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forum.planten.de  |  Pflanzen  |  Obst-Forum (Moderatoren: Walther, thuja thujon)  |  Thema: Wein aus Stecklingen 0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema. « vorheriges nächstes »
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Autor Thema: Wein aus Stecklingen  (Gelesen 18706 mal)
sommerstoffel
Gast
« am: 10. Oktober 2003, 11:59:57 »

Hallo,

wir würden gerne an der Südseite unseres kleinen Gartenhäuschens Wein ranken lassen und in 1-2 Jahren auch ein paar eigene Weintrauben ernten können.
Hier in Rheinhessen gibt es viele Weinberge und da habe ich gedacht, wir knippsen uns einfach irgendwo einen kleinen Steckling ab, und versuchen den im Winter hochzupeppeln.

Die Frage ist nun, ob man Wein aus Stecklingen vermehren kann. Und wenn ja welchen Teil, knippst man am Besten ab. Bei Google konnte ich nichts finden, aber kennt jemand von euch eine Anleitung?

Christoph
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Simon
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=)


« Antworten #1 am: 10. Oktober 2003, 12:10:09 »

Hi!

Also am besten guckst du mal ob sie bei euch am Weinberg Pflanzen verkaufen.
Ich habe meine von einem Kumpel der an der Mosel war.
Dort kosten die 4 Euro und sind veredelt auf eine Reblausresistente Unterlage.
Da lohnt sich das selbstanziehen nicht ...

Aus Stecklingen ziehen klappt auch, ich meine aber gelesen zu haben das man in der nähe von Weinbaugebieten keinen wurzelechten Wein anbauen darf wegen der Reblausgefahr...
Ich hab selbst testweise aus einem abgeschnittenen Seitentrieb einen Steckling angezogen. Der wächst ziemlich langsam momentan.

Allgemeine Tipps zum Weinstock: http://www.stmlf.bayern.de/lwg/faltblaetter/weinstock/weinstock.html

Bye, Simon
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Günther
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Ich liebe dieses Forum!


« Antworten #2 am: 10. Oktober 2003, 12:21:05 »

Funktionieren tuts prinzipiell, Reiser im Spätwinter oder Frühling schneiden. Veredelungen sind sicher besser. Ob die Reblaus sooo ein Risiko sind, ich weiß es nicht...
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Wühlmaus
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Wühlmaus
Raue Ostalb, 500m ü.NN, Tallage, 6b


« Antworten #3 am: 10. Oktober 2003, 13:18:29 »

Es geht wunderbar! Im Herbst nach dem Laubfall die abgetragenen Ruten in Steckhölzer von Stücke mit ca. 3-4 Blattknoten schneiden. Immer etwa 5cm Holz ober- und unterhalb des endständigen Knotens stehen lassen. An geschützter Stelle soweit in den tiefgelockerten Boden stecken, daß max ein Blattknoten rausschaut.
Mit dieser Methode hab ich 99,9%igen Erfolg. Allerdings hab ich eine Sorte vom Balkan, die wohl gewohnt ist, auf eigenen Füßen zustehen.
Derzeit gibts gerade wieder die leckeren Trauben Zunge

Allerdings wäre ich für den Hausgebrauch vorsichtig mit Reben, die speziell für den Weinanbau gezogen sind! Das kann heftig ins Auge gehen, denn diese Sorten sind sehr oft sehr anfällig für Pilzkrankheiten, das heißt sie  brauchen intensive chemische Zuwendung und sollten auch einen fachmännischen Rebschnitt erhalten.

Wühlmaus
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Sven
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Sven
Weinreben - Kletterpflanzen - Rankhilfen


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« Antworten #4 am: 05. November 2003, 16:28:09 »

Hallo,

also Stecklinge würde ich eigentlich nicht machen, aus mehreren Gründen: Erstens natürlich, weil ich und die anderen Rebenverkäufer dann nichts mehr verdienen können ( Zwinkernd...., aber das größere Problem ist die Frage der Sorte. was in den Weinbergen steht, sind meist keine Tafel-, sondern Keltertrauben, die kleine Beeren mit konzentriertem Saft/Aroma/Zucker bilden sollen. Ausnahmen sind Dornfelder, Gutedel und andere.
Tafeltrauben hingegen sollen groß, aufgeschwemmt, saftig sein, der Zuckergehalt ist längst nicht so entscheidend und spürbar wie bei den Keltersorten.
Da lohnt sich wirklich der Kauf einer Pfropfrebe vom Gartenmarkt um die Ecke, wenns definitiv eine Tafeltraube ist, aber im Weinbaugebiet geht man da ja professioneller heran als allgemein hier, außerhalb.
Und am besten sollte es noch eine vorgezogene Solitärrebe sein, auch wenn die dann etwas mehr kostet, bei mir und anderen so ca. 25 bis 40 Euro, aber das sind dann schon richtige Reb-Büsche im großen Container, die auch wirklich im nächsten Jahr schon ordentlich tragen können, nicht solche Pipselchens im Zahnputzbecher....
Bei einem Steckling muß man schon 2 - 3 Jahre einplanen bis zur ersten kleinen Ernte, da ist kaum was zu wollen im Folgejahr.
Unbedingt auf Pilzfestigkeit achten, sonst ist man im Weinbaugebiet, wo der Pilz-Befallsdruck extrem hoch ist, nur am Spritzen. Selbst die pilzfesten machen dort mitunter Probleme, neuerdings zum Beispiel gerade die blaufrüchtige Sorte "Regent", die als relativ pilzfest galt, jetzt aber beim falschen Mehltau Probleme hat. Absolut zuverlässig und gut ist "Muscat bleu", große Beeren an halbgroßen Trauben, nicht zu doller Ertrag, aber sonst wirklich wunderbar. "Phönix" neigt (ein bißchen) zum Aufplatzen. Für Hausspaliere nehme ich neuerdings "Hecker", eine Freiburger Züchtung, halbwegs pilzfest und mit dem guten alten Gutedel-Charakter.
Besonders großbeerig sind "Trollinger" (nicht mehltaufest!!!) und "Theresa", letztere aber sehr spätreifend, nur für allerbeste Standorte. Hilft das weiter oder ist die Entscheidung schon gefallen? Nähere Infos gibts ggf. auch auf meiner Webseite unter "Weinreben" und "Aktuelles", viele Fotos von Hausspalieren usw.

Bestens
Sven
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Lucia
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Lucia
Hemerocallis Rainbow Gold


« Antworten #5 am: 05. November 2003, 17:33:50 »

Ahh, das ist ein Thema auch für mich. Ich wohne ja mitten im Weinbaugebiet (Südliche Weinstraße) und ich hätte auch nichts dagegen, ein paar Euro für Pflänzchen auszugeben, aber:
Ich bin scharf auf eine bestimmte Rebensorte, die ganz dunkelrotes Laub hat. Es gibt hier in der Nähe nur einen einzigen Weinberg davon und ich habe den Winzer noch nicht getroffen, sonst hätte ich ihn nach dem Namen gefragt. Zudem wäre es dann immer noch ein Aufwand, eine Weinbauschule zu finden, die diese züchtet und bereit wäre, mir 2-3 Stück zu verkaufen. Also will ich es nach der Methode von Wühlmaus probieren. (Ich will sie lediglich als Dekoration und kann sie ja mit meinen Rosen zusammen gegen Mehltau spritzen falls nötig.)
Frage an Sven, der sich anscheinend gut auskennt: Um welche Rebsorte könnte es sich denn bei der von mir beschriebenen handeln?
Lucia
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Wer träumen will muß wacher sein und tiefer träumen als andere.
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Sven
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Sven
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« Antworten #6 am: 05. November 2003, 18:02:51 »

Wenn das Rot intensiver ist und eher auftritt als das umliegender Weinberge mit ebenfalls blauen Trauben, ist das wahrscheinlich "Färbertraube" oder "Deckrot", jedenfalls eine Rebsorte mit ganz farbstarken Beeren (und damit auch Blättern), die zum "Decken" farbblasser Rotweine verwendet wird, damit die beim Durchgucken auch nach was aussehen....
Ein Laubfoto von "Deckrot" zusammen mit gelbem Laub von "Phönix" ist auf meiner Website unter "Aktuelles" zu sehen.
Leider nicht mehltaufest, wie schon geahnt.....
Vitis coignetiae ist gängiger, macht ebenso rotes Laub, vielleicht weniger rubin-, mehr scharlachrot, hat aber keine nennenswerten Eßbeeren. Die von Färbertraube und Deckrot sind auch nur bedingt genießbar, Zuckergehalt eher gering, Säure sehr hoch, und nach dem Essen ist der ganze Mund samt Zähnen gefärbt...
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Andreas Regner
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« Antworten #7 am: 15. Dezember 2003, 17:52:27 »

Hallo,

ich habe dieses Frühjahr sehr spät noch unbewurzelte Steckhölzer ins Freiland (ohne Bewässerung!) gesetzt. Sie waren im Herbst geschnitten und die ganze Zeit über unfachgerecht in einem Wassereimer gelagert worden.

Trotz dieser extrem ungünstigen Bedingungen wuchsen mehr als 50 % an (in diesem Jahrhundertsommer!). Einzige Pflegemassnahme war, dass ich die Beikräuter (u.a. Brennessel und Quecke) 2,3 mal abgerupft habe und damit um die Steckhölzer herum gemulcht habe.

Die Reblausproblematik besteht v.a. in Weinbaulagen. Hier in S.-H. z.B. ist sie kein wichtiges Thema.
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grüsse
andreas
Fritz_Loser
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« Antworten #8 am: 31. Mai 2004, 22:49:19 »

Ich jedenfalls habe Spaß an der Stecklingsanzucht. Schon oft probiert -- und es hat immer wieder geklappt! Sogar grünbelaubte Risslinge wachsen an, wie auch Triebe auf älterem Holz (also zusammen mit älterem Holz von der Mutterpflanze abgeschnitten und dieses in die Erde gesteckt). Wein scheint diesbezüglich ein unverwüstliches Gewächs zu sein...
Ich würde es auf alle Fälle einmal mit Stecklingen probieren!
MfG Fritz  Zwinkernd
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Sven
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Sven
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« Antworten #9 am: 01. Juni 2004, 13:23:45 »

Hallo Fritz,
welche Sorten vermehrst Du denn wurzelecht? Ich habe es ggf. bei Trollinger und Gutedel vor.

Und allgemein noch einmal: In den Weinbaugebieten ist Stecklingsvermehrung (wurzelechte Ware) definitv verboten wegen der Reblaus. Das Gesetz ist womöglich übertrieben scharf und veraltet, gilt aber nach wie vor. Auch der Nachbau geschützter Sorten über Stecklinge ist verboten wegen Umgehung der Lizenzgebühren für den Züchter, m. E. eine nützliche Vorschrift, sonst sinkt der Anreiz, weiter an neuen Sorten zu arbeiten.
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Fritz_Loser
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« Antworten #10 am: 02. Juni 2004, 23:29:15 »

... welche Sorten vermehrst Du denn wurzelecht? Ich habe es ggf. bei Trollinger und Gutedel vor.

Die genauen Sorten kenne ich nicht, weil sie von Leuten stammen, die sie ebenfalls nicht benennen konnten. Aber ich denke, dies ist nicht ausschlaggebend dafür, ob man sie durch Stecklinge vermehren kann oder nicht.

In den Weinbaugebieten ist Stecklingsvermehrung (wurzelechte Ware) definitv verboten wegen der Reblaus.

Ich wohne nicht in einem Weinbaugebiet, insofern betrifft mich dies nicht.
MfG Fritz  Zwinkernd

« Letzte Änderung: 02. Juni 2004, 23:30:25 von Fritz_Loser » Gespeichert
Basilaris
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Basilaris

« Antworten #11 am: 03. Juni 2004, 14:23:12 »

Hallo

Bei uns in der Schweiz ist es, soweit ich weiss, nicht verboten, aus Stecklingen neue Pflanzen zu ziehen.
Im Wallis ist es eine uralte Methode der Vermehrung: Man biegt einen Reiser der Mutterpflanze nach unten und gräbt ihn ein. Wenn er angewurzelt ist, trennt man ihn von der Mutterpflanze. Sobald diese Neupflanze gut trägt, werden die alten Stöcke ausgerissen, voilà!

Gruss aus der Schweiz
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In Wirklichkeit sind die Dinge ganz anders als sie in Wirklichkeit sind.
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