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forum.planten.de  |  Pflanzen  |  Gehölze-Forum (Moderatoren: Hilmar, winterliesel)  |  Thema: Kronentraufe 0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema. « vorheriges nächstes »
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Autor Thema: Kronentraufe  (Gelesen 7687 mal)
Wühlmaus
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Wühlmaus
Raue Ostalb, 500m ü.NN, Tallage, 6b


« am: 08. April 2002, 10:24:06 »

So genau weiß ich nun nicht, wo ich diese Frage am besten unterbringe, aber ich versuch mein Glück mal hier Smiley

Eine Frage zur flächenmäßigen Wurzelausdehnung:

Bei den Obstbäumen spricht man vom Bereich der Kronentraufe, der auch ziemlich genau dem Bereich entspricht, in dem sich kurz unter der Bodenoberfläche die Saugwurzeln befinden.

Gilt diese ca-Angabe der Wurzelausdehnung im Vergleich zur Krone generell für Laub- und Nadelbäume?

Und wie sieht es mit dieser  Wurzelausdehnung  bei Sträuchern aus???

Wühlmaus
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Hans
Gast
« Antworten #1 am: 08. April 2002, 19:02:52 »

Hallo Wühlmaus,

das ist ja wieder mal eine interessante Frage.

Also, zu den Bäumen kann ich nichts sagen, da ich noch keine ausgebuddelt habe.  Zwinkernd

Es gibt ja so viele verschiedene Sträucher; die einen wachsen schlank in die Höhe, die anderen kriechen am Boden entlang.
Ob da die Ausbreitung der Wurzeln in etwa der Beblätterung (spricht man bei Sträuchern auch von Krone ?)  entspricht. Ich tippe mal auf nein.

Bei einem relativ jungen Weißdorn, den ich mal versetzt habe, auf jeden Fall nicht. Da war die Wurzelausbreitung weitaus geringer, als die der Zweige. Ich habe schön fleißig einen großen Kreis ausgestochen und dann war es eine relativ kleine Wurzel. Die Arbeit hätte ich mir ersparen können. Ich habe mich auf jeden Fall sehr gewundert, ob der kleinen Wurzel.
Aber vielleicht lag es auch daran, daß er noch ziemlich jung war. Vielleicht spielt ja auch das Alter eines Strauches bzgl. der Wurzelausbreitung eine Rolle!

Außerdem bilden einige Sträucher (Schlehe, Sanddorn etc.) unterirdische Ausläufer, die dann "meilenweit" vom eigentlich Strauch aus dem Boden schießen - nicht nur unterhalb der "Krone".

Vielleicht weiß ja jemand etwas genaueres!

Schöne Grüße
Hans
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Hilmar
Moderator
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« Antworten #2 am: 08. April 2002, 19:32:57 »

Hallo Wühlmaus,

dass die Wurzelausdehnung identisch mit der Kronentraufe ist, kann nur in den seltensten Fällen bestätigt werden. Dies hat verschiedene Gründe:

1. Pyramidale Bäume hätten in dem Fall nur eine sehr kleine Wurzelfläche. Die Wurzel reicht aber weit über die Kronentraufe hinaus.

2. In innerstädtischen Standorten reicht die Wurzelausdehnung auf Grund verschiedenster negativer Beeinträchtigungen des durchwurzelbaren Bodens (alte Grabungen, Bodenverdichtungen, Bodenversiegelung, etc.) meist nur stellenweise, aber besonders bei älteren Bäumen, weit über die Kronentraufe hinaus.

3. Hängt die Wurzelausdehnung natürlich sehr stark von dem arteigenen Wurzelwachstum der jeweiligen Gehölze ab. (Steileiche ist anfänglich ein typischer Pfahlwurzler, bildet aber im Laufe der Zeit eine typische Herzwurzel aus. Die Gemeine Esche hat eine arttypische Wurzel, welche weit über die Kronentraufe hinausreicht.)

4. Hängt die Reichweite der Wurzeln sehr stark von deren Belastung ab. Je mehr eine Wurzel auf Zug belastet wird, desto länger ist diese.

5. Die Art des Bodens ist ebenfalls für die Reichweite der Wurzeln verantwortlich. Bei Sandböden sind die Wurzeln wesentlich länger als bei Lehmböden. Das liegt am Nährstoffangebot der Böden, deren Wasserhaushalt und deren Scherkraft.

Die genaue Wurzelausdehnung kann man daher nur durch zeitraubende und / oder sehr kostenaufwendige Probegrabungen feststellen.

Gruß Hilmar
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wilfried_p
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« Antworten #3 am: 08. April 2002, 21:55:38 »

Hallo,
Zur kronentraufe fallen mir zwei dinge ein:  
Eine fotoserie, in der das wurzelwerk eines apfelhochstammes gezeigt wurde, der einer baumaßnahme zum opfer fiel. Dazu wurde der oberboden mit dem feuerwehrschlauch weggespült. die größe dieses bereiches hat mit der sichtbaren
baumgrösse nichts zu tun, der  wurzelbereich war sicherlich dreimal so gross.
Ein anderer fall war ein elstar auf m9 der wegen dringenden feuerbrandverdachtes aus der anlage genommen werden musste. Den konnte ich mit zwei händen aus der erde ziehen -keine wühlmäuse-.jede tagetes hat mehr wurzelwerk.
Ob und wieweit bäume ineinanderwachsen weiss ich nicht, allelopathie ist ein thema , das manchmal ins filosofische abgleitet. ob das gesamte wurzelwerk aktiv ist weiss ich auch nicht, siehe wurzelhaube, schleimspitze, calyptra.
mfg wilfried
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Wühlmaus
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Wühlmaus
Raue Ostalb, 500m ü.NN, Tallage, 6b


« Antworten #4 am: 08. April 2002, 22:19:42 »

Hmmm, danke erstmal Zusammen.
Aber wenn ich Eure Beiträge so lese, dann gibt es wohl eine Regel weniger in meinem ungeregelten Leben Zwinkernd

Wühlmaus
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Andrea
Gast
« Antworten #5 am: 09. April 2002, 07:42:14 »

Und wie sieht es dann mit dem Düngen aus, gilt da noch die Regel innerhalb der Kronentraufe den Dünger aufzubringen?
Oder Düngt ihr Bäume garnicht oder erst ab einem gewissen Alter nicht mehr?
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Wühlmaus
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Wühlmaus
Raue Ostalb, 500m ü.NN, Tallage, 6b


« Antworten #6 am: 09. April 2002, 09:30:42 »

Hallo Andrea!

Die Obstbäume, die zum Teil als Halbstämme im Rasen/Wiese stehen, dünge ich schon, und zwar über die Baumscheibe. Die hat jedoch einen deutlich kleineren Durchmesser als die Kronentraufe.

Die Kronentraufe war/ist für mich immer ein gewisser Anhalt - zmindest bei den Obstbäumen - in welchem Bereich ich keine tiefergreifenden Bodenbearbeitungen durchführen sollte.

Ab und mit dem ersten Grasschnitt werden die Baumscheiben gemulcht. Diese Mulchschicht wird regelmäßig mit Krail oder Grabgabel oberflächig aufgelockert, so daß ein guter Kontakt mit dem so immer feuchten Boden besteht. Im Herbst werden die Reste des Grasmulches entfernt und jeder Baum bekommt eine knappe Schubkarre voll Kompost.
Allerdings muß  man mit dem Grasschnitt auch ein wenig kontrolliert umgehen, denn der ist ein recht guter Stickstoffdünger....

In diesem Zusammenhang interessiert mich Folgendes: Eine junge Winterlinde, ca. 8 Jahre alt, steht auch im Rasen. Sie hat jedoch keine Baumscheibe und ich habe sie bisher noch nie gedüngt/gemulcht. Da aber um sie herum regelmäßig der Rasen gemährt und somit reichlich Nährstoffe entzogen werden - sollte ich ihr vielleicht doch etwas Gutes tun???

Wühlmausgrüße
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silvia
Gast
« Antworten #7 am: 09. April 2002, 09:48:04 »

Hallo zusammen,

die Wurzeln unseren Kirschbaumes haben bestimmt die Ausdehnung der Kronentraufe. Ich bin immer wieder erstaunt, in welcher Entfernung vom Stamm ich beim Pflanzen noch dicke Kirschbaumwurzeln entdecke. Ähnlich sieht es bei den Fichten aus, da reichen die dicken Stütz-Wurzeln noch weiter.

Ein großes Wurzelwerk hat auch unser Walnussbaum.

Bezieht sich dieser Grundsatz nicht auch auf das gesamte Wurzelwerk, also auch auf das System der feinen Haarwurzeln, die den Baum letztendlich versorgen? Die reißen doch beim Auspflanzen meist ab, oder nicht?

Viele Grüße
Silvia
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bernhard
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Klimazone 6


« Antworten #8 am: 10. April 2002, 07:44:24 »

ich schließ' mich hier gleich mal der frage von wühlmaus bezüglich der linde an. bei mir ist die situation dieselbe - außer: ich hab eine sommerlinde. ich hab mir auch schon überlegt, die baumscheibe vom rasen zu befreien und zu mulchen.
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freundliche Grüße,
Bernhard
Hilmar
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« Antworten #9 am: 10. April 2002, 17:49:03 »

Hallo,

der Rasen ist das grüne Leichentuch der Bäume. Dieser Spruch ist schon etwas älter, hat aber an Bedeutung nicht verloren. Durch den Grasfilz und die dichte Bewurzelung des Rasens dringt kaum Niederschlagswasser bis zu den Baumwurzeln durch. Ich selbst habe an einem verregneten Tag mal das Gras im Kronentraufbereich einer alten Eiche entfernt. Der Boden darunter war staubtrocken. Außerdem stellt das Gras eine nicht zu unterschätzende Nährstoffkonkurrenz dar.

Den Wurzelbereich älterer Bäume wird man jedoch kaum vollständig vom Gras befreien (es sei denn, man hat soviel Platz). Man kann aber einzelne Sektoren des Wurzelbereiches vom Rasen befreien. Dann stellen sich aber nach geraumer Zeit selbst unerwünschte Wildkräuter ein. Die Baumscheibe wird also nie ohne Vegetation bleiben. Man kann die Wildkräuter belassen oder aber die Baumscheibe mit geeigneten Stauden und Gehölzen bepflanzen.

Beim Mulchen der Baumscheibe immer an den Stickstoffentzug im Boden denken, welcher bei der Verrottung der Holzhackschnitzel o.ä. Materialien entsteht. Die Mulchschicht sollte auch nicht höher wie 5 cm sein. Ansonsten ist eine Mulchschicht eine gute Sache gegen schnelles Austrocknen der oberen Bodenschichten.


Zum Düngen eines Baumes kann man ruhig innerhalb der Kronentraufe düngen. Der überwiegende Teil der Baumwurzeln befinden sich in diesem Bereich. Ältere Bäume braucht man in der Regel nicht zu düngen. Nur bei sichtbarer Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Bäume kann eine Düngung sinnvoll sein. Eine Verbesserung der Vitalität erreicht man meist schon mit einer Bodenverbesserung (Bodenlockerung, Belüftung, Einarbeiten von Kompost, Aktivierung des Bodenlebens u.a.).

Gruß Hilmar
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Wühlmaus
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Wühlmaus
Raue Ostalb, 500m ü.NN, Tallage, 6b


« Antworten #10 am: 10. April 2002, 19:37:58 »

Dank Dir Hilmar,

dann werd ich der Linde diesen Sommer mal was Gutes tun Smiley

Und zum Mulchen der Baumscheiben:
Wie schon oben geschrieben, mache ich das immer im Sommer mit dem Grasschnitt. Aber da muß man wirklich aufpassen, daß vor dem ersten Mulchen der Boden auf der Baumscheibe gut durchfeuchtet/durchnäßt ist und oberflächig aufgelockert. Wenn dann das Mulchmaterial dünn und locker aufgetragen und auch immer ein wenig mit dem Oberboden "vermengt" wird, kann man wirklich über den Sommer hinweg, auch in langen Trockenperioden, die Feuchtigkeit unter dem Baum festhalten.
Und durch das dichte Blätterdach kommt von oben kaum Wasser in diese Bereich des Bodens...

Wühlmaus
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