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forum.planten.de  |  Pflanzen  |  Obst-Forum (Moderatoren: Walther, thuja thujon)  |  Thema: Man schneide um ein Drittel ... 0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema. « vorheriges nächstes »
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Autor Thema: Man schneide um ein Drittel ...  (Gelesen 5697 mal)
Baumfex
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« am: 03. März 2004, 17:50:15 »

... auf ein außenstehendes Auge. So oder so ähnlich steht es in den meisten Lehrbüchern und auch bei den Baumschulen ist das gängige Praxis, wenn es um den Aufbauschnitt von Obstgehölzen geht. Aber warum eigentlich??

Denn was dabei oft herauskommt, hab ich mal exemplarisch fotografiert und stelle es hier zur Diskussion.

Zum Bild: Ein Leitast eines Apfelbaums unbekannter Sorte vermutlich auf Sämling im 2. Standjahr. Nach dem 2. Anschnitt (war eher stärker als ein Drittel) sind 8! von 10 Trieben nach Innen oder zur Seite gewachsen und müssen entfernt werden, das sind 80% des Neuzuwachses. Zu allem Übel wurde als Leitast auch noch ein "Schlitzast" gewählt. Obstbau quo vadis?

Baumfex
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Aliquid amplius invenies in silvis quam in libris.
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Caracol
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Caracol

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« Antworten #1 am: 04. März 2004, 00:05:55 »

Zu allem Übel wurde als Leitast auch noch ein "Schlitzast" gewählt.
Was bedeutet denn der Begriff "Schlitzast"?
Etwa ein Ast mit einem Schlitz drin?
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Baumfex
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« Antworten #2 am: 04. März 2004, 14:02:51 »

Hallo Caracol,
ein Schlitzast ist ein Ast, bei dem erhöhte Gefahr besteht, daß er bei Belastung ausschlitzt (ausreißt) und dadurch übelste Stammwunden verursacht. Dazu muß man wissen, daß die Astanbindung bei Laubgehölzen auf Zug in der Astgabel ausgelegt ist. Steht ein Ast nun in einem zu spitzen Winkel zum Stamm, entsteht beim Dickenwachstum eingeschlossene Rinde (wird quasi zwischen Stamm und Ast eingeklemmt)und das "Zugholz" in Form der Astgabel kann sich nicht mehr weiterentwickeln, wärend das Astgewicht aber jährlich zunimmt.
Und weil ein Leitast ja quasi das Fundament eines jeden großen Baumes ist, sollten diese besonders sorgfältig ausgewählt werden. Mehr dazu im Archiv.

Natürlich hab ich auch dazu vorsorglich letzte Woche noch schnell ein Bildchen gemacht Zwinkernd
Auf dem Bild ist jetzt zwar kein klassischer Schlitzast zu sehen, denn die Ursache des Übels ist hier vor allem die große Schnittwunde am Stamm und mangelnder Kronenschnitt. Aber eine Schlitzastwunde sieht im Prinzip genauso aus.

Baumfex
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Andreas Regner
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« Antworten #3 am: 04. März 2004, 14:11:13 »

Was bedeutet denn der Begriff "Schlitzast"?

Bekannt für Schlitzäste sind v.a. Pflaumen. Entstehen dort v.a., wenn mehrere Leitäste sehr nahe beieinanderstehen (--> Jungbaumerziehung!!). Das Drama kommt dann 20,30 Jahre später und äussert sich  in ähnlicher Weise wie von Baumfex per Foto dargestellt.

Also: Insbesondere bei Pflaume sollte darauf geachtet werden, dass die Leitäste in unterschiedlichen Höhen am Stamm sitzen.

Eine sehr gute Abbildung und auch eine weitergehende Erklärung findet sich im Kapitel zur Pflaume u.a. in diesem Buch ( In der 7. Auflage v. 1994 auf S. 118; mittlerweile (2003) gibt es aber eine Neuauflage - ich weiss nicht, ob diese inhaltlich überarbeitet wurde) :
Schmid, Heiner: Obstbaumschnitt. Kernobst, Steinobst, Beerenobst.
http://www.pflanzenbuch.de/modules.php?name=Buecher&op=viewlinkdetails&lid=40
« Letzte Änderung: 04. März 2004, 14:30:15 von Andreas Regner » Gespeichert

grüsse
andreas
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« Antworten #4 am: 04. März 2004, 16:48:14 »

Was Andreas sagt gilt aber auch speziell für Apfel und Birne. Bitte so einen Murks nicht kaufen (nur der unterste Trieb und die Mitte sind brauchbar). Bevor man jetzt die halbe krone wegschneidet, halt ich es für sinnvoller, von unten her nochmal neu aufzubauen (2 Möglichkeiten eingezeichnet).

Baumfex
« Letzte Änderung: 04. März 2004, 16:52:35 von Baumfex » Gespeichert

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Hilmar
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« Antworten #5 am: 05. März 2004, 20:02:20 »

Ich weiß ja nun nicht, wie es auf dem untersten Bild oben weiter geht, aber ich würde versuchen, was draus zu machen. Die steilen Äste abspreizen oder runter binden und einen der beiden Leittriebe entfernen. Ansonsten ist die Verteilung der Äste am Stamm doch ideal.
Gruß Hilmar
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Caracol
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Caracol

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« Antworten #6 am: 05. März 2004, 20:24:50 »

Könnten diese senkrecht in die Höhe schießenden Wasserschosser auch mit der (Über)Düngung bzw. mit dem Nährstoffgehalt des Bodens zusammenhängen? Äpfeln soll man ja  ruhig mit Gras umgeben, damit sie nicht zuviel Stickstoff abbekommen.
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Hilmar
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« Antworten #7 am: 05. März 2004, 20:37:29 »

Ja, Caracol, völlig richtig beobachtet. In den meisten Baumschulen werden die Obstbäume mit einem Überschuss an Stickstoff herangezogen. Dann bilden sich diese überlangen, steilen Äste. Auf einem Seminar für Obstbaumschnitt habe ich mal behauptet, derartige Ware sofort in den Holzhäcksler zu stecken. Zuerst gab es erstaunte Blicke von allen (Ausbilder und Teilnehmer), dann gab mir der Ausbilder teilweise recht. Trotzdem zeigte er uns an solch einem Exemplar den Aufbauschnitt. Das war echt lehrreich.
Gruß Hilmar
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« Antworten #8 am: 05. März 2004, 23:26:09 »

@Hilmar
Mit dem Abspreizen ist das so eine Sache. Erstens schlitzen solche Triebe manchmal schon beim Abspreizen/Abbinden aus (bitte mal an einem abgeschnittenen Trieb ausprobieren, ob sich ein spitzwinkliger oder flachwinkliger Trieb leichter abreißen läßt) und zweitens bleibt der spitze Winkel in der Gabel an sich ja meistens erhalten. Fällt dann noch ein Hölzchen raus, war alle Mühe umsonst.
Zumindest bei einem Obstbaum, der mal 80 oder 100 Jahre alt und mehr breit als hoch werden soll, würd ich mich auf solche Experimente nicht einlassen, denn das zu tragende Gewicht bei Vollertrag ist dann enorm.
Ich wähle als Leitäste fast nur noch Triebe, die fast waagerecht am Stamm angesetzt sind und binde die dann entsprechend hoch. Dann hab ich eine super Statik und bekomme eine von Grund auf breite Krone.

Hier ein super Baum (nicht meiner), fast perfekt, nur 1 Trieb muß entfernt und die 3 untersten etwas aufgebunden werden (je nachdem, ob man 4 oder 5 Leitäste will).

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Hermann.
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« Antworten #9 am: 06. März 2004, 08:36:00 »

Was mich etwas stört, die Äste kommen alle aus der gleichen Stammhöhe. Wäre es nicht besser, sie wären in der Höhe etwas versetzt?

Wie geht es mit dem Schnitt weiter, oder bleiben die Triebe in diesem Jahr ungeschnitten?
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Viele Grüße aus dem Unterallgäu
Hermann
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« Antworten #10 am: 06. März 2004, 14:38:08 »

@Hermann
Ein Astquirl ist das ja nicht direkt, aber ich geb dir schon Recht, es schadet sicher nicht, wenn die Triebe noch etwas weiter versetzt stehen.

Zum Schnitt:
Ist nicht mein Baum, sonst würd der Baumpfahl nicht fehlen Zwinkernd, aber ich würd zunächst die zu flachen Triebe steiler binden und dann die langen Triebe etwas stärker zurücknehmen (vielleicht ein Drittel) und die kürzeren möglichst lang anschneiden. Und entgegen der gängigen Meinung schneide ich nicht! auf "Saftwaage", sondern strebe diese im laufe der Jahre nur an (und das funktioniert auch!). Andernfalls müsste ich ja die schönen Triebe auf Höhe des niedrigsten Triebs zurückstümmeln und damit wieder die halbe Krone wegschneiden - welch eine unnötige Verschwendung Zwinkernd
Dann noch alle nicht benötigten Augen ausblenden, fertig.
Der Baum wird dann in den meisten Fällen seine Triebkraft "auf naturnahe Weise" weitestgehend in die gewünschte Richtung "ausleben" (Als Wuchsanreiz dürfte ein Anschnitt im Herbst allerdings sinnvoller sein).

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Caracol
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Caracol

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« Antworten #11 am: 06. März 2004, 21:03:35 »

Ehrlichgesagt erinnert mich dieses letzte Bild etwas an manch merkwürdig erzogene Bäume, die heutzutage aus den Baumschulen kommen. Da mag ja eine sinnvolle Absicht dahintergesteckt haben, aber es sieht unmöglich - weil unnatürlich - aus. Hier haben sie gerade einen ganzen Satz von solch verschandelten Exemplaren auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums gepflanzt. Ein echter Schandfleck. Ich bin auch etwas skeptisch, ob sich das noch auswachsen wird.
Ich mache bei Gelegenheit ein Foto und poste es hier.
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« Antworten #12 am: 06. März 2004, 23:21:46 »

@Caracol
Zugegeben, so ein Baum mag anfangs etwas gewöhnungsbedürftig aussehen, das ändert sich aber im laufe der Zeit noch. Was "Streuobstbestände" betrifft, ist es aus ökologischer (und optischer) Sicht natürlich auch wichtig, daß es auch genügend ungepflegte, ausgefaulte und/oder skurile Bäume gibt und nicht nur durchgepflegte Einheitsbäume. Momentan ist aber durch zunehmende Verwahrlosung der Bestände und auch durch das verlorengegangene Wissen um die Pflege nicht zu befürchten, daß es je soweit kommen wird.
Ich sehe z.B. häufig, daß an jungen Apfelbäumen die Konkurrenztriebe als Leittriebe verwendet werden (weil's eben oft die schönsten sind) und wenn dann die Erträge einsetzen, brechen die Bäume teilweise schon im ökologisch weniger wertvollen Jugendstadium auseinander. Deshalb halte ich es für wichtig, daß bei Jungpflanzen vermehrt ein besonderes Augenmerk auf die Statik gelegt wird, was die Chancen auf ein hohes Baumalter auch bei mangelnder Pflege deutlich verbessern dürfte.

Baumfex
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Pflaume
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« Antworten #13 am: 11. März 2004, 07:37:34 »

Könnten diese senkrecht in die Höhe schießenden Wasserschosser auch mit der (Über)Düngung bzw. mit dem Nährstoffgehalt des Bodens zusammenhängen? Äpfeln soll man ja  ruhig mit Gras umgeben, damit sie nicht zuviel Stickstoff abbekommen.
Hi Caracol,
anbei ein Schlitzast bei einem Birnbaum. (Quelle: Der Notenschlüssel der Natur, Ausgabe 4 2002, ISBN 3.924431.21.3 von H. Palmer; dort findet man so ziemlich zu allem was Obstbau betrifft Bilder als positive und negative Beispiele sowie einen Kommentar bei dem der Autor kein Blatt vor den Mund nimmt).
@ren@te: Habe gestern die Erlaubnis für die Einstellung dieses Fotos von Fr. Palmer erhalten.

Schlitzäste entstehen besonders gerne nach Rückschnitt in unmittelbarer Nähe der neuen Spitze, Düngung und triebige Unterlage sind auch förderlich, meist die schönsten Triebe (Afterleittriebe), weshalb es dann weh tut diese wegzuschneiden  Schweigend. Ist jedoch nötig, da aufgrund dessen, daß der Schlitzast spitzwinklig steht zwischen Stamm und Ast Rinde einwächst, wodurch am Oberende der Astbasis kein Holz wachsen kann, entfernt man die Rinde, so sieht man eine Einbuchtung statt einer oberen Verbreiterung der Astbasis. Wenn nun Druck auf den Ast kommt, bricht er hier natürlich leicht ab, er "schlitzt".
Grüße
Pflaume
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Credo, quia absurdum - Tertullian
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