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forum.planten.de  |  Pflanzen  |  Obst-Forum (Moderatoren: Walther, thuja thujon)  |  Thema: Aprikose Schnitt? 0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema. « vorheriges nächstes »
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Autor Thema: Aprikose Schnitt?  (Gelesen 32956 mal)
Cosima
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Waterkant


« am: 04. März 2003, 14:57:26 »

Unser Aprikosenbäumchen haben wir jetzt im dritten Jahr und ich habe es noch nie geschnitten - und kenne mich da auch gaaar nicht aus.

Kann mir vielleicht jemand an Hand des Bildes erklären, ob und wie ich es schneiden muss??



Das würde mich sehr freuen  Smiley

Liebe Grüße
Cosima
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Allerbeste Grüße, Cosima

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peterr
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« Antworten #1 am: 05. März 2003, 10:11:47 »

Hallo Cosima, irre ich oder hast du vor ein, zwei Jahren schon einmal diese Aprikose schneiden wollen? Länger solltest du jetzt nicht mehr warten mit baumpädagogischen Massnahmen.

Wenn es mein Bäumchen wäre, ergriff ich folgende Massnahmen:

Nach innen wachsende Zweige entfernen. Alle Hauptäste um etwa ein Drittel einkürzen. Dabei auf die Saftwaage und einen harmonischen Kronenaufbau achten. Letztes Auge nach aussen!

Unterster Zweig entfernen.

Zeitpunkt in deiner Zone: jetzt. Je nachdem wie sich der Baum danach entwickelt, kann ein spätsommerlicher Nachschnitt nochmal erforderlich sein. Dabei bedenke man, dass ein Schnitt im Frühjahr das Wachstum anregt, ein Schnitt im Spätsommer das Wachstum etwas bremst. Man beobachte also, denke voraus und handle erst dann.

In diesem Fall, würde ich für ein Jahr versuchen, die äusseren Äste VORSICHTIG in Richtung Horizontale ein Stückchen herunterzubinden. Nicht mit angehängten Gewichten, sondern durch Spreizhölzer, wenn der Baum nicht sehr Wind exponiert steht. Oder durch Schnüre vom unteren Stammteil zum Ast. Aber so, dass er keinen Bogen nach unten macht. Und wie gesagt sehr vorsichtig. Lieber jeden Monat etwas nachfassen. Die Befestigungsstellen müssen ohnedies ständig kontrolliert werden, damit nichts scheuert oder, was bei der schnellwüchsigen Aprikose leicht passiert, einwächst. Diese Massnahme ist etwas aufwändig und von keinem besonderen ästhetischen Reiz. Aber sie hat langfristig den Vorteil, dass der Baum ein ausgewogeneres Astgerüst mit guter Statik erhält, dass zur Gesundheit des Baumes mehr Luft und Sonne in die Krone gelangt und dass die Fruchtholzbildung gefördert wird.

Manchmal, z.B. wenn ich so eine Laurocerasus(?)hecke sehe, bedaure ich mich in meiner Arktis.

peterr



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Cosima
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Waterkant


« Antworten #2 am: 05. März 2003, 10:37:43 »

Hihi, stimmt Peterr!

Im Juli 2001 hatte ich eine Frage deswegen losgelassen.

Damals hattest Du am 22.7.2001 folgendes geantwortet:

"Hallo Cosima, da in meiner Klimazone 6 eine Hochstammaprikose Baumquälerei wäre, weiß ich aus eigener Erfahrung dazu nichts zu sagen. David Joyce "Pflanzenschneiden" meint dazu: "... soll der Rückschnitt der Stammverlängerung im Frühling die Entwicklung kräftiger Seitentriebe fördern, die zu Primärästen werden sollen. Für die Bildung einer ausgewogenen Krone wählt man vier gleichmäßig verteilte Äste, die zu Frühjahresbeginn des zweiten Standjahres um die Hälfte eingekürzt werden. Wie in allen Stadien des Erziehungsschnittes wird auch hier auf ein nach außen gerichtetes Auge eingekürzt, damit die Krone in der Mitte locker wird. Zu Beginn des dritten Frühjahres wählen Sie etwa acht kräftige, nach außen wachsende Sekundäräste aus, die dann das erweiterte Astgerüst bilden sollen. Zwischen der Hälfte und zwei Dritteln des Zuwachses vom Vorjahr werden dabei zurückgeschnitten. Die Seitentriebe an der Peripherie des Baumes, die für das Astgerüst nicht benötigt werden, tragen im darauffolgenden Jahr Blüten und müssen nicht geschnitten werden. Diejenigen im Inneren der Krone sollen Sie jedoch auf etwa 10 cm einkürzen."
Jetzt wieder ich: wenn er dennoch zu groß wird, würde ich später die Stammverlängerung wieder, wie beispielsweise bei einem Birnbaum ableiten. Und noch: wenn du damit rechnest, daß der Baum im zweiten Jahr üppig trägt, solltest du ihm das aber auch rechtzeitig sagen.
Grüße in Süden, wo es heute bestimmt nicht heißer ist, als bei mir.
Peterr"

Da damals nicht Frühling war, habe ich nicht geschnitten und die Anleitung auch nicht so ganz kapiert. Jetzt mit dem Foto und Deiner Erklärung dazu war/ist es wunderbar zu begreifen  Smiley

Mitte November 2001 hast Du dann in einem anderen Thread (von jemand anderem gestartet, ich glaube zu Monilia oder Kräuselkrankheit beim Pfirsich) geschrieben:

"Ich hab zwar nur Aprikose als Spalier, würde aber eine freistehende Aprikose wie Zwetschke behandeln. Von gegebenenfalls erforderlichen Schnittmaßnahmen wegen der Krankheit mal abgesehen, rate ich guten Gewissens: generell ist eine annähernd spitzkegelige Krone anzustreben. Das verhindert, durch besseren Lichteinfall, die Verkahlung im unteren Bereich. Der Baum blüht am einjährigen Holz und an den Kurztrieben des älteren Holzes. Die Fruchtholzbildung wird durch Entfernung kahler Äste und Zweige, unfruchtbaren Holzes und steiler Wasserschosser gefördert. Als weitere Maßnahme entspitzt man neue Triebe auf etwa sechs Blätter. Stark hängende Äste und Zweige werden am Scheitelpunkt gekappt. Letztes Auge zeigt nach oben. Alle Schnittmaßnahmen sind im Sommer vorzunehmen, auch wenn hier schon mal andere Meinungen zu hören sind. Einmal mindert ein Schnitt zu diesem Zeitpunkt die Gummiflußgefahr, Kallus bildet sich schnell und ein Sommerschnitt hemmt den Expansionsdrang der ohnedies starkwüchsigen Aprikose.
Peterr"

Woraufhin Gregor geantwortet hat:

"Ich muß mich da wieder einmal einmischen: Pfirsich (Nektarine = haarloser Pfirsich) und Marille (= Aprikose) sind grundverschiedene Arten die innerhalb der Gattung Prunus in ganz verschiedene Verwandtschaftskreise gehören und haben grundverschiedene Krankheiten und Parasiten. Auch im Schnitt sind sie grundlegend unterschiedlich zu behandeln. Pfirsich gehört in die Mandelverwandtschaft, Marille ist näher bei den Pflaumen. Kräuselkrankheit tritt ausschließlich beim Pfirsich auf. Das Entfernen befallener Triebe reicht meist als Bekämpfung. Bei uns im Weinviertel ist nichteinmal das nötig. In kühleren und/oder feuchteren Gegenden ist eine Austriebsspritzung mit Kalk-Kupfersulfat zu empfehlen (im biologischen Landbau zugelassen). Konzentration weiß ich jetzt nicht. Triebmonilia gab es bei uns heuer an fast jedem Marillenbaum (naßkaltes Wetter zur Blütezeit), entfernt wurden sie bei mir nicht. Es ist an einem optimalen Standort unnötig, da der Befall des Schwächeparasiten eben nur an geschwächten Pflanzen Schaden anrichten kann. Monilia tritt an allen Rosengewächsen auf. Werden die Triebe abgeschnitten, so können sie problemlos kompostiert werden. Ich weiß schon, einer schreibt vomm andern ab ohne zu hinterfragen, aber Versuchsergebnisse zeigen eindeutig, daß fast keine Krankheit in Kompost - auch bei langsamer und schlechter Rotte - überlebt. Große Ausnahme ist die Kohlhernie und eine weitere Krankheit wurde genannt, hab ich mir aber nicht gemerkt, da im Weinviertel bedeutungslos. Auch Feuerbrandmaterial kann kompostiert werden. Wichtig ist, daß parasitiertes Material überdeckt wird - also Grasschnitt drüber oder einen abgedeckten Kompostsilo verwenden. Zweigmonilia ist sowieso oft eine selbstverschuldete Krankheit. Im Herbst müssen sämtliche Fruchtmumien entfernt werden! Sie sind Befallsherde im Frühjahr. Sporen fliegen zwar recht weit, aber Fruchtmumien oder am Boden faulende Früchte sind die EINZIGE BEFALLSQUELLE im Frühjahr. Der Pilz überwintert NICHT in den Zweigen. Er dringt über die Stempel in die Blüte und später in die Zweige ein. Zum für einen merkbaren Befall ausreichendes Auskeimen am Stempel ist naßkaltes Wetter nötig. Schwache Bäume können sehr geschädigt werden - 30 cm ins gesunde Holz zurückschneiden. Gesunde Bäume im passenden Klima (Pfirsich und Marille warm und trocken, Apfel und Birne extrem sortenabhängig) brauchen eigentlich keine Bekämpfungsmaßnahmen. Das Problem ist nur bei frühreifen Sorten (Juni bis Mitte Juli) in nächster Umgebung, daß diese durch Zweigmonilia Fruchtmonilia kriegen können, die wieder zu Fruchtmonilia bei später reifen Sorten führt etc. Fruchtmonilia entsteht aber auch durch noch immer hängende Fruchtmumien. Läuse gibt es auf beiden Arten verschiedene. Die erste im Frühling und die letzte im Herbst ist die Seerosenblattlaus, die an Steinobst überwintert. Die beste Bekämpfung ist eine Austriebsspritzung mit Rapsöl (ein Seidel - 0,3 l - auf 10 l Wasser). Später kann Schmierseife, ich glaub 20 ml auf 10 l KALKARMES Wasser (Regenwasser ist optimal) verwendet werden. Bei Austriebspritzung sind Blattläuse aber nur in Ausnahmefällen in bekämpfungswürdiger Menge vorhanden. Allerdings zeigt ein jährlich wiederkehrender bekämpfunswürdiger Blattlausbefall immer einen Standortsfehler an. Im niederösterreichischen Weinbauklima wird Pfirsich durch Läuse häufig heimgesucht, Marille kaum (eigentlich nur Schildläuse in mitunter bekämpfungswürdigem Ausmaß) Schrotschußkrankheit gibz bei Marille hin und wieder. Die Fragen der Bekämpfung von Krankheiten und des Schnittes sind Fragen der benötigten Erntemenge. Wenn ich (bzw. die Famile) 10 kg Marillen im Jahr essen kann, dann ist es unwesentlich ob mein Baum optimal gepflegt 100 kg trägt oder natürlich wächst und nur 50 kg abwirft. Da ist es besser pestizidfrei zu arbeiten, wobei obige Mittelchen im biologischen Landbau zugelassen sind. Auch einen natürlichen Wuchs finde ich ansprechender als schnittvergewaltigte Exemplare. Pfirsich macht lange, rutenartige Äste - geschnitten wurd er im Herbst auf 6 Blütenaugen je Trieb - die schwächeren werden ganz entfernt. Marille wird am besten nach der Blüte "normal" geschnitten - also auslichten, überaltete Astpartien entfernen, nach außen ableiten, etc."

Hervorhebung von mir. Nu bin ich jedenfalls nur noch etwas verunsichert, ob ich vor oder nach der Blüte schneiden soll...

Liebe Grüße
Cosima

Ach ja: Was bedeutet Saftwaage? Was muss man da beachten?

Jau, die Hecke ist Prunus laurocerasus. Wächst hier sehr schön und wir schneiden trotzdem bloß alle zwei Jahre. Unser Nachbar dort hat immer rübergekuckt, ob mein Mann auch ja alles richtig macht und kam dann rüber und hat ihm Rasenmäher und anderes aus der Hand genommen - das kann er jetzt nicht mehr  Zwinkernd War ja nett, geht aber doch auf die Nerven.
« Letzte Änderung: 05. März 2003, 11:09:17 von Cosima » Gespeichert

Allerbeste Grüße, Cosima

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peterr
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« Antworten #3 am: 05. März 2003, 18:39:35 »

Gute Güte! Das ist ja furchteinflössend, wenn hier so akribisch Buch geführt wird und man sich öffentlich mit vor Jahren Gesagtem konfrontiert sieht. Gott sei Dank hab ich noch nie die Geschichte vom Pferd erzählt!

Das "Saftwagengesetz" besagt, dass alle Endknospen, die auf derselben Höhe liegen, gleich lange Austriebe machen. Unabhängig von der Ausgangsdicke des Triebes. Man achte also beim Zurückschneiden darauf, dass die Äste und Zweige gleicher Rangordnung, ich sach ma diejenigen aus dem gleichen Stockwerk, dass die auch auf gleicher Höhe enden. Sonst gerät das ganze Teil aus dem Lot. Schon klar, dass die unteren Äste auch tiefer geschnitten werden müssen, als die Äste aus dem nächsthöheren Stockwerk!? Undsoweiterundsofort...

peterr
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Cosima
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Waterkant


« Antworten #4 am: 05. März 2003, 19:22:36 »

Keine Panik, Peterr, ich kopiere mir nur ab und zu Sachen raus, die für unseren Garten wichtig sind (meist eher zu wenig als zuviel).

Vielen Dank für die Erklärung der Saftwaage!

Ich bin mir bloß noch nicht ganz sicher, ob ich jetzt vor oder nach der Blüte schneiden soll. Wenn zwei Koryphäen was Verschiedenes sagen, wird der Laie in Zweifel gestürzt... Huch

Liebe Grüße
Cosima
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Hilmar
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« Antworten #5 am: 05. März 2003, 22:09:53 »

Hallo Cosima,

die Aprikose wird vor und nach der Blüte geschnitten, je nach Alter. Der Aufbauschnitt, welcher bei der jungen Aprikose zum Aufbau einer Baumkrone mit hoffentlich gaaaanz vielen Früchten führen soll, wird im zeitigen Frühjahr, also vor der Blüte, durchgeführt. Übrigens steht in dem von Peterr erwähnten Buch: Im dritten Standjahr zu Beginn des Frühlings ....
Zum Erhalt des Baumes und für die notwendige Neubildung des Fruchtholzes (Aprikose trägt an 2 - 3jährigem Holz) wird in den Folgejahren ein Teil der überalterten Äste entfernt. Zur Vermeidung von Rindenbrand und Bleiglanz wird dann im Spätsommer geschnitten, unmittelbar nach der Ernte.

Peterr, korrigiere bitte, wenn was falsch war. Meine Schnittkenntnisse für Aprikosen kamen erst viele Jahre, nachdem die missglückten Spalierversuche von Aprikosen an der Garagenwand durch meinen Vater mit deren Fällung endete.

Gruß Hilmar
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Cosima
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Waterkant


« Antworten #6 am: 06. März 2003, 09:15:09 »

Na, dann mache ich mich mal an die Arbeit mit Bild und den tollen Erklärungen!

Vielen Dank!

Liebe Grüße
Cosima
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peterr
Gast
« Antworten #7 am: 06. März 2003, 09:44:53 »

Moin moin Hilmar,

das interessiert mich jetzt: Warum war eure Spalieraprikose ein Flop?

peterr
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Hilmar
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« Antworten #8 am: 09. März 2003, 19:26:19 »

Hallo Peterr,

zum damaligen Zeitpunkt hatte ich noch keinen Schimmer von Obstbaumschnitt, geschweige denn von der Erziehung als Spalier. Geschnitten wurden die Bäume von meinem Vater. Letztendlich fingen dann die ersten Äste in Höhe der Dachrinne an. Außerdem standen die Stämme nur 10 cm !!! von der Garagenwand weg. Bei der Trockenlegung der gesamten nördlichen Hausseite musste dann die Drainage entlang der Garagenwand verlegt werden, da habe ich dann den finalen Schnitt gesetzt. An Stelle der Aprikosen (die Ernte bestand in etwa 5 Jahren aus einer Aprikose) steht heute Wein. Die optische Wirkung hat sich damit wesentlich verbessert und auch von der Ernte hat man was.

Gruß Hilmar
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Waterkant


« Antworten #9 am: 15. März 2003, 14:59:21 »

Jetzt wollte ich das Ergebnis vorführen, um zu wissen, ob Ihr zufrieden seid oder ob noch was weg soll oder wieder was ran  Zwinkernd

Ganz links ist sie nochmal ungeschnitten und ungespreizt:



Liebe Grüße
Cosima

« Letzte Änderung: 15. März 2003, 15:31:41 von Cosima » Gespeichert

Allerbeste Grüße, Cosima

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Baumfex
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« Antworten #10 am: 15. März 2003, 17:18:53 »

Also das mit den Spreitzhölzern tut schon weh. Nicht nur mir, sondern vor allem auch dem Baum Weinen. Viel besser ist es Weidenruten zum Auf- oder Abbinden von Ästen zu benutzen, da sie auch bei Wind halten und nicht in die Rinde drücken und dadurch üble Wunden verursachen. Schneidet man auf Umkehrauge, kommt man oft sogar ohne Formierung der Äste aus.
Zur Saftwaage: Die Saftwaage sollte man zwar anpeilen, aber es ist eigentlich relativ unsinnig, einen langen Leitast exakt auf die Höhe eines sehr kurzen zu schneiden. Besser ist es, lange Leitäste stärker und kurze weniger stark zurückzuschneiden, bis das Wachstum ausgeglichen ist (Funktioniert, hab ich gute Erfahrung damit gemacht)

Gruß
Baumfex
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Ligna et lapides docebunt te, quod a magistris audire non possis.
peterr
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« Antworten #11 am: 15. März 2003, 17:30:47 »

Hallo Cosima,

...also, für mich spricht, dass man in so einem thread schwerlich alle Möglichkeiten eines Obstbaumschnittes ansprechen kann. Gegen mich spricht, dass ich als schlechter Didaktiker das agreement stillschweigend voraussetzte, das Aprikosenbäumchen mit einem mittleren Haupttrieb als Achse und Spitze zu erziehen. So hätte ich es gemacht.

Aaaaber du hast dich fachfrauisch für einen Hohlkronenaufbau entschieden, dem der besagte, dominante Mitteltrieb fehlt, und nur die Leitäste die Gerüststruktur vorgeben. So kann man das auch machen. Meine Methode hat den Vorteil, dass die Statik des Baumes besser ist und er später auch irgendwie bäumischer aussieht. Deine Schnittmethode bringt den Gewinn, dass mehr Luft und Sonne ins Kroneninnere gelangt. Das beugt Krankheiten und Verkahlung vor und das Obst reift besser aus.
Man könnte jetzt sicher ausgiebig streiten. Fakt ist, dass, zumindest in unserer Gegend, eine Hohlkrone für Kernobst selten, für Steinobst relativ häufig angestrebt wird. Siehste also, kein Grund für Panik! Im übrigen kann, aus einer Hohlkrone wieder eine schöne Pyramide geformt werden, wenn man drei Jahre Geduld aufbringt. 5 Minuten dauerts im umgekehrten Fall.
 
Apfel und Birne erzieht man üblicherweise mit einem Mitteltrieb und nur drei Leitästen. Diese entspringen im Idealfall nicht aus der gleichen Stammhöhe, sondern etwas versetzt und erinnern in der Draufsicht an das Emblem einer deutschen Nobelkarosse. Bei Steinobst dürfen es ein oder zwei Leittriebe mehr sein. Keinesfalls mehr. Das sieht in den ersten zwei Jahren besch...eiden aus, macht aber langfristig Ästhetik und Sinn.
Die Spreizhölzer werden sich auch auszahlen, wenn der Mistral gnädig ist. Sie erübrigen sich in der nächsten Vegetationsperiode.

Wenn die Zweidimensionalität des Fotos nicht täuscht, würde ich an dem linken langen Leitast die Verlängerung nach dem Abzweig noch herausnehmen und auf den leichten Knick nach aussen "ableiten".

Für ein Gläschen von eurem ersten Aprikosenlikör melde ich mich schon mal an. Kommt auf´n Pfannkuache. Eigentlich gehört er ja auf das französiche Pendant...ich find aber das notwendige  e-Dächelchen auf der Tastatur nicht.

peterr
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Iris
Gast
« Antworten #12 am: 15. März 2003, 21:26:26 »

Kann ich als Baumschnittdummi auch noch ma...?
Äh, Peterr, bist du sicher, dass Cosima eine Hohlkrone geschnitten hat? Auf dem mittleren Bild ist doch der Mittelast (zwar etwas windschief) noch da? Mist, da zeigt sich wohl wieder das typische Defizit im räumlichen Denken, welches mich ohne Zweifel als extrem weiblich auszeichnet Grinsend!
Oder ist das mittlere Bild quasi nur ein Zwischenstand auf dem Weg zum rechten Bild?
Cosima, jedenfalls finde ich als Dummi deinen Schnitt optisch sehr gelungen und der didaktische Aufbau deiner Fotos mit Schnittanleitung...! Bin am Überlegen, ob eine Digitalkamera nicht doch von Vorteil...

Liebe Grüsse und viele Aprikosen
von Iris (die auch auf den Flammen von Crèpes mit Grand Marnier steht)
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peterr
Gast
« Antworten #13 am: 16. März 2003, 10:14:47 »

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Iris, wer sich barfüssig in die Flammen stellt, wird Schaden nehmen an die Physe und Psyche!

Mir deuchte, beim Aprikosenbäumchen fehlt inzwischen der Mitteltrieb. Das Foto könnte mich täuschen.

Richtig hergestellte und gesetzte Spreizhölzer sind für das Bäumchen nicht schädlich. Da die verlinkten, flexiblen Zweige völlig gleichmässig mit dem Wind schwingen, kann keine Reibung entstehen. Anders, wenn man ein biegsames Zweiglein mit dem unflexiblen Stamm verbindet. Das bedarf dann der Kontrolle. Mit Weidengerten zu schaffen mag ökologisch sinnvoll sein, ist aber zeitintensiv.

Nun muss man nicht denken, dass jeder neugesetzte Baum einer solchen Hilfsmassnahme bedarf. Ich habe vergangene Woche für jemanden ein gutes Dutzend Bäumchen gepflanzt. Da war ein einziger dabei, für dessen kommenden Leitast zwei Holunderstäbchen von Vorteil waren.

peterr
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Iris
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« Antworten #14 am: 16. März 2003, 13:57:02 »

OT: Peterr, wie kommst du auf barfüssig. Ich trage schwarze Lederstiefel. Und Schaden nimmt bei mir nur die Seele anderer Grinsend.

Cosima, kannst du uns sagen, ob der Leitast in der Mitte noch dran ist? Nur so aus Interesse.

Liebe Grüsse.
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