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forum.planten.de  |  Pflanzen  |  Obst-Forum (Moderatoren: Walther, thuja thujon)  |  Thema: Pseudomonas syringae 0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema. « vorheriges nächstes »
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Autor Thema: Pseudomonas syringae  (Gelesen 5040 mal)
Susanne
Gast
« am: 31. März 2002, 02:22:08 »

Bei meinen beiden Apfelbäumen (Alkmene, Halbstamm und Rote Sternrenette, Busch) traten im letzten Jahr verstärkt Schadbilder auf, die sich als ein heftiger Befall  durch das Bakterium "Pseudomonas syringae" herausstellten.
In den Nachbargärten wurden ebenfalls schon Schäden beobachtet, es sieht so aus, als ob das Bakterium zu einem größeren Problem heranwachsen würde.

Nach Auskunft des Pflanzenschutzamtes ist Pseudomonas syringae weit verbreitet und kommt an den verschiedensten Gehölzen vor. Durch die nass-warmen Winter der letzten Jahre breitet es sich aber ungewöhnlich stark aus.
Zur Infektion kommt es meist während des Blattfalls und zum Austrieb. Die Befallsstellen (eingesunkene Astpartien) müssen dann soweit wie möglich ausgeschnitten werden.

Bei beiden Bäumen waren die Schäden unter der noch vollständigen Rinde aufgetreten; die Wunden entstanden wohl schon im Vorjahr, brachen aber erst im folgenden Winter auf.
Die Sternrenette war rettungslos hinüber, ich mußte sie fällen. Bei der Alkmene befinden sich den ganzen Stamm hinauf riesige Krater, das darin offen liegende Kernholz ist bereits angegriffen. Ich habe die Wunden soweit möglich gesäubert, aber keine zusätzlichen Schnitte durchgeführt, weil sich an den Wundrändern bereits kräftige Ränder gebildet haben. Offensichtlich versucht der Baum den Befall zu überstehen.

Als weitere Maßnahmen wurde mir empfohlen,
a) nur noch im Sommer zu schneiden
b) vorbeugend mit einem kupferhaltigen Fungizid zu spritzen
c) "robustere" Sorten zu pflanzen.

a) ist okay, b) scheint mir ökologisch bedenklich.
Zu c) würde ich mich über Vorschläge freuen. Natürlich auch über weitere Tips, dem Bakterium das Handwerk zu legen.

Gespeichert
Susanne P.
Gast
« Antworten #1 am: 31. März 2002, 08:18:43 »

Hallo Susanne,

Das ist ja so schade um die Sternrenette  Verlegen. Ich wußte nicht, das P. synringae so ein breites Wirtsspektrum hat. Das ist beeindruckend.

Bedingt durch eine Diskussion zum Obstbauschnitt im alten planten forum, schneide ich wenn überhaupt , nur noch im Sommer an trockenen Tagen. Ich benutze keinen Baumleim mehr und bürste ab und zu den Stamm etwas sauber (weichere Bürste).

Vielleicht hilft noch etwas Kalimagnesia , um das Gewebe zu stärken (ist ja auch  bei anderen Rosaceaen nützlich). Mit Kompost auf der Baumscheibe unterstützte ich auch meine vom Birnengitterrost immer arg gezausten Birnen.

Mehr fällt mir momentan nicht ein,

Susanne P.
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Peterr
Gast
« Antworten #2 am: 31. März 2002, 09:47:58 »

Hallo Susanne,

haben wir uns über das Thema schon einmal unterhalten?

Was weiss ich noch dazu, was habe ich in der Literatur gefunden:

Kupferhaltige Mittel sind ohnedies nur sinnvoll bei ersten Befallssymptomen.

Wundverschlussmittel: Ich persönlich bin wieder dazu übergegangen, Baumwunden zu verschliessen. Besonders bei Acer. Nach meinen Beobachtungen wird die Infektionsgefahr vor allem durch Rotpustelpilze deutlich rduziert. Nienhaus/Kiewnick berichten von neuen Untersuchungen, die belegen, dass es doch sehr zweckmässig ist, bei grösseren Wunden den WUNDRAND mit einem wassserundurchlässigen Wundverschlussmittel zu bestreichen, die Wundfläche selber aber unbehandelt zu lassen. Es wird auch darauf hingewiesen, dass man in keinem Fall irgendwelche anderen Desinfektionsmittel verwenden soll. Sie seien sehr oft pflanzenunverträglich!

Vorbeugende Massnahmen gegen den Befall von pseudomonas syringae/ mors prunorum:

- Vermeidung von frostgefährdeten, feuchten Standorten
- Zurückhaltende Stickstoffdüngung,  Holz gut ausreifen lassen
- Kein enger Stand

Als für pseudomonas besonders empfindlich eingestufte Sorten fand ich:

Apfel: Jersey Mac, Vista bella

Birne: Alexander Lucas, Bosc´s. Passa Crassana

Als weniger anfällig gelten (bezieht sich nur auf pseudomonas!):

Apfel: Retina, Dülmener Rosen, Aldersleber Kalvil, Danziger Kant, Reanda, Rhein. Winterrambur, Roter Eiser...

Birne: Gute Luise, Josephine v. Mecheln, Williams Christ (Feuerbrand!), Amanlis Butterbirne, Triumph v. Vienne, Doppelte Phillips (musste ich aber roden)

Peterr
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Andreas Regner
Global Moderator
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Klimazone 7 (6-8), phän. Naturraum 70


WWW
« Antworten #3 am: 04. April 2002, 10:22:56 »

hallo,

ich habe dir aus Lucas,Eduard: Lucas' Anleitung zum Obstbau (aus der mehr als 10 Jahre alten 31. Auflage),
siehe dazu:   http://www.pflanzenbuch.de/buecher.php?op=viewlinkdetails&lid=641
ein paar Auszüge abgeschrieben:

(...)
Beim Apfel wurde die Bakteriose vor allem an 'Cox Orange' festgestellt.

(...)
Krankheitszyklus: Die Erreger überdauern die wintermonate an den Befallsstellen am holz und in den erkrankten Knospen. Der Übergang auf die grünen, neuzuwachsenden Pflanzenorgane findet vornehmlich in der zeit zwischen austrieb und Frühsommer statt. (...)
Viele Beobachtungen weisen darauf hin, dass sie vor allem dann als Krankheitserreger schlagartig in erscheinung treten, wenn die wirtspflanzen bei regnerischem Wetter zur Zeit des Austriebes oder während der Blüte zeitweise tiefe Temperaturen um oder unter = Grad C ausgesetzt sind. Spätfrostgefährdete Anlagen sind daher besonders bedroht

(...)
Durch regelmässige Fruchtholzerneuerung ist ausserdem dafür zu sorgen, dass die ausbildung schwacher (besonders anfälliger) Knospen unterbleibt. Die abgestorbenen Baumteile sind, so weit dies geht, restlos zu entfernen (...)
Gespeichert

grüsse
andreas
Susanne
Gast
« Antworten #4 am: 04. April 2002, 10:34:24 »


Vielen Dank für eure Antworten!
Ich werde, soweit das noch möglich ist, das neue Wissen anwenden. Vielleicht rettet es mir noch die Alkmene...

Rechts und links der Sternrenette stehen Boscs Flaschenbirne (Kaiser Alexander) und eine Birne Stuttgarter Geißhirtle - beide völlig ohne Schaden.

Es scheinen in unserer Lage am Niederrhein tatsächlich bislang nur Apfelbäume befallen zu sein, zumindest nach dem, was ich in der Kleingartenanlage beobachten konnte.

 
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Andreas Regner
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« Antworten #5 am: 04. April 2002, 10:42:20 »

Ach so,

Nachtrag zu Lucas:

Die Beobachtung in Bezug auf Cox Orange ist mit Vorsicht zu geniessen. Einerseits ist Lucas Stärke nicht das alte Obstsortiment. Andererseits als Beispiel hier der Raum Kiel:
Der allergrösste Teil der Äpfel in den Privat- und Schrebergärten sind hier
- Cox Orange
- Holsteiner Cox
- Boskoop

Wenn man so eine oder eine ähnliche Beobachtungsgrundlage hat, kommt man dann leicht zu einer falschen Bewertung der relativen sortenspezifischen Anfälligkeit.
Gespeichert

grüsse
andreas
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