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forum.planten.de  |  Pflanzen  |  Rosen-Forum (Moderatoren: Giuseppe, winterliesel)  |  Thema: Rosen von Anno 1894 0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema. « vorheriges nächstes »
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Autor Thema: Rosen von Anno 1894  (Gelesen 18752 mal)
sonnenschein
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sonnenschein
es wird immer wieder Frühling


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« Antworten #45 am: 16. Dezember 2010, 11:31:02 »

Das Beschaffen von Raritäten ist sicher eine der Lieblingsbeschäftigungen gewesen (für die, die es sich leisten konnten, versteht sich).
Alles wie heute auch, oder?  Zwinkernd
Ich lese ganz gespannt, was noch so kommt. Was mir immer wieder auffällt: entweder galt auch zu dieser Zeit eine andere Farbwahrnehmung oder -beschreibung oder es ist doch heute etliches schon wieder anders im Handel als damals dort beschrieben  Zunge.
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Zwiebelchen
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Zwiebelchen
Rosenfan, jetzt schwäbisch-fränkischer Wald, 500 m


« Antworten #46 am: 16. Dezember 2010, 12:43:54 »

Es werden so viele Rosennamen genannt die ich noch nie gehört habe. Ob es die heute noch gibt?

Das es einen Rosenpark in Görlitz gab ist schon eine Neuheit. Noch dazu da Görlitz auch nicht gerade zu den milden Gegenden von Deutschland zählt.
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Grüße vom Zwiebelchen
Das Leben beginnt mit dem Tag, an dem man einen Garten anlegt. (chinesisches Sprichwort)
freiburgbalkon
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« Antworten #47 am: 16. Dezember 2010, 12:53:00 »

...Das es einen Rosenpark in Görlitz gab ist schon eine Neuheit. Noch dazu da Görlitz auch nicht gerade zu den milden Gegenden von Deutschland zählt.

So wie ich das vestehe wurden die Rosen im Frühling gepflanzt und dann im Spätsommer/Herbst auf der "Ausstellung" angeschaut. Dann hätten sie noch keinen Winter dort gesehen. Vielleicht aber auch im Folgejahr, das geht da nicht so klar draus hervor:
Zitat
Sie wurden schon im Frühjahr den Aufgaben entsprechend gruppenweise dort ausgepflanzt, und dank der vorzüglichen Pflege, dank des regnerischen Sommers, haben sie sich zu großer Üppigkeit entwickelt
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Apfelmann
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« Antworten #48 am: 16. Dezember 2010, 21:17:18 »

Von der Rosenausstellung in Görlitz

R. Betten - Frankfurt a. d. O.

....
Besonders hat der Geschäftsführer des Rosenvereins Peter Lambert – Trier es sich nicht verdrießen lassen, große Sortimente davon zu bringen. Mit einer gewissen Ehrfurcht nähert man sich den niedrigen Büschen. Jeder erwartet vom Neuen auch Gutes, nein, Besseres noch, als die alten Sorten es bieten. Das diese Erwartung erfüllt wird, kann man nicht sagen. Unter allem Neuen ist keine Rose vorhanden, welche der nun schon einige Jahre im Handel befindlichen deutschen Züchtung Kaiserin Augusta Victoria, deren farbiges Bild der Ratgeber vor kurzem brachte, auch nur annähernd gleichkäme; auch die ebenfalls farbig abgebildete Grace Darling und Viscountess Folkestone, sowie die im vorigen Jahre in Schwarzdruck wiedergegebene Madame Caroline Testout stehen hoch über den allerneuesten. Wer die beiden letzten noch nicht kannte, war entzückt von ihnen. In seiner Begeisterung führte mich ein Herr zu der nach seiner Meinung allerbesten neuesten Rose und bracht mich zu – Madame Caroline Testout. Das spricht für sich.
Viel Redens hat Golden Gate von sich gemacht und einige, denen das zu Herzen gegangen war, haben lange nach dieser Rose gesucht; und doch sind sie enttäuscht worden. Golden Gate ist, das läßt sich nicht leugnen, eine ganz respektable Rose mit schöner weißer Blüte; scheinbar auch von ziemlicher Reichblütigkeit. Sie hat aber nur ein winziges, kleines Laub und kann somit ihren Blüten nicht den nötigen Hintergrund geben. Die Pflanze selbst und die abgeschnittenen Blüte bilden des mangelhaften Laubes wegen stets etwas Unvollständiges. Wenn man Umschau nach Rosen hält, die ähnliche Blüten haben wie Golden Gate, so findet man, daß die alte Melanie Willermoz schon eine verbesserte Auflage der Golden Gate ist und das wir Golden Gate wahrscheinlich sehr gut werden entbehren können. Sapho, eine gelblich-weiße Thea, ragt ferner unter den Neuheiten hervor, ohne ältere Rosen auszustechen.
Interessant ist Rainbow, eine amerikanische Neuheit. Sie hat eine rosa Farbe, die von dunkleren Strichen unterbrochen ist. Schön darf man die Rose nicht nennen. Mancher wird sie ihrer Streifen wegen doch im Garten haben wollen. – Es ist etwas Besonderes.
Bei der Rose Grossherzog von Luxemburg sind die Blumenblätter innen, weiß, außen rot und macht die Blüte dadurch einen eigentümlichen Eindruck. Sie ist auch apart. Etwas Distinktes hat auch Ruby Gold. Sie wäre sehr gut mit ihrer Farbe verwendbar, wenn sie eine bessere Blütenform hätte. The Queen ist mit der älteren The Brigde zu vergleichen, doch kann sie letzterer nicht gleichkommen. Therese Welter hat außerordentliche Ähnlichkeit mit Henriette de Loew.
Eine Verbesserung von Victor Hugo ist Gloire de Bourgla-Reine. Sie hat dieselbe leuchtende Farbe, mit der Victor Hugo sonst wohl einzig dasteht, blüht aber gefüllter. Interessant sind die Züchtungen  mit Rosa rugosa von Dr. Müller – Weingarten.
Rosa rugosa ist völlig winterhart und durch die Benutzung derselben als Mutterstamm sollen Rosensorten gezüchtet werden, die mit der Schönheit unserer edlen Sorten die Härte der Rosa rugosa verbinden. Von den gewonnenen Neuheiten sind 75 Stück auf einem Beet ausgepflanzt. Vorläufig läßt sich von ihnen, wenn man ihre Blüten mit den Blüten unserer edlen Rosen vergleicht, nur sagen, daß sie sich mit diesen nicht messen können. Das die Zeit und die Geschicklichkeit des Züchters auch hier Wandel schaffen, ist nicht ausgeschlossen. Jedenfalls verdient das Streben des Herrn Dr. Müller – Weingarten die größte Beachtung. Völlig winterharte Rosen, das ist es ja gerade, was wir gebrauchen.

(Schluß folgt)

Fortsetzung folgt
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« Antworten #49 am: 16. Dezember 2010, 21:40:29 »

 Smiley ich hab mal gebuddelt

Görlitz die Sehenswürdigkeiten
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Stadtpark
Der Stadtpark ist ein wunderbares Sammelsurium aus Wegen, einem Spielplatz, mehreren Denkmälern, Rasen- sowie Gehölzflächen. Am beeindruckendsten sicherlich sind die Rosenterrasse am Osteingang, die Parkschach-Fläche und der obligatorische Goldfischteich
....
Weinberggelände
Viele Grünflächen, ein herrlicher Laubwald, Treppenanlagen und Wege machen dieses Parkgelände so sehenswert. Bedeutendste Sehenswürdigkeit im Weinberggelände ist der aus dem Jahre 1847 stammende Eisenbahnviadukt, der auf insgesamt 31 Pfeilern das gesamte Neißetal überspannt. Die Anlagen des Weinberges können über den Inselweg erschlossen werden.


anno-1894-bild-03

Auf dem Bild ist im Hintergrund das Viadukt zu erkennen,
die Rosenausstellungsfläche könnte das Weinberggelände sein.

LG
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« Antworten #50 am: 16. Dezember 2010, 21:48:02 »

Seite 280

Kleinere Mitteilungen

Moosrose Blanche Moreau. Unter den remontierenden Moosrosen (Rosa muscosa bifera) giebt es kaum eine schönere, als die reinweiße Blanche Moreau. Die Pflanze wächst stark und ist gegen Witterungseinflüsse nicht empfindlich. Die Blüten erscheinen doldenförmig, sind groß, gefüllt und öffnen sich gut. Die Pflanze blüht reicher, wenn sie nicht kurz geschnitten wird.

C. Fr. v. Beers - Kleinwörden-Hechthausen

Fortsetzung folgt

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« Antworten #51 am: 17. Dezember 2010, 18:55:05 »

Seite 286

Von der Rosenausstellung in Görlitz

R. Betten – Frankfurt a. d. O.

....
Eine Lust ist es, ganz ungebunden über den prachtvollen Rasen zu streifen und den Stämmen nachzugehen, die sich durch ihre Schönheit ganz besonders hervorthun. Man geht zwar da an vielem Sehenswerten vorüber, man lernt aber auch doppelt wieder die Haltung der Blumen schätzen. Wo sie stolz erhoben auf kräftigen Stielen stehen, wo die Zahl imponiert, die Farbe gefällt, dahin wendet sich der Schritt immer wieder von neuem, und wenn man auch durch mangelhafte Füllung enttäuscht wird.
Eine auffallende Gruppe bilden 10 auf einem runden Beete zusammengepflanzte Madame Honorė Defrėsne. Sie bilden zierliche, niedliche Kronen, von denen jede 10 – 12 reizende, dunkelgelbe Blüten trägt, nach Art etwa der Madame Falkot, von der Madame Honorė Defrėsne wahrscheinlich auch abstammt. Die Blüten sind nicht groß, aber sie wissen sich zu tragen und dem Auge zu gefallen. – William Allen Richardson besitzt in seiner orangegelben Farbe der Blüten ein Anziehungsmittel, dem schwer jemand widersteht. Leider blüht die Rose zu undankbar. Man sieht selten viel Blumen auf einem Stamm, und ist um so angenehmer überrascht, hier hin und wieder in den Gruppen William Allen Richardson mit 10 – 12  Blüten zu finden. Von frappierender Schönheit  der Farbe zeigt sich I'dėal. Beschreiben kann man sie nicht, wenigstens nicht so, daß man sie sich darunter vollständig denken könnte. Es ist ein Metallrot verwaschen mit zartem, goldigen Schein. Die Blüte selbst hat einen häßlichen Bau. Sie ist förmlich zweiteilig, und nur die Farbe ist das Begehrenswerte.
Eine auffallende braune Farbe hat außerdem noch Beautė inconstante.
Madame Chėdane Guinoisseauprahlt durch die Zahl und Schönheit der Blüten, die ziemlich groß sind und besonders als Knospen und ihrer tiefgelben Farbe wegen ansprechen. Honourable Edith Gifford spielt in allen Farben. Aufgeblüht ist sie ziemlich groß und dann in der Hauptsache fleischfarbig, im Grund gelblich, im Centrum lachsrosa. Sie hat lange spitze Knospen von eleganter Haltung und bringt davon eine ganze Zahl. Hübsch macht sich ferner Madame Melanie Willermoz mit ihren großen, weißen Blüten. – Ein ununterbrochener Blüher und fast überall voll behangen mit den nicht gerade sehr großen, aber außerordentlich hübschen, kupferig-weeißen, durch andere Nuanzierungen noch belebten Blumen ist Mlle. Franzisca Krüger. Wenn andere Rosen aufhören zu blühen, dann kann man von der Franzisca Krüger immer noch etliche Blumen schneiden. Mehr auffallend durch ihre leuchtend rote Farbe als hübsch durch die Blüte zeigt sich Princesse de Sagan. Die Blüten bestehen nur aus wenigen Blumenblättern, erscheinen aber zahlreich; der leuchten roten Farbe muß man alle Anerkennung zollen, wenn man die Blume selbst auch nicht lieb gewinnen kann. Etwas Ähnliches in der Farbe hat Victor Hugo. Manche vergleichen die Farbe auch mit der der dunklen Rose Jean Liabaud. Daß dies zutrifft, habe ich nicht gerade finden können. Jean Liabaud wäre sicher eine ausgezeichnete und viel begehrte Rose, wenn sie besser remontieren wollte. Sie bringt aber zuwenig Blumen und pflanzt man lieber statt ihrer Fisher Holmes und Alfred Colomb, die am besten remontierenden, dunklen Rosen.
Dunkle Rosen sollen womöglich leichten Schatten haben. Von Jean Liabaud habe ich nur um 6 Uhr früh wirklich hübsche Blüten gefunden; nachher waren sie von der Sonnenglut gebräunt. Eine außerordentlich edle Blume von gelblich weißer Farbe und vornehmer Haltung hat Madame Hosta. Gleiches Entzücken gewährt Madame Welche.
Madame Pierre Rouge besitzt eine fast durchsichtige, etwas angehauchte Blüte. Prahlend wirkt Captain Christy mit den großen zartrosa Blumen von manchen Gruppen herüber. Einer kleinen Captain Christy sieht Margurėrite de Roman sehr ähnlich, jedenfalls  braucht man sie nicht, wenn man die erstere hat.
Lady Helen Stewart macht sich durch ihr hübsches, leuchtendes Rot geltend, auch Duke de Wellington, wenngleich nur halbgefüllt, und Duchesse de Dino prahlen mit ihren roten Farben.
Comtesse of Albany ist La France in etwas dunkler Färbung, doch ohne die reiche Blühbarkeit. La France de 89, die auch hin und wieder  vertreten ist und der man zuerst eine große Zukunft versprochen hat, ist ebenfalls ein undankbarer Blüher und verliert deshalb bedeutend in der ehemaligen Gunst. Als dritter fauler Blüher möge gleich noch Her Majesty genannt sein. Wer die größten Rosenblüten ziehen will, muß sich ihrer besonders annehmen, denn man kann von Her Majesty die größten aller Rosenblüten ziehen. Paul Neyron ist von ihr überholt, dabei bleibt die Blüte edel und macht sie mit der silbrig-rosa Farbe einen imposanten Eindruck.

.....

kleine Fehlerkorrektur
« Letzte Änderung: 17. Dezember 2010, 19:00:57 von Apfelmann » Gespeichert
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« Antworten #52 am: 17. Dezember 2010, 21:02:29 »

Zitat
Eine auffallende braune Farbe hat außerdem noch Beautė inconstante.
Wat, braun, damals schon??? Ich geh gleich kucken...


... naja, ich weiß nicht, alle möglichen Farben, aber brau? Seh ich da nicht.
« Letzte Änderung: 17. Dezember 2010, 21:04:50 von freiburgbalkon » Gespeichert
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« Antworten #53 am: 17. Dezember 2010, 21:50:36 »

Was mir immer wieder auffällt: entweder galt auch zu dieser Zeit eine andere Farbwahrnehmung oder -beschreibung oder es ist doch heute etliches schon wieder anders im Handel als damals dort beschrieben  Zunge.

Und wer weiß wie parteiisch die Schreiberlinge waren  Zwinkernd
Ich staune auch immer wieder über den Schreibstil
und bemühe mich extra die Grammatik original zu übernehmen.

LG

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« Antworten #54 am: 17. Dezember 2010, 22:45:38 »

Von der Rosenausstellung in Görlitz

R. Betten – Frankfurt a. d. O.

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Jean Ducher, - Marie Baumann, - Marie van Houtte, - Madame Lombart, - Gloire de Margottin, - Madame Cousin, - The Bride, - Reine Nathalie de Serbe, - Cheshunt hybrid sind Rosen, die beim weiteren Umherstreifen immer wieder in die Augen fallen und immer wieder neue Freude erwecken. Auch die schon in voriger Nummer genannten Rosen, besonders aber Kaiserin Augusta Victoria, Madame Caroline Testout und Viscountess of Folkestone treten überall hervor. Die Kaiserin Augusta Victoria hat hier ein so blendendes Weiß, we sie es selten besitzt und wie  es viele Besucher an ihr noch nicht gesehen haben. Für die Entwicklung der weißen Blumen scheint in Görlitz überhaupt der Boden zu sein. Ich fand eine Herzogin Mathilde übersäet mit reinweißen Blüten, während deren Farbe sonst mehr ins Grünliche schimmert.
In meinem Notizbuch stehen noch manche Sorten verzeichnet, die mir aufgefallen sind, oder zu denen ich von Bekannten geführt wurde. Denn einer macht den anderen auf das Schöne aufmerksam, und man kann Tage streifen und immer wieder etwas finden, was man noch nicht gesehen hat. Aber ich muß aufhören, ich komme sonst nicht zu Ende.
Einen merkwürdigen Eindruck macht es, wenn man vom Publikum innerhalb einer Stunde oft mehreremal nach dem Stande der grünblühenden Rose gefragt wird. Diese Rose erfreut sich wahrscheinlich, wiel sie einem Berichterstatter irgend einer politischen Zeitung aufgefallen ist, eines ungemeinen Interesses, und oft habe ich ganze Scharen von Besuchern bei der Gruppe dieser Rose stehen sehen. Daß sie befriedigt wurden, vermag ich nicht zu sagen, viele sind kopfschüttelnd von dannen gegangen. Sie haben sich die grüne Rose wohl anders vorgestellt, und nicht unscheinbare grüne Blumenblätter erwartet. Aber das Merkwürdige zieht an. Die grüne Rose wäre sonst längst wohl schon verschwunden und würde nicht mehr auf einer Rosenausstellung gezeigt. In der Nähe der grünen Rose stehen einige Gruppen Moosrosen. Sie zeigen nur, daß Rosa muscosa cristata und Rosa muscosa rosea die besten Moosrosen sind, und daß die anderen Sorten ihnen nicht gleichkommen können.
Unsere wilden Zierrosen, für die einige Aufgaben gestellt waren, hatten leider keine Bewerber gefunden. Für sie, die Rosa bifera ec., wäre gerade hier in Görlitz ein ausnehmend schönes Terrain gewesen. An den Abhängen der Schluchten (Figur 4) hätten sie sich reizend entwickeln können und wären hier viel besser zur Geltung gekommen, als die massenhaft dort eingebrachten Nelken.
Was von Nelken, Begonien, Cannas, Stauden ec. sich sonst noch als Anhägsel der Rosenausstellung eingefunden hat, ist des Ansehens nicht wert. Es mag sein, daß die Canna und Begonien sich noch im Laufe des Sommers – die Ausstellung dauert ja bis September – entwickeln, als ich sie sah, waren sie von der Sonne verbrannt und machten den Eindruck von Pflanzen, die ohne genügend Abhärtung aus dem Gewächshaus genommen sind.
Nur die Koniferen von Weiße – Kamenz, Peter Smith u. Co. und mehreren anderen, die überall eine reizende Verwendung gefunden, machen sich gut und paßen so recht zu den Rosen und ihrer glanzvollen Vertretung in Görlitz.
Ich schließe. Vieles mußte unerwähnt bleiben, auf manches werde ich bei passender Gelegenheit noch zurückkommen. Eins möchte ich noch jedem warm empfehlen:
den Besuch der Rosenausstellung

anno-1894-bild-04

R. Betten – Frankfurt a. d. O.

Fortsetzung folgt

Bild eingefügt
« Letzte Änderung: 19. Dezember 2010, 00:46:55 von Apfelmann » Gespeichert
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« Antworten #55 am: 18. Dezember 2010, 23:22:11 »

Seite 308

Nachlese

Marėchal Niel im Freien

Manch Rosenliebhaber, der in diesem Jahre die herrliche Marėchal Niel seinem Gärtchen einverleiben wollte, ist vielleicht durch den Bericht in Nr. 27 (Seite 249) abgeschreckt worden. Darum muß ich auch meine günstigeren Erfahrungen hier angeben.
Vor 3 Jahren veredelte ich versuchshalber eine Marėchal Niel auf einen etwa 6 Jahre alten Rosa canina-Stamm. Das Auge überwinterte bei gewöhnlicher Deckung: – ich habe überhaupt gefunden, daß die jungen Veredelungen von Marėchal Niel den Winter besser überstehenm als andere sonst minder empfindliche Rosensorten. – Den Stamm pflanzte ich im nächsten Frühjahr an den Südostgiebel des Hauses in eine mit kompostähnlich verrotteten Dung gefüllte Grube. Das Auge trieb willig und brachte drei Blüten in ungefährer Größe der Paul Neyron. Im Herbste bestand die Krone aus drei kräftigen, 80 cm langen Trieben. Zum Winter deckte ich Stamm und Krone mit Erde. Die Decke war aber für den kalten Winter – 28 Grad R., zu gering, zumal der Wind den Schnee regelmäßig weg wehte, und im Frühjahre war die Krone bis nahe der Veredlung zurückgefroren. Es trieben fünf Augen aus. Ein kurzer sechster Zweig brachte wenige, aber prachtvolle Blüten. Die 5 Zweige heftete ich an die Wand; sie hatten zum Herbst die Länge von 1,50 bis 2 m erreicht. Als sich Ende Oktober der erste Frost einstellte, entfernte ich sämtliche Blätter, hakte die Krone nieder und deckte sie leicht zu. Anfangs November deckte ich sie vollständig ein, und zwar zum Schutze gegen Mäuse unten und oben mit Tannen, darüber kam eine Schicht Erde in der Höhe von 30 bis 40 cm. Später kam darauf noch eine reichliche Schicht Dung. Um Weihnachten war frostfreies Wetter, und nun räumte  ich die Decke ab, um mich von dem Zustande der „Eingehüllten“ zu überzeugen. Sie war frisch bis auf die letzten unreifen Augen, die ich vorsichtshalber nicht abgeschnitten hatte. Den Wintermantel erhielt sie sofort wieder,  vorlläufig ohne Dung bis zum Eintritt neuen Frostes. Als sich im März Frühlingswetter einstellte, nahm ich die Decke ab.  Auch nicht ein Zweiglein von 1 cm Länge war erfroren oder abgestorben; dagegen zeigten sämtliche Augen Triebe von 2 bis 5 cm Länge, mehrere darunter mit Blütenknospen von ½ cm Durchmesser.
Ich entfernte höchst vorsichtig die Erde, um die Triebe nicht zu verletzen – ganz ohne Opfer ging es doch nicht ab – und heftete die Zweige am Tage an die Wand; des Nachts legte ich sie nieder und gab der Krone eine leichte Schutzdecke  gegen Frost und Wind. Es kostete viel Mühe, regelmäßig diese Arbeit zu verrichten. Ehe aber die übrigen Rosen an ein Austreiben dachten, hatte meine Marėchal Niel schon Zweige von 15 cm Länge und zwölf Blütenknospen. Und als die Obstbäume im Blütenschmucke prankten, da leuchtete mir auch das Gelb der herrlichen Blüten meiner Marėchal Niel aus dem glänzenden Grün entgegen. Der erste Flor ist vorbei; aber schon wieder lugen aus dem dunklen Grün gelbe Köpfchen in nicht geringer Anzahl hervor.
Ich meine also, gerade für den Privatmann ist es eine interessante Beschäftigung, sich mit Marėchal Niel im Freien abzugeben, da er bei wenigen Rosen mehr Sorgfalt auf die Behandlung der einzelnen legen kann, als der Gärtner. Ist auch der Blütenflor an geschützter Stelle im Freien nicht so vollkommen als im Glashause, so lohnt er doch immer noch. Die Hauptsache zum Gelingen der Anzucht von Marėchal Niel scheint mir in der richtigen Winterdeckung zu liegen, die sich richten muß nach den jedesmaligen Winterverhältnissen: Verstärkung der Decke bei starkem Frost; Verringerung derselben bei milder Witterung, Lüften bei frostfreiem Winterwetter.

E. Maurischat – Joneiten (Ostpreussen)

Fortsetzung folg
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« Antworten #56 am: 18. Dezember 2010, 23:25:56 »

Seite 314      

Die Rankrose Turners Crimbson Rambler

Welches ist die beste Rankrose? Belle de Baltimore, - Beaty of the Prairies und noch einige andere standen bislang an erster Linie und wurden bei der Beantwortung der Frage vorzugsweise genannt. Das sie den Ansprüchen deshalb vollständig genügt hätten, ist damit nicht gesagt, es gab nichts Besseres und wir mußten uns begnügen.
Seit einiger Zeit wird nun in England von einer neuen Rankrose, der oben erwähnten  Turners Crimbson Rambler, viel Leben gemacht. Diese Rose ist ganz zufällig aus Japan nach England gekommen und verdankt es wiederum mehr einem Zufall, daß die Aufmerksamkeit eines Handelsgärtners  auf sie gelenkt und sie der Vereinsamung in einem Privatgarten entzogen wurde.
Im Anfang dieses Jahres kamen junge Pflanzen von Turners Crimbson Rambler nach Deutschland und der Versuchsgarten des Praktischen erwarb auch ein Exemplar. Die Rose wurde in einem viereckigen Kasten, wie wir ihn auf dem Bilde sehen, gepflanzt und mit diesen zur Hälfte in den Gartenboden eingesenkt. Sie hat hier vorzüglich getrieben, hat schönes, großes Laubwerk und auch einen Blütenbüschel gebracht. Ist das Laub schon geeignet der Rose eine gewisse Zukunft zu sichern, so übertrifft sie mit den Blüten die Erwartungen. Man denke sich einen Blütenbüschel um ein gut Teil größer als der Blumenballen einer sehr gut entwickelten Hortensie; denke sich diesen aus einzelnen, kleinen 1 ½   bis 2 cm Durchmesser haltenden, dicht-gefüllten Röschen zusammengesetzt und von einer leuchtend roten Farbe, dann kann man sich ungefähr ausmalen, wie der Blütenbüschel, den unser Bild nur undeutlich wiedergiebt, in Wirklichkeit ausgesehen hat. Die Schönheit der Blüte wird fast noch übertroffen von ihrer Widerstandsfähigkeit. Drei lange Wochen hat sie Hitze, Regen und Sturm getrotzt und uns durch ihre immer gleichbleibende Farbe und Frische erfreut. Nacher wurden die unteren Blüten schlecht.
Man kann von  Turners Crimbson Rambler, auch wenn man es nicht von den Herren weiß, welche dieser Neuheit in England in voller Blüte gesehen und sie dort als etwas ganz  Besonderes kennen gelernt haben, schon nach dem ersten Versuche sagen, daß sie die schönste Rankrose ist. Ob sie als Japanerin allerdings eine Eigenschaft besitzen wird, die unsere Rankrosen durchaus haben müssen, Winterhärte, das läßt sich vorläufig nicht feststellen und müssen spätere Versuche zeigen. Vermag sie unseren Winter ohne Schutz zu überdauern, so werden ihr die meisten alten Rankrosen das Feld räumen müssen, im anderen Falle bleibt sie eine Rose für bevorzugte Gegenden. Hoffen wir das erstere.

anno-rankrose

R. Betten – Frankfurt a. d. O.

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« Antworten #57 am: 18. Dezember 2010, 23:27:41 »

Seite 316

Nachlese

Rose William Allen Richardson

Den Bericht über die Rosenausstellung zu Görlitz habe ich mit Interesse gelesen. William Allen Richardson ist aber kein undankbarer Blüher. Mein Hochstamm hat in der ersten Blüte 125 Blumen gebracht und jetzt hat derselbe Stock 112 gut entwickelte Knospen. Ich habe Lust, diese Rose, wenn sie in Blüte steht, photographieren zu lassen und eine kurze Notiz über Behandlung mit einzusenden.

W. Schär

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« Antworten #58 am: 18. Dezember 2010, 23:30:22 »

Seite 326

Frage 98

Welche Erfahrungen sind mit nachverzeichneten Rosen: Madame Falcot, - Grace Darling, - Catherine Soupert, - Madame Pierre Oger, - Pierre Notting, - Madame de Wattewille, - Marie van Houtte, - Perle d'or, - Honourable Edith Gifford und Gloire de Margottin gemacht worden?
1. Blühen sie reich?
2. Bleiben die Blumen, wenn aufgeblüht, längere Zeit kompakt, oder verflattern sie gleich?

Madame Falcot ist sehr reichblühend, aber nur als Knospenrose zu verwenden; Füllung mittelmäßig
Grace Darling, extra gut, früh- und reichblühend, gut gefüllt, besonders im Vorsommer und Herbst, wertvoll für Schnitt. Im Hochsommer oft etwas blaß, sonst doch immer noch brauchbar.
Madame Pierre Oger, sehr gut, bleibt lange in der halboffenen, schönen Form, blüht reich und ist eigenartig in der Farbe.
Pierre Notting ist in der Knospe und halboffen schön, in der Sonne wird die dunkle Farbe aber zu blau oder verbrannt. Sehr reichblühend ist sie gerade nicht, aber stark duftend. Die Füllung ist gut.
Catherine Soupert ist im ersten Flor sehr schön und reichblühend; sie remontiert aber wenig, wie viele andere gute Treibsorten. Füllung gut.
Marie van Houtte ist fast immer gut und sehr zu empfehlen in jeder Beziehung. Sie entspricht den Wünschen des Fragestellers ganz.
Madame de Wattenwille ist als Knospe und als offene Blume gut, nie flattrig. Als besonders reichblühend kann man sie nicht nennen; bringt sie viele Blumen, so leidet die Größe derselben stark.
Honourable Edith Gifford ist sowohl reichblühend, als in offenem Zustande schön und voll.
Gloire de Margottin ist im ersten Flor ganz besonders reichblühend und bleibt lange in Knospenform. Ganz aufgeblüht ist sie etwas leer.
Perle d'or, nur als Knospe brauchbar, aber reizend, äußerst reichblühend, Blume sehr klein.

P. Lambert – Trier

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« Antworten #59 am: 18. Dezember 2010, 23:31:41 »

Seite 327

Kleinere Mitteilungen

Die Rose Kaiserin Augusta Victoria (Veredelung von 1892), die ich in Töpfe nach Angabe des Praktischen gepflanzt habe (die Töpfe mit Kuhfladen ausgestrichen und mit Rasenland gefüllt), hat in solcher Pracht (Farbe, Größe und Form) geblüht, daß Rosenkenner und -Züchter gestanden, so etwas Großartiges noch nicht gesehen zu haben. Sechs Knospen der zweiten Blüte stehen schon wieder bereit.

G. Unbescheid – Forsthaus Poppenwald

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