forum.planten.de

Pflanzen => Obst-Forum => Thema gestartet von: Katrin_HH am 19. Februar 2003, 15:49:30



Titel: Kräuselkrankheit - alle Jahre wieder
Beitrag von: Katrin_HH am 19. Februar 2003, 15:49:30
Hallo an alle Kräuselgeschädigten,

so langsam ist es ja abzusehen, dass es wieder mal wärmer wird, und damit stellt sich mal wieder die Frage: Was tun gegen die Kräuselkrankheit?

Ich habe einen Pfirsich Galaxia (der sich dank beherztem Rückschnitt wieder erholt hat) und einen Kernechten  - der Galaxia hat jedes Jahr unweigerlich dir KK, der Kernechte ist da wohl resistenter...

Ich habe bisher immer mit einem Kupferspritzmittel gespritzt, ohne nennenswerten Erfolg. Da ich mir dachte, es läge daran, dass ich den falschen Zeitpunkt erwischt habe, habe ich letztes Jahr so alle 3 Tage gespritzt, bis die Blätter draußen waren. Kurz darauf kräuselten sie sich...

Ich habe gelesen, dass Spritzen mit Milch hilft - hat da jemand Erfahrung? Oder ist das nur Schnickschnack?
Gibt es sonst noch Tips? (Außer den Baum zu fällen, da habe ich jetzt meinen Ehrgeiz drangesetzt  ;D)

Viele Grüße,
Katrin


Titel: Re:Kräuselkrankheit - alle Jahre wieder
Beitrag von: Goldiloss am 19. Februar 2003, 16:53:29
Hallo Katrin,
ich habe letztes Jahr 2x mit Wasserglas gespritzt. Trotzdem hat die  Kräuselkrankheit gewütet, aber nicht so schlimm, wie beim Nachbarn.
Habe den South Heaven (gelbfleischig) umgemacht und auf Empfehlung einen Ellerstätter Findling (weißfleischig und auch echt) gepflanzt. Leider kriegt man ihn nicht auf eigener Wurzel. Spritzen tue ich nix mehr. Vielleicht können wir uns nach dem Austrieb nochmal austauschen.
Mich würde interessieren, ob die Kernechten unempfindlicher sind.
Gruß Goldiloss


Titel: Re:Kräuselkrankheit - alle Jahre wieder
Beitrag von: Baumfex am 19. Februar 2003, 18:31:36
Hallo Katrin,
angeblich hilft es auch, wenn man Meerrettich unter dem Pfirsichbaum pflanzt und den Baum mit pflanzenstärkenden (Zellstärkenden) Mitteln gießt oder spritzt.
Mein "Kernechter vom Vorgebirge" (Eigenaussaat) bekommt trotz Meerretich, Schachtelhalmspritzungen und Rückschnitt um 30-50% immer wieder einige gekräuselte Blätter, die ich dann sofort entferne. Es hält sich aber in Grenzen und die Sorte gilt ja nicht gerade als sonderlich krankheitsanfällig.

Gruß
Baumfex


Titel: Re:Kräuselkrankheit - alle Jahre wieder
Beitrag von: peterr am 19. Februar 2003, 18:39:08
Auch auf die Gefahr, dass heute jemand nochmal k.tz.n muss, weil wir auch dieses Thema schon hatten:

Ich habe zwei Pfirsichbäume. Einen ururalten an der Südmauer und einen Kernechten vom Vorgebirge, freistehend aber geschützt.

Der Kernechte war bisher ohne Behandlung frei von Befall. Ich habe aber erst drei Jahre Erfahrung mit ihm.  Der Alte würde regelmässig und extrem unter der Kräuselkrankheit leiden, wenn ich ihn nicht spritzte. Ich erkenne das daran, dass ich manchmal einen Zweig vergesse zu benetzen. Dieser sieht dann ganz schlimm aus.

Milchspritzung war bei mir für die Katz!

Ich wende einmal eine Kupferpräparat an. Z.B. Funguran. Entscheidend ist der Zeitpunkt: Kurz bevor die Knospen schwellen. Nur bei sehr nasskaltem Wetter sollte man einmal wiederholen, weil Regen die Verbreitung des Pilzmyzels begünstigt. Öfter zu spritzen ist unsinnig. Wichtig ist auch die lückenlose Benetzung der Zweige.
Die spätreifenden, gelbfleischigen Sorten gelten als hochanfällig.

peterr


Titel: Re:Kräuselkrankheit - alle Jahre wieder
Beitrag von: Günther am 19. Februar 2003, 21:09:02
Nach einem eher alten Gartenbuch soll vor dem Austrieb mit 1% Kupfermitteln gespritzt werden, unmittlebarvor der Blüte und nach dem Verblühen mit Schwefelmitteln.
Außerdem sollen ALLE befallenen Blätter entfernt und verbrannt werden. Der Baum schaut dann komisch aus, treibt aber angeblich wieder aus.
Der Pilz überwintert in (!) den einjährigen Zweigen.
Sämlinge sind nicht unbedingt robuster, empfindliche soll man gleich raushauen.
Angeblich sind Sämlinge, deren Blätter gleich am Stiel schon relativ breit werden, beständiger (und von besserer Fruchtqualität) als schmalblättrige Sämlinge.


Titel: Re:Kräuselkrankheit - alle Jahre wieder
Beitrag von: peterr am 20. Februar 2003, 07:50:43
Das Entfernen aller Blätter ist bei grossen Pfirsichbäumen eher aufwändig.

Kurz vor und während der Blüte sollte man wegen der Bienen -auch beim Einsatz relativ bienenunschädlicher Mittel- nicht spritzen.

Ich zitier mal ein Stückchen aus dem sehr empfehlenswerten kleinen Büchlein "Die wichtigsten Obstkrankheiten"von Georg Vukovits, Leopold Stocker Verlag:

...Die Kräuselkrankheit ist auf Befall durch den Schlauchpilz Taphrina deformans zurückzuführen, der von Juni bis ca. Februar saprophytisch als Sproßmyzel an Pfirsichtrieben und Knospenschuppen lebt.
Im Februar/März zerfällt dieses Sproßmyzel in zahlreiche Sproßzellen, die bei Regen in die sich eben öffnenden Knospen geschwemmt werden und dort die noch nicht entfalteten Blätter infizieren. Danach durchwuchert der Pilz das Blattgewebe und bildet im Mai/Juni an den erkrankten Blattteilen Asci aus, die im Gegenlicht als zarter, plüschartiger weisser Flaum wahrgenommen werden können. Sie enthalten Ascosporen, die nach ihrer Entlassung auf Pfirsichtrieben auskeimen und wieder ein Sproßmyzel, mit dem der Erreger überwintert, ausbilden.
Vereinzelt zu beobachtender Sekundärbefall der Blätter im Sommer bleibt bedeutungslos, weil im Laufe der Vegetationszeit die Seuchenfestigkeit der Pfirsichbäume wächst."

peterr



Titel: Re:Kräuselkrankheit - alle Jahre wieder
Beitrag von: Katrin_HH am 20. Februar 2003, 08:36:59
Hallo Peterr,

bitte nicht ktzn, und es ist mir klar, dass wir das Thema schon hatten (ich hab's aber mit der Suchmaschine nicht gefunden).

Das mit der Milch kam mir auch etwas obskur vor, aber weiß man's?

Mit dem Spritzen kurz bevor die Knospen schwellen habe ich so meine Probleme - dass sie schwellen merke ich erst, wenn sie es schon tun. Dazu kommt, dass wir hier immer mal warme Phasen haben, dann wird es wieder kalt, wieder warm, usw.

Vielleicht ist es doch das einfachste, ich trenne mich von dem anfälligen und vertraue aufen K.v.V., dass er das schon macht...

Vielen Dank!
Katrin


Titel: Re:Kräuselkrankheit - alle Jahre wieder
Beitrag von: peterr am 20. Februar 2003, 12:03:32
Hallo Katrin HH,

du hast eine legitime Frage gestellt, ich habe versucht sie sorgfältig zu beantworten. Meine Bemerkung bezog sich auf den Robinienschneidethread im Baumschutzforum. Ich denke, wir beide haben gesunde Mägen.

peterr


Titel: Re:Kräuselkrankheit - alle Jahre wieder
Beitrag von: Günther am 20. Februar 2003, 12:10:18
Das mit der (verdünnten!) Milch kann bei oberflächlich sitzenden und überdauernden Pilzen manchmal helfen, bei Pilzen wie eben diesem Miststück, der IM Gewebe überdauert, wirds weniger nutzen.


Titel: Re:Kräuselkrankheit - alle Jahre wieder
Beitrag von: Ralf Gutzki am 20. Februar 2003, 12:28:00
Hi Katrin,

Kupferspritzmittel helfen oder Euparen WG.
Siehe auch: http://home.t-online.de/home/r.gutzki/Kraeuselkrankheit.htm

tschüs...ralf


Titel: Re:Kräuselkrankheit - alle Jahre wieder
Beitrag von: Katrin_HH am 20. Februar 2003, 12:43:39
Hallo Peterrr,

ja, jetzt verstehe ich... Tja, da gibt es bestimmt auch Probleme beim Lesen einer Gartenzeitschrift, da wird ja auch genudelt ohne Ende... ;D

Ralf - tut mir leid, dass ich jetzt zickig bin, aber ich weigere mich, die Knospen mit der Lupe zu beobachten. Da bin ich wohl nicht pfirsichgeeignet, wenn es danach geht.  :-\

Ich probiere mein Glück einfach nochmal. Nachdem er so schön wieder ausgetrieben hat... Ich glaube Peterr hatte mich im letzten Jahr dazu gepresst - Dank dafür!


Grüße,
Katrin