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forum.planten.de  |  Pflanzen  |  Obst-Forum (Moderatoren: Walther, thuja thujon)  |  Thema: ...als wären die Finger abgeschnitten 0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema. « vorheriges nächstes »
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Autor Thema: ...als wären die Finger abgeschnitten  (Gelesen 6081 mal)
karine
Gast
« am: 18. Oktober 2005, 18:53:26 »

 Hallo,

mein Problem ist ein Apfelbaum , den meine Eltern vor etwas mehr als 20 Jahren gepflanzt haben. Mein Vater hat in fleißig beschnitten, aber nicht nach Form, sondern immer nur kurz und ab. Jetzt habe ich den Baum geerbt und kann den Anblick kaum ertragen. Im Frühjahr sieht er aus, als ob man einem Menschen die Finger abgeschnitten hätte. Im Frühsommer schiebt er dann jede Menge Wassertriebe, was wiederum einem lauten Hilfeschrei gleich kommt. Schockiert

Was soll ich mit dem Baum machen?
Ist eine Restaurierung noch möglich?
Einen Schnitt in Bodenhöhe ?
oder laß ich ihn so und wende mich ans Rosenform zwecks Suche einer geeigneten Begleitung?  Unentschlossen

Liebe Grüße
Karine
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Giuseppe
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Giuseppes Fotoalbum
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« Antworten #1 am: 18. Oktober 2005, 21:31:48 »

... Im Frühsommer schiebt er dann jede Menge Wassertriebe, was wiederum einem lauten Hilfeschrei gleich kommt. ...

Hallo, Karine,

das mit dem Hilfeschrei hast Du schon richtig erkannt. Das hat unser nun leider mittlerweile verstorbener Remstal-Rebell Helmut Palmer auch so gesehen. Solange der Baum noch "Wassertriebe" macht, ist er noch vital und kann gerettet werden. Such Dir mal den thread "Wie sieht ein gut gepflegter großkroniger Obstbaum bei euch aus?". Da erfährst Du schon einiges.

Dann kannst Du Dir noch den "Notenschlüssel der Natur" leisten. Das Buch ist zwar nicht ganz einfach zu lesen - Palmer war eben kein Schriftsteller - aber Dir dämmert im Lauf der Zeit so langsam, wie es gehen kann. Wenn der Baum so viele Jahre "verschnitten" wurde, dann kannst du es eigentlich nur besser machen. Mit den Jahren wirst Du die Erfahrung und der Baum seine natürliche Form gewinnen.

Giuseppe
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Gandi
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Gandi

« Antworten #2 am: 20. Oktober 2005, 12:23:21 »

es heisst zwar immer, dass man Wassertriebe schneiden soll, weil sie keine Früchte tragen, doch habe ich festgestellt, dass sie nach 2-3 jahren sehr wohl auch tragen können. Und wenn nix anderes da ist zum Kronenaufbau wird man wohl die nehmen müssen...
wie ist das nun wirklich mit den Wassertrieben?

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gandi
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karine
Gast
« Antworten #3 am: 20. Oktober 2005, 20:00:03 »

Hallo,


-Guiseppe mein Apflebaum bedankt sich aufs herzlichste bei Dir. Er hatte schon arge Befürchtungen als Brennholz zu enden. Ich habe ihm versprochen mal in Deine Buchempfehlungen zu blicken. Das hat ihn sehr beruhigt und er will sich nächstes Jahr bemühen so zu wachsen, das es eine Freude ist.

Aber das mit den Wassertrieben interessiert mich auch, zumal die senkrecht in den Himmel starten und das zum Kroneerziehen bestimmt Übung verlangt.
Ein Obstbauer hat mir mal erklärt, wenn ich einem Baum zu verstehen geben möchte, das er groß genug ist, soll ich die Triebspitze nach unten binden. Hat jemand Erfahrung damit?

Liebe Grüße

Karine
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Giuseppe
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Giuseppes Fotoalbum
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« Antworten #4 am: 21. Oktober 2005, 03:30:48 »

Das mit dem nach unten Binden nennt Palmer "Vergewaltigung". Es funktioniert zwar, aber es muss nicht sein, wenn man die Regeln beachtet. Im Gegenteil, es ist sogar schädlich, weil der Baum nach oben wachsen will ud sich auf dem heruntegebundenen "Wassertrieb" gleich im nächten Jahr wieder ein "Wassertrieb" bildet, und zwar an der Stelle, wo der erste Triebam stärksten gebogen ist.

"Wassertriebe" sind nämlich nichts anderes als der Wunsch eines Baumes, dem Licht entgegen zu wachen, wenn er das vorher nicht durfte. Vor ein Baum Früchte tragen kann, muss er erst ein stabiles Holzgerüst aufbauen und das sind diese vegetativen Austriebe. Es gibt keinen Baum, der in einem Jahr solche Triebe macht und im darauffolgenden gleich wieder, vorausgesetzt man lässt ihm von den ersten so viele, dass er "zufrieden" ist.

Wenn Ihr den vom Baumfex gestarteten "Großkroniger Obstbaum"-thread verfolgt, werdet Ihr sehen, worauf das hinausläuft. Es gibt an dem Baum vier "Leitäste", die etwas steiler als 45° zum Stamm stehen. Die Litäste selbst tragen keine Früchte, weil sie an ihrer Spitze wachsen. Von den Leitästen gehen nach außen die "begleitenden Fruchtäste" ab. Dise stehen schon von Natur aus wesentlich flacher, beinahe waagerecht, und an denen bildet sich dann das Holz, das die Blüten trägt. Die Stammverlängerung selbst wird als "Spindel" gezogen, d.h., von ihr gehen auch noch einige ziemlich waagerechte Zweige ab, die ebenfalls Früchte ansetzen.

Solch ein Baum kommt niemals auch nur auf die Idee, irgendwelche dicken, Schosse nach oben zu schicken. Sein Saftstrom kann problemlos durch die Leitäste fließen, zweigt in die begleitenden Fruchtäste ab und hat - oben angekommen keinn Druck merh, um die schlafenden Augen zu "wecken". Diese Kraft wied zur Ausbildung der Früchte verwendet.

Giuseppe
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karine
Gast
« Antworten #5 am: 21. Oktober 2005, 10:06:34 »

Hallo,

ich denke ruhe und Besonnenheit sind jetzt das richtige für meinen Baum. Er hat die letzten 20 Jahre geschafft, dann wird er es auch noch erleben, bis ich mir ein vernünftiges Obstbaumbuch gekauft und verinnerlicht habe. Augen rollen
Dem -thread konnt ich leider nicht viel entnehmen. Es scheint mir eine Diskussion unter Fachleuten gewesen zu sein, mit Fachbegriffen, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Erschwerend kommt hinzu, das viele Anhänge bereits vom Admin gelöscht wurden.  Huch
Immerhin weiß ich jetzt, was ein stammparalleler Schnitt ist und werde ihn zukünftig vermeiden und den Rest vielleicht auch eher im Frühjahr wenn ich mein Buch gelesen habe. Smiley

Liebe Grüße

Karine
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Pieter
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pieter
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« Antworten #6 am: 22. Oktober 2005, 08:47:00 »

Hallo Karine, vielleicht kannst Du mal ein Bild Deines "hundebehaarten" (so nennen die Leute hier die Wassertriebe) Apfelbaumes hier einstellen. Dann können die Fachleute vielleicht konkret den Einzelfall beurteilen und verbale Schnitthilfe leisten.
Als Anfänger hat man mit Büchern allein doch gewisse Schwierigkeiten, zumal immer wieder unterschiedliche Meinungen auftauchen, wie am Besten vorzugehen ist..
Und zwanzig Jahre sind ja bestes Alter für einen anständigen Apfelbaum. Ich habe hier einige stehen, die bestimmt 80, wenn nicht mehr Jahre auf der Rinde haben. Die bekommen, so lange sie wollen, ihr Gnadenbrot ( und werden mit einrankenden Rosen geschmückt Zwinkernd).
Gruß Pieter
« Letzte Änderung: 22. Oktober 2005, 08:51:33 von Pieter » Gespeichert
karine
Gast
« Antworten #7 am: 22. Oktober 2005, 16:25:41 »

Hallo Pieter,

tja, das mit dem Foto wäre sicherlich eine gute Idee, aber mangels meiner technischen Fähigkeiten zurzeit leider nicht möglich.  
Ich werde mich jetzt mit Fachliteratur beschäftigen und versuchen mir die Grundkenntnisse anzueignen. Wenn ich dann im Frühjahr wieder anfrage (bis dahin habe ich bestimmt jemanden für ein Foto gefunden) weiß ich hoffentlich was Leitäste, Spindel, usw. ist. Das Diskutieren scheint mir dann erheblich einfacher. Es war zuallererst wichtig, zu entscheiden ob und in welcher Form der Baum überleben darf.

Vielen Dank fürs Erste

Karine
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