Ich habe mir im Sommer eine Obstpresse gebastelt, die will ich einfach mal vorstellen.
Sie ist nicht unbedingt für Massenentsafter geeignet, es lassen sich aber doch hausgartenübliche Mengen relativ schnell und vor allem ohne schweißtreibende Arbeit verarbeiten.
Nebenbei war Ziel beim Bau möglichst nur Sachen zu verwenden die ohnehin rumliegen, es sollte einfach nichts zusätzlich gekauft werden. Ein alter Emailletopf, ein hydraulischer Wagenheber und ein dazu passendes Stahlgestell sind die Kernstücke der Presse.

Aus alten 4-Kantrohren, ehemals Zaunpfosten, wurde der Rahmen zusammengeschweißt. Hier ist er schon mit Rostschutzfarbe bepinselt.

Ohne Obstmühle taugt natürlich auch die beste Presse nichts. Ganze Äpfel oder Quitten usw. zerpressen wollen ist sinnlos, so musste auch eine Obstmühle her. Mit dem Küchenmesser Hackschnitzel machen dauert bei Mengen über 5kg ewig und liefert deutlich schlechtere Saftausbeuten.
Die Apfelhackschnitzel die aus meiner Obstmühle rauskommen sehen so aus:

Unten im Topf ist eine Drainage damit der Saft auch ungehindert ablaufen kann. Mit ein paar Holzlatten, rostfreien Edelstahlschrauben und einer Feile um die Kanten abzurunden war die Drainage auch schnell zusammengebaut. An der Seite sind Holzlatten die mit Schrauben in den Topf eingehängt werden. So kann der Saft auch an der Seite den Topf nach unten laufen.

Als Presstuch hat sich ein unbedruckter Stoffbeutel, wie man ihn für wenige Cent an der Supermarktkasse bekommt, bewährt. Die Henkel schlage ich oben um, dann lässt sich nach dem pressen alles wieder einfach rausziehen. Sollte mal was klemmen kann man die Latten an der Seite rausziehen und dann spätestens dann geht auch der Stoffbeutel mit dem Trester problemlos raus.

Um den Pressdruck auf die ganze Fläche zu verteilen benutze ich 2 Frühstücksbretter übereinander. Das untere kommt noch direkt mit dem Saft in Verbindung, das obere schon nicht mehr.

2 Bretter übereinander weil ich es zuerst mit einem versucht habe und das ziemlich schnell gebrochen ist. So benutze ich jetzt auch 2 Holzklötze um die Kräfte des wagenhebers besser zu verteilen.

Beim pressen brauchen die Obstschnitzel immer weniger Platz, damit der Wagenheber nicht irgendwann im Topf verschwindet wird er je nach Bedarf mit Holzklötzen unterfüttert.

Ist man mit dem Aufbau soweit fertig fließt auch schon der erste Saft unten raus. Die einfachste Lösung war mMn. ein sauber gebohrtes Loch im Topf und ein Schlauch der so in das Loch passt dass man keine weiteren Dichtungsmaterialien braucht.

Schließlich wird mit dem Wagenheber Druck auf die Schnitzel gebracht, bei einer Füllmenge von 5kg muss ich einmal entlüften, einen Holzklotz unterschieben und wieder druck drauf geben. Man darf nicht zu lange warten mit dem Holzklotz, sonst kommt man irgendwann nicht mehr an die Belüftungsschraube des Wagenhebers.

Übrig bleibt schließlich der Trester.

Aus 5kg Äpfeln oder Quitten habe ich so in mehreren Fällen knapp 3,5 liter Saft gewonnen, eine Saftausbeute von ca. 70%, damit bin ich zufrieden. Bei wasserhaltigerem Obst wie zB. Nashi ist die Saftausbeute auch höher, weiches Obst lässt sich nicht mit der Konstruktion pressen.
Der Saft selbst kann sich auch sehen lassen, je nach verwendetem Stoffbeutel, der ist praktisch der Filter, mal mehr oder weniger trüb. Aber garantiert nicht schonmal erwärmt bzw. wie beim Dampfentsafter schon sämtlicher hitzelabiler Vitamine beraubt.
Quittensaft bei der Zuckerbestimmung:

Ich hoffe der ein oder andere kann was mit den Bildern anfangen, dann hat sich der Aufwand rentiert. Ich habe vor dem Bau auch erstmal im Internet rumgesucht wie man was wie machen könnte. Aus ca. 3 Selbstbaumodellen habe ich mir dann meine Konstruktion zusammengebastelt.
Gruß thuja