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forum.planten.de  |  Pflanzen  |  Botanikforum (Moderatoren: Giuseppe, Blue)  |  Thema: Cytisus & Genista 0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema. « vorheriges nächstes »
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Autor Thema: Cytisus & Genista  (Gelesen 4147 mal)
ernst
Gast
« am: 08. Februar 2003, 11:50:22 »

Zu meiner Schande muß ich gestehen, dass für mich Ginster gleich Ginster war.
Im Hinterkopf hatte ich immer das Bild einer Pflanze, die im warmen, sonnnigen Karst zuhause ist.
Mehr oder weniger aus Zufall habe ich vor 2 Jahren mit einem Färberginster begonnen, voriges Jahr sind Purpur- und Elfenbeinginster dazugekommen.
Nachdem alle Arten sich in meinem sauren, trockenem Boden inneralpin besten entwickelt haben, ich eine lange und hohe Südböschung zur Straße hin noch zu bepflanzen habe, bin ich erstmals vorsichtig in die Botanik eingedrungen, und mußte zu meiner Überraschung feststellen, dass sie zwei verschiedenen Gattungen angehören.

Meine Fragen sind:
Wodurch unterscheiden sich Cytisus und Genista

Weche robuste Ginsterarten und Sorten sind für diesen Standort empfehlenswert

Elfenbeinginster wird in meiner Literatur mit max 1m Höhe angegeben, auf Abbildungen sieht man jedoch Exemplare mit ca. 2,5m

Beim Gärtner gibt es auch einen sog. Herbstginster, was ist das?

Wohin zählen die oft bei Floristen für Schnittblumensträuße verwendeten weißen und rosa Sorten?

Gibt es spezielle empfehlenswerte Literatur zum Thema?
Danke, und LG, ernst!
             

« Letzte Änderung: 08. Februar 2003, 11:52:55 von ernst » Gespeichert
macrantha
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macrantha
Ich liebe dieses Forum!


« Antworten #1 am: 08. Februar 2003, 12:51:07 »

Aaaalso, ich hab mal gekramt ...

Die Gattung Cytisus (Besen-Ginster, Brem) hat  irgendwas zwischen 33 Arten (Bruns: 70) in Europa und
Afrika, 5 sind heimisch.
Cytisus scoparius hieß früher Sarothamnus scoparius, Kleinstrauch von 1-2m, Zweige auffällig grün, Blüten
leuchtend gelb; die Blätter sind einfach (oval-lanzettlich) oder auch dreigeteilt und zwar an einem Strauch.
Irgendwann zwischen Mai und Juni werden die Blätter i.d.R. abgeworfen (in der Regel, weil ich auch mal im
August einen mit Blättern erwischt habe) und assimilieren über die Zweige. Er wächst auf armen Sandböden, nährstoffarm.
(also sauer)

Die Holländischen Ginster sind Cytisus-Scoparius-Hybriden (alle möglichen Ginster gekreuzt) in vielen Farben.
In strengen Wintern brauchen sie einen leichten Schutz. Der Boden sollte auch hier leicht sauer sein.

Genista (Geißklee oder Ginster) hat ausschließlich einfache Blättchen die auch nicht abgeworfen werden und die Zweige sind eher bräunlich. Es gibt 87 Arten (Bruns 100), 5 heimische;
Genista germanica (Deutscher Ginster) ist ein Zwergstrauch von 0,3 bis 0,6m Höhe dessen Blüten ebenfalls gelb sind und die Zweige bedornt. Genista tinctoria (der Färber Ginster) hat als Unterschied zu Vorherigem keine Dornen. Bodenansprüche auch hier leicht sauer und  eher nährstoffarm, ist aber pH-toleranter.

Cytisus purpureus (Purpur-Geißklee) möchte es lieber alkalisch - abgeschaut aus dem Bruns ...  also
anscheinend kann man nicht sagen: Cytisus-> sauer ...
Das war aber der Einzige den ich gefunden habe, der kalkliebend ist.
Zum Elfenbeinginster (kalkempfindlich) steht im Bruns durchaus eine Höhe von 2m.
Hoffe das hilft erst mal... wird sicher noch jemand mehr beitragen können...
Liebe Grüße
macrantha

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Caracol
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Caracol

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« Antworten #2 am: 08. Februar 2003, 15:09:51 »

Ja und dann gibt's da ja wohl noch den Ulex (z.B. U. europaeus) ein wirklich stachliger Stechginster, der aber - wie bei uns jetzt schon im Februar - jede Menge gelbe erbsenförmige Blüten mit grünen Stacheln aufzuweisen hat. Der gedeiht an sonnigen Standorten auf mageren, sauren, durchlässigen Böden.

Und der Ulex gehört merkwürdigerweise in die Leguminosae Familie. Aber der ist den anderen bisher genannten doch auch ähnlich, oder etwa nicht?
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Allerbeste Gärtnergrüße von Gert
aus der Klimazone 8b - Südengland
Sepp
Gast
« Antworten #3 am: 08. Februar 2003, 16:02:49 »

Caracol,

Cytisus, Genista und Ulex gehören zu den Papilionaceae, Schmetterlingsblütler, zu denen auch die Leguminosae und Fabaceae gehören (da gabs doch Namensänderungen; die Botaniker möchten das mal bitte näher erläutern).

Ulex und Cytisus binden Luftstickstoff über Knöllchenbakterien, bei Genista ist mir nichts dergleichen bekannt.

Grüsse,
Sepp
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Andi H.
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Andi H.
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« Antworten #4 am: 08. Februar 2003, 22:00:31 »

So Ernst, dann packen wir die Sache mit den Ginstern mal an Zwinkernd

Alle im weitesten Sinne als Ginster bekannten Arten und Gattungen zählen zur Familie der Schmetterlingsblütler (Fabaceae). Diese wird gemeinsam mit den Bockshörndlbaumgewächsen (Caesalpiniaceae, z. B. der Judasbaum Cercis siliquastrum) und den Mimosengewächsen (Mimosaceae, z. B. Akazie Acacia sp.) in die Ordnung der Hülsenfrüchtler (Fabales) gestellt. Dieser Ordnungsname entspricht dem früher gängigen Begriff der Leguminosae. Wenn man als Botaniker von Leguminosen spricht, so schließt man damit außer den Schmetterlingsblütlern eigentlich auch die beiden anderen Familien mit ein.

Zu den Ginstern: in Mitteleuropa unterscheidet man je nach systematischer Auffassung sogar 3-7 (!) Gattungen von Ginsterartigen, die zusammen mit Goldregen und Lupine den Tribus der Genisteae innerhalb der Schmetterlingsblütler bilden. Ich orientiere mich nach der Exkursionsflora von Österreich, die nur 3 Gattungen näher unterscheidet. Hier eine kurze Übersicht, dazu jeweils mit einer oder mehreren Arten als Beispiel:
Cytisus (Geißklee, Besenginster):
  C. scoparius (Besenginster), Bild 1, 2
  C. nigricans (Trauben-Geißklee), Bild
Chamaecytisus (Zwerggeißklee):
  C. purpureus (Purpur-Zwergginster) Bild 1, 2
Genista (Ginster i.e.S.):
  G. germanica (Deutscher Ginster) Bild 1, 2

In Europa gibt's an Ginster-Gattungen noch den west- und südwesteuropäisch verbreiteten Stechginster (Ulex europaeus) und den mediterranen Pfriemenginster (Spartium junceum). Macht dann zusammen, je nach Auffassung, 5-9 Gattungen an Ginstern, die in Europa vorkommen.

Unterscheidungsmerkmale der mitteleuropäischen Ginstergattungen hab ich hier noch anzubieten:

Cytisus: Blütenstiele mindestens so lang wie der Kelch (aber meist länger)
Genista: B.st. viel kürzer als der Kelch

Cytisus: Kelch kurz (nur wenig länger als breit); Zähne der 2zähnigen Kelch-Oberlippe gleich lang wie die 3 Zähne der Unterlippe
Chamaecytisus: Kelch doppelt so lang wie breit; obere Kelchzähne länger als die 3 Zähne der Unterlippe (oder Unterlippe nur 1zähnig).

Ulex ist ganz leicht daran zu erkennen, dass seine gesamte Belaubung in Dornen umgewandelt ist.
Spartium hingegen ist ebenso wie der Besenginster (Cytisus scoparius) ein Rutenstrauch mit dem charakteristisch "kahlen" Aussehen.

Die stickstofffixierenden Knöllchenbakterien sind durchgängig bei allen Schmetterlingsblütlern zu finden, auch viele andere Gattungen aus der Ordnung der Leguminosen (bzw. Fabales) verfügen über solche Symbionten.

Was Standortansprüche betrifft, kann ich im Moment nicht mit vielen Infos dienen. Ich werd aber noch schauen, was sich dazu finden lässt. Zum Thema Herbstginster find ich im Moment auch nix. Aber wir werden sehen.

Liebe Grüße einstweilen
Andreas
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gregor
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« Antworten #5 am: 08. Februar 2003, 23:47:26 »

Also Andreas, einiges mehr sind es in Europa jedenfalls (Abgesehen davon, daß Du Gattungen und Arten durcheinenderbringst: Ulex europaeus ist eine Art, keine Gaqttung - die Gattung ist Ulex. Selbiges gilt füe Spartium junceum und Spartium Zwinkernd ).
Die Genisteae beinhalten auch einige nicht allgemein mit "Ginster" angesprochene Gattungen. In Österreich gibt es folgende Genisteen:
Lupinus (Lupine; Neophyten): L. polyphyllus, L. angustifolius, L. albus, L. luteus; im Mediterran weitere Arten
Laburnum (Goldregen): L. anagyroides, L. alpinum, L. x watereri
Cytisus (Geißklee; inkl. Sarothamnus und Lembotropis): C. (S.) scoparius (Neophyt), C. (L.) nigricans, C. procumbens, bis knapp an die österr. Grenze in Slowenien C. diffusus - in Südeuropa viele weitere Arten
Chamaecytisus (Zwerggeißklee): Ch. purpureus, Ch. austriacus, Ch. ratisboniensis, Ch. supinus, Ch. hirsutus; v.a. auf der BalkanHI weitere Arten.
Ulex (Stechginster; Neophyt): U. europaeus aus Westeuropa - dort 2 weitere Arten: U. parviflora (nur im Süden) und U. minor.
Spartium (Pfriemenginster; Neophyt): Sp. junceum, mediterran
Genista (Ginster; inkl. Chamaespartium und Cytisanthus): G. (Ch.) sagittalis, G. radiata, G. germanica, G. pilosa, G. tinctoria - im Mediterran weitere Arten

in Europa gibt es sonst noch einige Genisteen-Gattungen, z.B.:
Dornginster (Calicotome): mediterran; v.a. C. villosa und C. spinosa bilden im Med. undurchdringliche Gebüsche.
Retama (Lygos oder Retama): in Europa 3 Arten, südmediterran
Silberhülse (Argyrolobium): westmed.
Stinkgoldregen (Anagyris): eine Art im Ostmed.
Dauerblüte (Chronanthus): Westmed.
Strauchgeißklee (Teline): Westmed., mehrere Arten
Stachelginster, Blauginster (Erinacea): eine in Asien und Afrika weit verbreitete Arte erreich im Westmed. Europa
Drüsenginster (Adenocarpus): Westmed.
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d'Ehre
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Andi H.
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« Antworten #6 am: 09. Februar 2003, 21:06:36 »

Hallo Gregor!

Ist ja putzig, dass du mich daran erinnerst, was Arten und Gattungen sind. Bitte, dann also ein Zitat zum nochmal-Durchlesen:
Zitat
die nur 3 Gattungen näher unterscheidet. Hier eine kurze Übersicht, dazu jeweils mit einer oder mehreren Arten als Beispiel:
Cytisus (Geißklee, Besenginster):
  C. scoparius (Besenginster), Bild 1, 2
und ja, im zweiten Teil habe ich für die Gattungen Ulex und Spartium gleich die wichtigste Art dazu geschrieben, ohne schon wieder durchzukauen, wie die entsprechende Gattung heißt. Ich gehe aber davon aus, dass die Leser und -innen verstehen, was gemeint ist.

Lupinus und Laburnum glaube ich ebenfalls erwähnt zu haben.

Schön, dass du wieder gesund bist.
Andreas
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gregor
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« Antworten #7 am: 09. Februar 2003, 23:29:25 »

Andreas bitte verzeih mir, wegen Lupinus und Laburnum hab ich genau das getan, was ich an andern immer kritisiere: unaufmerksam gelesen Traurig

Wegen Ulex und Spartium wollt ich Dich keinesfalls für blöd verkaufen. Daß Dir klar ist was Gattung und Art ist ist mir völlig klar. Und ich nehm an, daß niemand es so verstanden hat, daß ich annehmen würde Du kenntest den Unterschied nicht. Du magst mir vorwerfen bei Fischer Idipflreiterei gelernt zu haben. Ich seh das anders. Wie wollen wir denn von anderen, z.B. von der Journaille, die gern alles verdreht, Genauigkeit einfordern, wenn wir uns nicht selbst bei der Nase nehmen? Du hast nämlich nicht die Arten dazugeschrieben, sondern eben die Arten als Gattungen vorgestellt, was wohl nicht Deine Intention war, aber nach allen Regeln der deutschen Sprache wie der Botanik dort stand. Und da schlägt bei mir der Fischer-Schüler, der Fachlektor, der Erwachsenenbildner und der Presseverantwortliche, ja meinetwegen halt der Idipflreiter durch.
Ich finde halt, wer Wissen vermitteln will, sollte auf Genauigkeit achten. Denn Verständnisprobleme liegen IMO primär einmal am Sender (wie Fischer meint: Wenn jemand mit unseren Bestimmungsschlüsseln zu falschen Ergebnissen kommt, so sind die Schlüssel schlecht). Es reicht, daß in der Schule vieles so weit vereinfacht wird, daß es falsch ist. Ich denke es muß möglich sein, Dinge richtig und dennoch verständlich darzustellen. Wobei ich schon weiß, daß ich selbst nicht immer verständlich erklären kann.
Und: Ja, ich schreib auch oft Blödsinn, lass mich dann aber gern ausbessern.
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d'Ehre
Grischa
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Andi H.
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« Antworten #8 am: 10. Februar 2003, 01:25:56 »

Ich lass mich normalerweise auch gern verbessern. Naja, vielleicht ist dein Posting einfach bei mir genauso unglücklich rübergekommen wie meines bei dir. Vielleicht sind mir in den letzten Tagen auch einfach zu viele (Blatt?)Läuse über die Leber gelaufen. Sorry.

Liebe Grüße
Andreas
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