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forum.planten.de  |  gartenlandschaftsforum  |  Planungs- und Handwerksforum (Moderatoren: andreas, Walther)  |  Thema: Obstpresse Eigenbau 0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema. « vorheriges nächstes »
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Autor Thema: Obstpresse Eigenbau  (Gelesen 1798 mal)
thuja thujon
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phänologischer Naturraum 22, 100 m ü. NN


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« am: 08. Dezember 2011, 00:26:44 »

Ich habe mir im Sommer eine Obstpresse gebastelt, die will ich einfach mal vorstellen.
Sie ist nicht unbedingt für Massenentsafter geeignet, es lassen sich aber doch hausgartenübliche Mengen relativ schnell und vor allem ohne schweißtreibende Arbeit verarbeiten.
Nebenbei war Ziel beim Bau möglichst nur Sachen zu verwenden die ohnehin rumliegen, es sollte einfach nichts zusätzlich gekauft werden. Ein alter Emailletopf, ein hydraulischer Wagenheber und ein dazu passendes Stahlgestell sind die Kernstücke der Presse.

Obstpresse  10

Aus alten 4-Kantrohren, ehemals Zaunpfosten, wurde der Rahmen zusammengeschweißt. Hier ist er schon mit Rostschutzfarbe bepinselt.
Obstpresse Rahmen


Ohne Obstmühle taugt natürlich auch die beste Presse nichts. Ganze Äpfel oder Quitten usw. zerpressen wollen ist sinnlos, so musste auch eine Obstmühle her. Mit dem Küchenmesser Hackschnitzel machen dauert bei Mengen über 5kg ewig und liefert deutlich schlechtere Saftausbeuten.
Die Apfelhackschnitzel die aus meiner Obstmühle rauskommen sehen so aus:
Obstpresse 1

Unten im Topf ist eine Drainage damit der Saft auch ungehindert ablaufen kann. Mit ein paar Holzlatten, rostfreien Edelstahlschrauben und einer Feile um die Kanten abzurunden war die Drainage auch schnell zusammengebaut. An der Seite sind Holzlatten die mit Schrauben in den Topf eingehängt werden. So kann der Saft auch an der Seite den Topf nach unten laufen.
Obstpresse 2

Als Presstuch hat sich ein unbedruckter Stoffbeutel, wie man ihn für wenige Cent an der Supermarktkasse bekommt, bewährt. Die Henkel schlage ich oben um, dann lässt sich nach dem pressen alles wieder einfach rausziehen. Sollte mal was klemmen kann man die Latten an der Seite rausziehen und dann spätestens dann geht auch der Stoffbeutel mit dem Trester problemlos raus.
Obstpresse 3

Um den Pressdruck auf die ganze Fläche zu verteilen benutze ich 2 Frühstücksbretter übereinander. Das untere kommt noch direkt mit dem Saft in Verbindung, das obere schon nicht mehr.
Obstpresse 4

2 Bretter übereinander weil ich es zuerst mit einem versucht habe und das ziemlich schnell gebrochen ist. So benutze ich jetzt auch 2 Holzklötze um die Kräfte des wagenhebers besser zu verteilen.
Obstpresse 5

Beim pressen brauchen die Obstschnitzel immer weniger Platz, damit der Wagenheber nicht irgendwann im Topf verschwindet wird er je nach Bedarf mit Holzklötzen unterfüttert.
Obstpresse 6


Ist man mit dem Aufbau soweit fertig fließt auch schon der erste Saft unten raus. Die einfachste Lösung war mMn. ein sauber gebohrtes Loch im Topf und ein Schlauch der so in das Loch passt dass man keine weiteren Dichtungsmaterialien braucht. 
Obstpresse 7

Schließlich wird mit dem Wagenheber Druck auf die Schnitzel gebracht, bei einer Füllmenge von 5kg muss ich einmal entlüften, einen Holzklotz unterschieben und wieder druck drauf geben. Man darf nicht zu lange warten mit dem Holzklotz, sonst kommt man irgendwann nicht mehr an die Belüftungsschraube des Wagenhebers.
Obstpresse 8

Übrig bleibt schließlich der Trester.
Obstpresse 9
Aus 5kg Äpfeln oder Quitten habe ich so in mehreren Fällen knapp 3,5 liter Saft gewonnen, eine Saftausbeute von ca. 70%, damit bin ich zufrieden. Bei wasserhaltigerem Obst wie zB. Nashi ist die Saftausbeute auch höher, weiches Obst lässt sich nicht mit der Konstruktion pressen.

Der Saft selbst kann sich auch sehen lassen, je nach verwendetem Stoffbeutel, der ist praktisch der Filter, mal mehr oder weniger trüb. Aber garantiert nicht schonmal erwärmt bzw. wie beim Dampfentsafter schon sämtlicher hitzelabiler Vitamine beraubt.
Quittensaft bei der Zuckerbestimmung:
Obstpresse Quittensaft



Ich hoffe der ein oder andere kann was mit den Bildern anfangen, dann hat sich der Aufwand rentiert. Ich habe vor dem Bau auch erstmal im Internet rumgesucht wie man was wie machen könnte. Aus ca. 3 Selbstbaumodellen habe ich mir dann meine Konstruktion zusammengebastelt.

Gruß thuja


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flor
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« Antworten #1 am: 08. Dezember 2011, 08:51:39 »

Hallo thuja,

die Presse sieht super aus. Glückwunsch  Smiley
Vielen Dank für die ausführliche Erklärung.

LG
Flor
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winterliesel
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winterliesel
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« Antworten #2 am: 08. Dezember 2011, 09:01:14 »

Hallo Thuja,

das ist ja ne prima Konstruktion und tatsächlich aus vielen Komponenten, die man eh schon hat oder leicht beschaffen kann.

Danke für die Schritt-für-Schritt-Anleitung (GG wird sich freuen  Grinsend Grinsend), die versteh sogar ich.

Eine Frage hab ich aber doch noch zu nem Detail: werden die Latten einzeln in den Topf eingehängt oder sind sie untereinander auch nochmal fixiert und falls ja - wie?
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« Antworten #3 am: 08. Dezember 2011, 09:03:55 »

Moin moin,

ja, ich bin ja auch völlig begeistert - danke für die tolle Anregung / Anleitung!  :-)
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grüsse
andreas
Kaprifol
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Kaprifol

« Antworten #4 am: 08. Dezember 2011, 12:00:13 »

Hej Thuja, danke für's Teilen! Deine Anleitung kommt mir genau recht. :-))
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Zwiebelchen
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Zwiebelchen
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« Antworten #5 am: 08. Dezember 2011, 12:58:21 »

Danke für die Erklärungen. So etwas könnte ich auch gebrauchen.
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thuja thujon
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« Antworten #6 am: 09. Dezember 2011, 11:55:25 »

Danke fürs Lob.

Die senkrechten Latten sind nicht miteinander verbunden. Wären sie dass und der Trester wäre so fest drangequetscht würde man sie wohl nie mehr aus dem Topf rauskriegen, zumindest wenn man den Trester nicht Bröckchen weiße mit den händen rauspult bis wieder Platz ist. Aber auch so macht es nicht besonders viel Aufwand die einzeln einzuhängen.
Ich habe Fichtenlatten genommen, auchw eil die rumgelegen haben. Das würde ich beim nächsten mal nicht mehr.
Nach dem pressen nehme ich sie raus und spüle sie in einer Wanne einfach nur mit Wasser ab. Hinterher werden sie an die Wand der Wanne gehängt um zu trocknen. Ist die Nacht feucht und man will gleich am nächsten Tag wieder pressen sind die Latten noch aufgequollen. Dann kann es passieren dass sie nicht mehr 100%ig in den Topf passen. quetschen bringt nichts, der Saft soll ja noch zwischenrein fliessen. Würde ich eine einzige Latte der Länge nach halbieren gäbe es das Problem nicht.

Besser wäre ohnehin Buchenholz geeignet, aber als ich die Preise im Baumarkt gesehen habe war ich doch erstmal wieder von der Fichte überzeugt.

Die Drainageschicht ist auch nicht optimal, die Abstände sind etwas weit. So kann es passieren dass ein Stoffbeutel schon nach 3-4 mal Pressen reißt weil er unten nicht gerade aufliegt sondern sich eine Beule in die Zwischenräume drückt und dann schließlich aufplatzt. Also gut möglich dass ich das mit den Holzlatten doch nochmal ändere.

Auch der Schlauch ist etwas kurz. Auf dem einem Foto sieht man wie der Kanister unterfüttert ist, mit einem längeren Schlauch ist man flexibler. Man presst ja nicht immer in den selben Behälter. So ca. 30cm Schlauchlänge sind garnicht verkehrt.


@Kaprifol: magst du auch eine bauen? Wenn ja, Fotos würden mich natürlich intressieren.

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thuja thujon
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« Antworten #7 am: 09. Dezember 2011, 11:57:57 »

So etwas könnte ich auch gebrauchen.
Man glaubt garnicht wieviel Arbeit man dadurch sparen kann. Die Stunde fürs pressen teilt sich in 10 Minuten Vorbereitung und ab dann muss man nur alle paar Minuten mit dem Wagenheber neu pumpen. Solange hat man dann Zeit für was anderes.
Ich bin mal gespannt wie sich die Johannisbeeren damit pressen lassen.
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Kaprifol
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Kaprifol

« Antworten #8 am: 09. Dezember 2011, 12:47:47 »

Ich, besser gesagt wir, werden bestimmt eine bauen. Die Idee mit dem Wagenheber gab es hier auch schon mal, aber das ganze 'Wie' drumherum war noch nicht so schön ausgerreift wie bei Dir. Wir waren schon fast so weit, eine Presse zu kaufen, aber den Plan hast Du zerstört! Zumal noch zwei Wagenheber aus einer anderen Aktion herumliegen. Fotos werde ich posten, aber das wird nicht gleich nächste Woche  Zwinkernd. Ich freue mich schon auf den nächsten Herbst. Dieses Jahr habe ich die Äpfel mal wieder (mit schlechtem Gewissen) durch die elektische Zentrifuge gejagt und dann durch ein Tuch tropfen lassen  Augen rollen. Herzlichen Dank noch mal!
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Zwiebelchen
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Zwiebelchen
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« Antworten #9 am: 09. Dezember 2011, 13:36:38 »

Ich habe Deine Anleitung mal ausgedruckt und werde sie meinen bastelfreudigen Nachbarn zeigen. DA klappt es mit dem Nachbau.
Vielen Dank.
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« Antworten #10 am: 09. Dezember 2011, 14:53:33 »

Danke für die Erläuterung - jetzt ist klar, dass sie besser locker drinnen hängen. Und wie wäre es, wenn man unten bei der Drainage noch ein etwas feineres Drahtgeflecht drüberspannt? Oder geht das wegen evtl. Beschichtungen nicht?

Ach so, eine Frage hab ich doch noch: wie häckselst Du Deine Äpfel klein? Ist es ne fertig gekaufte "moderne" Obstmühle?
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« Antworten #11 am: 11. Dezember 2011, 12:07:08 »

Da hatte ich mir auch Gedanken gemacht wie man das bauen könnte. 2 Walzen mit Schrauben als Mahlwerk drin, ein paar Zahnräder und mit einem umgebauten Fahrrad als Antrieb usw. Naja, alles Murks, ich bin nirgends an Zahnräder gekommen um auch nur annähernd was praktikables zu basteln. Das mit den schraubenbestückten Walzen wäre wohl eh nichts geworden.
Das Mahlgut ist mit entscheidend für die Saftausbeute. So ists dann auch eine `moderne´ Mühle geworden. Kein umgebauter Gartenhäcksler sondern eine kleine Mühle mit Handkurbel, für ca. 150Euro. 

Damit die Früchte beim mahlen auch zuverlässig ins Mahlwerk eingezogen werden müssen sie etwas zerkleinert werden. Mit dem falschen Werkzeug ist das der schlimmste Teil der Arbeit, ich benutze ein altes Hackbeil mit vernünftiger Klinge aus gutem Stahl. Gutes, altes Werkzeug eben, kein modernes Spielzeug. 
Küchenbeil

5kg Quitten sind auf einem Fass als Unterlage damit in 3 Minuten kleingemacht.

Die groben Schnipsel kommen in den Trichter der Mühle und werden durchgedreht. Hier Äpfel:
Obstmühle befüllt

5kg sind knapp 2 Füllungen, dauert zusammen auch etwa 5 Minuten.
Das Mahlwerk kann man hinterher mit Wasser abspritzen. Einige festgesetzte Stücke muss man aber noch mit den Fingern rauspulen.
Obstmühle

Alles in allem gibt es sicherlich bessere Mühlen, für meine Zwecke ist sie ausreichend und ich wollte auch keine 300Euro oder mehr für eine Mühle berappen. Wenn man lange genug sucht findet man aber vielleicht auch eine ältere die mit etwas liebe wieder restauriert werden kann.

Achja, die Mühle hat einen Nachteil: einer muss die Mühle festhalten, der andere kurbeln. Ich werde sie wohl auf ein noch zu entwickelndes Podest schrauben, so dass man nur noch kurbeln muss.

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thuja thujon
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« Antworten #12 am: 11. Dezember 2011, 12:19:49 »

Ein feineres Drahtgeflecht auf der Drainage ist keine schlechte Idee.
Das Problem ist dass da der ganze Pressdruck drauf lastet. Der Wagenheber soll angeblich 6 Tonnen schaffen, ganz so viele sind es beim pressen wohl nicht, der Draht müsste aber trotzdem ein paar T aushalten. Deswegen sind auch die Holzbretter unter dem Topf, als Puffer und für eine ebene Oberfläche unter dem lächerlich dünnen Topfboden. Ein kleines Schweißperlchen auf dem Gestell würde sich sonst beim pressen durch den Topfboden drücken.

Mit einem ausreichend dicken Edelstahlsiebblech sollte es aber gehen. Nur woher nehmen? Wenn ich mal was taugliches finde, Bratpfanne durchbohren etc....
Aufpassen soll man das kein Eisen mit dem Saft in Kontakt kommt. Soll später gravierende Fehler geben.
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sperberin
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sperberin
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« Antworten #13 am: 11. Dezember 2011, 15:48:28 »

Das ist ja wirklich was feines was du da hergestellt hast.
Da ich nicht über solch einen Obstüberfluss verfüge, hat der Nachbau für mich im Moment keinen Sinn. Aber ich habe mir das auch ausgedruckt, man weiß ja nie wie die Zukunft aussieht.
Vor allem die so wunderbar bebilderte Anweisung muss einfach in den Selbstgemachtes_Ordner.
Also wirklich ein dolles Lob an deine Adresse.

Gruss sper
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