etwas zaghaft den Wasserstrahl um sich dann darunter zu setzen und zu baden. Diese Lebensfreude und den Genuß vergeß ich nie! Der triefend nasse Vogel flog dann mit Mühe auf die Badezimmertür um sich dort zu schütteln. Alles was bis dahin im Raum noch Trocken war nun auch klitsch naß - aber der Vogel hoch zufrieden. Meine Mutter war wenig davon begeistert, aber ich habe Cäsar so oft es ging zu diesem Vergnügen verholfen.

Tja, und nach einigen herrlichen Wochen hat irgend so ein hirnverbrannter Idiot (Entschuldigung!) Cäsar mit einem Luftgewehr vom Dach geholt. Er hatte in einem Oberschenkel einen Steckschuß und der Oberschenkelknochen war zersplittert. Mein Vater hat das Geschoß herausoperiert und das Bein geschient. In der folgenden Nacht haben wir ihm alle Stunden etwas Wasser eingeflößt. Für zwei oder drei Wochen hatten wir ihn dann komplett in der Wohnung.

Er hat es überstanden, aber das Bein war steif geworden. Und so mußte er erst lernen, sich sicher auf einem Bein zu bewegen und zu landen.  Da wir ihn ja schlecht in der Wohnung leben lassen konnten, haben wir ihn dann wieder in die Freiheit entlassen. So unendlich zutraulich und anhänglich er in der Wohnung wurde, ist er doch sofort durch das geöffnete Fenster geflogen und niemehr zurück gekommen.

Auch hier haben wir Elstern und daher habe ich meinen Kompost immer gut abgedeckt, die Nachbarschaft leider nicht. Und so werden diese hochintelligenten Vögel im Winter regelrecht in die Gärten gelockt. Denn wenn sie eine Eierschale oder eine Orangenschale sehen, wissen sie sofort, daß es dort mehr gibt.

Letztes Jahr haben sie sich auf das Ausräumen der Starenkästen spezialisiert: Kurz bevor die Stare flügge werden, hüpfen sie in den Kästen immer hoch zum Flugloch und auf den Moment haben die Elstern gewartet und sich den Braten geschnappt. Aber auch hier gilt das gleiche wie bei den Amseln. Bei zwei bis drei Bruten schadet es nicht.

Auf der Wiese haben wir eine Windgans stehen und mit der spielen die Elstern immer „Ärgern“. Sie fliegen ihr auf den Kopf und beißen ihr in den Schnabel oder sie schleichen sich von hinten an, um den Windbeutel am „Schwanz“ zu ziehen, aber immer auf der Hut, denn vielleicht könnte dieser Vogel ja doch mal reagieren. Oder sie spielen auf und unter einer Liege verstecken...

Grüße von der etwas in Erinnerungen abgeschweiften Wühlmaus
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Ceres
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Klimazone 6 480m ü.NN, Obb. Naturraum 2/3


« Antworten #1 am: 25. März 2002, 13:09:13 »

Ich kann mich Raphaela nur anschließen mit ihrer Meinung, die Geschichte ist schön, etwas ähnliches (allerdings ohne daß der Elster etwas passierte), habe ich vor ca. 25 Jahren im Urlaub einmal erlebt, es macht mit Tieren auf jeden Fall immer Spaß und ich habe absolut nichts gegen Elstern, wie ich im anderen Thread bereits bemerkt habe, genausowenig gegen Katzen, Marder und andere Tiere, welche sich bei uns rumtreiben. Wenn ich aber merke, daß sich jemand an andere Tiere heranschleicht, störe ich den Räuber auf jeden Fall, ich muß ja - nur weil es die Natur so eingerichtet hat - nicht alles einfach sang- und klanglos hinnehmen. Machst Du ja auch nicht oder würdest Du, mal ganz überzogen gesagt, einen Einbrecher bei Deinen Nachbarn nur beobachten und gar nichts machen?

« Letzte Änderung: 16. April 2007, 08:40:53 von Ceres » Gespeichert

Viele Grüße, Ceres
silvia
Gast
« Antworten #2 am: 25. März 2002, 21:35:25 »

Das ist wirklich eine schöne Geschichte, Wühlmaus. Auch wir haben ein Elsternpaar in unserem Garten. Ich glaube, es nistet seit ein paar Jahren in einer unserer Tannen. Wegen mir können sie dort bleiben. Mich stört das nicht. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass es mehr werden.

In unserem Nachbarhaus ist nun ein Mieter von der untersten in die oberste Etage gezogen. Vor ein paar Tagen kam er an und sagte, da wäre ein Ast unserer Fichte, der würde immer auf dem Dach (Beton) der Garage scheuern. Da hätte er Befürchtung, er könne was beschädigen.  Augen rollen Ob er ihn abschneiden dürfe. Und eigentlich könnte die Tanne doch ganz weg, da würden sowieso nur die Elstern drin nisten.
Und unser Kirschenbaum, hätte er nun gemerkt, würde ihm sicherlich die Sicht nehmen, wenn er im Sommer belaubt ist .... Also, den Ast durfte er abschneiden. -  Aber das nur so am Rande.

Jedenfalls haben wir hier so viele Vögel, dass man im Sommer schon ab und an im Morgengrauen, wenn sie anfangen zu singen, den Puschen nach ihnen schmeißen könnte.  Zwinkernd Dann geht Schlafen nur bei geschlossenem Fenster. Besonders die Elstern können ein ganz schönes Spektakel machen.

Ich tu mich aber schwer damit, Tieren den Zutritt in unseren Garten zu verwehren, von Nachbars Hunden einmal abgesehen. Und seit ich weiß, dass es die Ameisen sind, die den Schneeglöckchensamen weitertragen, finde ich auch die nicht mehr so lästig.

Viele Grüße
Silvia
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Ceres
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Klimazone 6 480m ü.NN, Obb. Naturraum 2/3


« Antworten #3 am: 25. März 2002, 22:38:52 »

Hallo Silvia,
die Elstern verhalten sich bei uns wenigstens am Morgen recht ruhig, die können wirklich ganz schön lärmen, auch die Krähen und die Nußhackl (=Eichelhäher), aber den morgendlichen Gesang unserer Singvögel, den liebe ich wirklich, da weiß ich dann: jetzt ist es Frühling bzw. Sommer.

Viele Grüße mit Hoffnung auf ein baldiges, schöneres Wetter Smiley
« Letzte Änderung: 16. April 2007, 08:40:38 von Ceres » Gespeichert

Viele Grüße, Ceres
gregor
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« Antworten #4 am: 29. März 2002, 15:14:04 »

Erika , in Deinem Vergleich mit den Einbrechern ist ein Denkfehler drin: Elstern rauben nicht. Es gibt keine Raubtiere, nur Beutegreifer oder Jäger.
Grad Elstern gehören zu den besonders sympathischen Tieren, die ich den meisten Singvögeln vorziehe. In der Natur aber sind sie gleichwertig. Jede Art hat ihren Platz. Nur wenn der Mensch eingreift, kommt es oft zu Problemen. In einer Kulturlandschaft aus geschnittenen Obstbäumen, Thujenhecken etc. haben Elstern, Katzen etc. leichtes Spiel mit Jungvögeln. Die gute Ernährungslage fördert die Vermehrungsrate. Die Lösung des Problems liegt aber nicht im Verscheuchen oder der Reduktion der Elstern, sondern in der Schaffung naturnäherer Landschaften.
Die Auslöschung ganzer Bruten im Garten wird oft zu tragisch gesehen. Denn von all den Bruten, die ein Vogelpaar im Laufe des Lebens aufzieht, sollen ja nur 2 selbst reproduzieren, um die Population stabil zu halten.
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d'Ehre
Grischa
Ceres
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Klimazone 6 480m ü.NN, Obb. Naturraum 2/3


« Antworten #5 am: 29. März 2002, 16:56:53 »

Na Gregor, ich weiß nicht recht ,mir als Vogeleltern wäre es total egal wie Mensch die Elstern bezeichnet, ob Aasfresser, Jäger, Beutegreifer oder Einbrecher, am Ende kommt´s ja doch immer auf dasselbe hinaus - die Jungen sind weg!
Abgesehen davon können sich bei uns noch viele Singvögel gut in einer sehr langen Hecke verstecken und wenn es auch Deiner Meinung nicht viele Vögel sind, welche dran glauben müssen, bin ich trotzdem der Meinung, daß ich nicht tatenlos zusehen muß - bring ich einfach nicht fertig!

« Letzte Änderung: 16. April 2007, 08:41:14 von Ceres » Gespeichert

Viele Grüße, Ceres
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