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forum.planten.de  |  Pflanzen  |  Obst-Forum (Moderatoren: Walther, thuja thujon)  |  Thema: Langschnitt - Kurzschnitt - Dauerwelle - wie jetzt? 0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema. « vorheriges nächstes »
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Autor Thema: Langschnitt - Kurzschnitt - Dauerwelle - wie jetzt?  (Gelesen 4049 mal)
Astring
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« am: 29. August 2007, 11:03:04 »

Hallo, 

obwohl ich nun schon mehrere Bücher über Obstbaumschnitt verschlungen habe,
ist mir noch immer nicht klar, wieviel man denn nun an einem Baum während
der Phase der Kronenbildung wegschneiden soll, v.a. an den Leittrieben ?

Immer wieder liest man Begriffe wie Langschnitt, starker Rückschnitt - starker Austrieb.
Aber was bedeutet das nun genau ?

Ziel ist es, möglichst schnell einen stabilen großkronigen Baum zu erhalten.

Ist nun die Länge von dem, was ich beim Leittrieb abschneide,
abhängig von

- Sorte
- Austrieb des letzten Jahres
- erforderliche Stabilität
- Gleichgewicht der Krone ??

H. Palmer, nach dessen Methode ich meine Bäume erziehen möchte,
empfielt ja immer wieder den sog. Langschnitt, also möglichst wenig
wegzuschneiden.
Was heißt das nun konkret ?  1/3 des gesamten Leittriebes, 1/3 des AUStriebes,
die Hälfte, oder nur ganz wenig ?

Mir ist schlichtweg nicht klar, wo ich die Schere letztendlich ansetzen
muss. Über fachkundigen Rat wäre ich sehr dankbar, zumal ich vermute,
dass hier Viele ziemlich im Dunkeln tappen, da die Literatur nach meiner
Erfahrung nicht viel darüber hergibt.

Astring


« Letzte Änderung: 28. Januar 2008, 18:17:36 von Walther » Gespeichert
Pflaume
****
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« Antworten #1 am: 02. September 2007, 07:58:07 »

Langschnitt:

Einkürzung eines Leitastes um mindestens 3 Augen, maximal weniger als 1/3 des Neuaustriebs.
Abhängig von der Dicke des Austriebs.
Durch Wegnahme der Terminalknospen wird deren Apikaldominanz entfernt, hierdurch steigt die Auxinproduktion der verbliebenen Augen stark an, diese treiben deshalb kräftiger aus, als wenn die Terminalknospen verbleiben, dafür wird deren Neigung zu einer evtl. Blütenproduktion im darauffolgenden Jahr unterdrückt.
Darf nur angewandt werden, wenn alle konkurrierenden Austriebe an der Basis entfernt wurden und evtl. neue konkurrierende Austriebe durch Knospenausbrechen verhindert wurden, ansonsten wird der Austrieb nicht kräftig genug und kippt ab.
Wird normalerweise nur während der Zeit des Erziehungsschnitts eines Baumes angewandt.


starker Rückschnitt - starker Austrieb:

wenn man einen Neuaustrieb stark, also mehr als 1/3 zurücknimmt, so bekommen die wenigen verbliebenen Augen, je Auge, im Frühjahr von den in der Wurzel eingelagerten Baustoffen selbstverständlich mehr Baustoffe ab, als wenn sich diese auf mehr Augen verteilen (die Leitgefäße und die Stellung werden ja durch einen evt. Rückschnitt bis zu den austreibenden Augen nicht verändert, der Saftstromdruck bleibt also gleich). Dadurch treiben diese dann stärker aus.
Ergebnis ist dann aber, sofern ich Knospen, die in die falsche Richtung gehen nicht blende, ein ungerichteter Austrieb, von dem ich im nächsten Jahr das Meiste wieder wegschneiden muß.

Beim Langschnitt mache ich praktisch das Gleiche, nur daß ich nicht den Großteil des  Neuaustriebes verheize. (Wodurch? Durch Wegnahme aller Konkurrenztriebe an der Basis und Blenden aller potenziellen Austriebe, die in die falsche Richtung gehen).
Ziel hier ist also ein kräftiger, gerichteter Austrieb um die Wuchsenergie des Baumes optimal auszunützen und nicht die Brennholzproduktion.
Denn hier will ich die Länge des Neuaustriebs, vorausgesetzt er ist so gewachsen, daß er optimal als Stück meines (noch nicht vorhandenen aber geplanten bzw. imaginären) Leitastes taugt, erhalten.
Hoffe, das ist so nachvollziehbar.

Grüße
Pflaume
Gespeichert

Credo, quia absurdum - Tertullian
Astring
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« Antworten #2 am: 11. September 2007, 01:34:49 »

Hallo,

vielen Dank für die ausführliche Antwort.

Soweit ist alles nachvollziehbar.
Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass ein Langschnitt - sofern der
Austrieb gerichtet erfolgt (durch Ausblenden falsch gerichteter Augen) - eine
maximal schnelle Kronenentwicklung ermöglicht.
Ist dies auch unter statischen Gesichtspunkten vertretbar? Ich dachte immer, ein starker Rückschnitt würde auch das Dickenwachstum fördern - und ein dickerer Ast ist zumindest gefühlsmässig stabiler
als ein dünner. Bzw. umgekehrt, bewirkt eine große Länge verbunden mit relativ dünnen Leittrieben
beim Langschnitt nicht einen Stabilitätsverlust ?

Langschnitt:

.
Durch Wegnahme der Terminalknospen wird deren Apikaldominanz entfernt, hierdurch steigt die Auxinproduktion der verbliebenen Augen stark an, diese treiben deshalb kräftiger aus, als wenn die Terminalknospen verbleiben, dafür wird deren Neigung zu einer evtl. Blütenproduktion im darauffolgenden Jahr unterdrückt.



Auf was bezieht sich die Neigung zur Blütenproduktion - auf die Terminalknospen oder die verbliebenen Augen ?


Viele Grüße,

Astring
Gespeichert
Pflaume
****
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« Antworten #3 am: 14. September 2007, 07:18:17 »

Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass ein Langschnitt - sofern der
Austrieb gerichtet erfolgt (durch Ausblenden falsch gerichteter Augen)

und der Konkurrenztriebe
Zitat

- eine maximal schnelle Kronenentwicklung ermöglicht.
Ist dies auch unter statischen Gesichtspunkten vertretbar?

Ja, denn wenn es richtig gemacht wird, dann bekommt diese Leitastverlängerung den Saftsrom ab, der ursprüngl. für viele Triebe gedacht war. Dadurch treibt die Leitastverlängerung nicht nur kräftig in der Länge, sondern auch entsprechend  dick aus.
Langschnitt wird ja nicht an dünnen Seitenzweigen durchgeführt, sondern um Leitäste zu verlängern. Selbstverständlich wird man als neue Terminalknospe eine gut Entwickelte und nicht eine völlig unterentwickelte oder beschädigte Knospe wählen.
Bei der Wahl der neuen Terminalknospe ist auch das Gewicht eines kräftigen Austriebs zu berücksichtigen, wodurch das zu verlängernde Stück etwas abkippen wird. Der neue Austrieb benötigt daher eine gewisse Steilheit, diese ist bei einem U-förmigen Leitastaufbau aber gegeben.
Zu bedenken ist auch, daß an der Leitastverlängerung sich auch noch Fruchtäste bilden, die ebenfalls durch ihr Gewicht (und das der anhängenden Fruchtzweige und der späteren Früchte) nach unten ziehen...
Andererseits- diese Gedanken muß man sich vor und bei jedem Schnitt machen.
Schließlich ist Bäume schneiden nicht anders als Schach zu spielen.
Die Spielregeln sind bekannt (oder andernfalls zu lernen, sonst funktioniert das natürlich nicht), man muß möglichst viele Züge im Voraus bedenken, nur dann wird man Erfolg haben- nur dann mach die Sache Spaß.


Zitat

Auf was bezieht sich die Neigung zur Blütenproduktion - auf die Terminalknospen oder die verbliebenen Augen ?


Da die ursprüngl. Terminalknospen entfernt, die meisten Augen geblendet wurden, produzieren alle verbliebenen Augen in diesem Bereich nun verstärkt Auxin, entsprechend reduziert sich ihre Bereitschaft auf Blütenproduktion in nächster Zeit, denn sie benötigen nun alle Kraft für die Holzproduktion.

Grüße
Pflaume
Gespeichert

Credo, quia absurdum - Tertullian
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