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forum.planten.de  |  Pflanzen  |  Obst-Forum (Moderatoren: Walther, thuja thujon)  |  Thema: junger schiefer Apfelbaum, wie schneide ich? 0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema. « vorheriges nächstes »
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Autor Thema: junger schiefer Apfelbaum, wie schneide ich?  (Gelesen 12270 mal)
wildwuchs
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Klimazone 8a, Holsteinsche Elbmarsch


« am: 02. März 2007, 19:38:17 »

Mein vor 6 Jahren gepflanzter Apfelbaum (Hochstamm, "Finkenwerder Herbstprinz") wächst mit dem oberen Teil der Krone zur Sonne d.h. Südseite hin. Verständlich, aber so wird das doch nie eine Krone wie in den Lehrbüchern. Und Äste macht er auch fast nur zur Südseite ... Nein, er steht nicht an einer Hauswand! Die und die nächsten Bäume sind mindestens 6 Meter entfernt.
Danke im Voraus für Eure Hilfe!
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Baumfex
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« Antworten #1 am: 03. März 2007, 12:11:49 »

Hallo

6m Abstand ist meines Erachtens etwas knapp (kommt allerdings auf die Sorte an), 8-10m wären sicher optimal. Was sind das für Nachbarbäume?? Verwahrloste dichte Obstbäume oder gar sonstige Großbäume? Anders kann ich mir den Schiefwuchs nicht erklären, es sei denn der Baum steht auf exponiertem Windstandort ..
Baumbild wäre evtl. auch hilfrech (beschattet er sich selbst durch falsche Pflege??)

Gruß
Baumfex
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wildwuchs
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Klimazone 8a, Holsteinsche Elbmarsch


« Antworten #2 am: 10. März 2007, 19:45:04 »

hallo, hier schicke ich Fotos (das 1. Mal, hoffentlich klappt`s) von dem Baum und hoffe auf Eure fachkundige Hilfe... Danke im Voraus!
« Letzte Änderung: 10. März 2007, 19:46:24 von wildwuchs » Gespeichert
Baumfex
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« Antworten #3 am: 12. März 2007, 12:34:50 »

Ohne Aufbauschnitt entsteht meistens keine vernünftige Krone. Und an diesem Baum ist kein Aufbauschnitt erkennbar. Meine These: Der Stamm ist gerade, das ist auf dem Bild deutlich zu sehen (dafür muß als Stammverlängerung 2 mal auf einen Seitenast aufgeleitet werden, was bei jungen Bäumen problemlos machbar ist). Als erster Schritt müssen also alle stärkeren Äste im oberen Kronendrittel, die von dieser Linie abweichen sauber und ohne Verletzung des Astkragens entfernt werden. Zum Aufbau der Leitäste in Nordrichtung verweise ich als probate Möglichkeit auf den Umkehr-Augen -Schnitt (siehe Archiv und meine Bild-Galerie).

PS: Sollte die Optik täuschen, muß sdie Mitte kräftig eingekürzt werden um eine brauchbaren Mitteltriebverlängerung zu erhalten, mit der Mitte sollten dann ghleichzeitig Leitäste hochgezogen werden ...

Gruß
Baumfex
« Letzte Änderung: 12. März 2007, 19:23:29 von Baumfex » Gespeichert

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Klimazone 8a, Holsteinsche Elbmarsch


« Antworten #4 am: 12. März 2007, 23:33:52 »

Stammverlängerung 2 mal auf einen Seitenast aufgeleitet werden Als erster Schritt müssen also alle stärkeren Äste im oberen Kronendrittel, die von dieser Linie abweichen sauber und ohne Verletzung des Astkragens entfernt werden. Zum Aufbau der Leitäste in Nordrichtung verweise ich auf den Umkehr-Augen -Schnitt

Oje, da hab` jetzt nicht genug kapiert, um gleich beherzt an dem Bäumchen herumzuschnippeln (trotz Nachverfolgung der Threats und wiederholter Betrachtung der Fotos ...). Könntet Ihr mir ein Buch zum Thema empfehlen? - Könnte/sollte mein Baum nach fachgerechter Frisur so wie Baumfex` Boskop aussehen? - Danke im Voraus für Hilfe, die ich -wie Ihr seht- wirklich brauche...
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Baumfex
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« Antworten #5 am: 13. März 2007, 02:00:52 »

Wollte damit nur sagen, dass die Mitte auch durch einen steil stehenden Nebentrieb (falls vorhanden) in die gewünschte richtung (nämlich möglichst gerade nach oben) verlängert werden kann. Durch Wegschnitt unbrauchbarer Triebe (z. B. die 2 starken Seitentriebe, die bei Deinem Baum oben am Mittelast nach Süden und Norden wachsen)und Anschnitt der Leitäste, entsteht ein Wuchsanreiz, durch den solche Triebe entstehen ...

Wie ein Baum aussehen soll und welche Schnittmethode man wählt ist teils auch Geschmackssache. Man sollte aber wissen, wie ein Baum auf welchen Schnitt reagiert und ob das Ergebnis letztendlich zielführend ist.

Deshalb unterscheiden sich meine Schnittmethoden etwas von den gängigen Lehrmenungen ...

Gruß
Baumfex
« Letzte Änderung: 13. März 2007, 02:03:27 von Baumfex » Gespeichert

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Pflaume
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« Antworten #6 am: 13. März 2007, 08:30:18 »

Hallo,

unter den gegebenen Umständen würde ich bei Bild 1 zuerst mal so schneiden um den Baum zu begradigen (wenn ich mir die anderen Bilder anschaue, bin ich mir aber nicht sicher, ob der Mitteltrieb dann gerade ist, aber das ist dann eben vor Ort sinngemäß umzusetzen).
Soweit ich Baumfex nicht mißverstehe, schreibt er das Gleiche.
Dann noch mal schauen, welche Triebe man zu Leitästen aufbauen kann. Zu steile Äste müssen weg, damit sie dem Baum nicht unnötig Kraft rauben, die benötigt man hier für den Aufbau der Äste, die später mal die Krone bilden sollen.
Dazu benötigt man ein Bild, das im 90 Gradwinkel zum betreffenden Ast aufgenommen wurde, zumindest mir geht es so.

Grüße
Pflaume

* Baum von Wildwuchs Vorschnitt (Photo) (109,04 KB, 640x480 - angeschaut 477 Mal.)
« Letzte Änderung: 13. März 2007, 08:40:04 von Pflaume » Gespeichert

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wildwuchs
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Klimazone 8a, Holsteinsche Elbmarsch


« Antworten #7 am: 13. März 2007, 19:10:44 »

...war nochmal draußen und sehe nun schon klarer dank Eurer Hilfe. Ich wähle -wie Pflaume auch vorschlägt- einen neuen Mittelast. Ob der Baum dann an der Nordseite austreibt?. Warum sollte er? In ca. 6 m Abstand stehen da 3 ca. 5 m hohe Zwetschenbäume, die ihn vielleicht irgendwie mental bedrängen.
Noch etwas: Der Baum hat im 1. Standjahr viele Früchte getragen, die die ersten Seitenäste nach unten (mehr als 90 Grad) gebogen haben. Sollte man die trotzdem lassen oder nach und nach wegschneiden?
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Baumfex
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« Antworten #8 am: 14. März 2007, 23:04:09 »

Die Mitte würde ich ähnlich wie Pflaume schneiden, evtl. auch den dünnen Trieb etwas weiter links als Mitte verwenden. Jedenfalls sollte die Spitze in etwa über dem Stamm liegen und welcher Trieb sich da eignet sieht man nur vor Ort. Allerdings wär mir der Steiltrieb auf dem flachen Ast rechts unten im Bild als zukünftiger Leittrieb "heilig". Muß nur noch etwas nach außen (also von der Mitte weg gebunden werden. Auch die kleineren Triebe im unteren Kronenbereich stören eigentlich zunächst nicht großartig - ganz im Gegenteil bringen sie Ertrag und Energie mittels Laubmasse ...

Gruß
Baumfex

* Apfelbaum_von_Osten_sized (Photo) (43,88 KB, 640x480 - angeschaut 1305 Mal.)
« Letzte Änderung: 14. März 2007, 23:26:59 von Baumfex » Gespeichert

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Klimazone 8a, Holsteinsche Elbmarsch


« Antworten #9 am: 15. März 2007, 22:28:19 »

Sehr schön anschaulich, ich hab´s kapiert. Pflaumes Ast wird wohl bleiben, in meinem Album sieht man auf den anderen beiden Bildern wie schief der Baum wirklich ist. Ich stelle dann mal ein Nachher-Foto ein.
Und dann kauf` ich mir auch gleich dieses Buch von Palmer und nehm` mir die schlampigen Zwetschenbäume vor...
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Pflaume
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« Antworten #10 am: 16. März 2007, 08:00:58 »

Hallo Wildwuchs,

persönlich tue ich mir, unter Berücksichtigung der anderen Fotos, etwas schwer, mich zu entscheiden, aus welchen Ästen ich die zukünftigen Leitäste aufbauen würde.
Nimmt man mal an, alle Äste seien auf dem ersten Bild (was definitiv nicht stimmt) ohne geometrische Verzerrung aufgenommen, so ist der Ansatz von Baumfex eine sehr gute Lösung.
Anhand dieser Lösung kann man dann vor Ort den Schnitt sinngemäß durchführen.
Nun bin ich bekanntlich kein Freund von allem, was mit binden zu tun hat.
Nur aus diesem Grund, und weil ich faul bin und deshalb immer einen möglichst einfachen Weg suche, gehe ich in so einem Fall geringfügig anders vor.

Jemand hat mir gesagt, für ihn sei es nicht offensichtlich, warum ich praktisch alles auf den unteren Ästen weggeschnitten hätte, und einige Zweigchen nicht. Da muß ich mich bei denjenigen entschuldigen, denen es ähnlich geht, deshalb hier noch einmal mein obiges Bild, mit einigen Änderungen, die das, was ich als selbstverständlich voraussetzte, vielleicht erklären.
Im Gegensatz zu Baumfex schneide ich die Spieße unten weg, weil Bäume in der Entwicklungsphase dazu neigen einiges an Energie in diese steil stehenden Triebe zu investieren. Entweder treiben diese in diesem Jahr kräftig aus, und/oder daran werden Früchte angesetzt.
Beides ist Energieverschwendung (für den Anfänger mag es befremdlich klingen, aber Früchte sind in der Aufbauphase nicht das Ziel, sie sind sogar kontraproduktiv).
Wichtiger ist es ein stabiles Gerüst aufzubauen, das die hoffentlich massenhaft später wachsenden Früchte auch tragen kann, ohne schwere Verbiegungsschäden zu hinterlassen, wie bei unserem Baum hier).

Gerade bei einem Hochbaum der schon im ersten Jahr Früchte trägt, liegt der Verdacht nahe, daß er eine für einen Hochstamm zu schwache Unterlage hat.
Wenn dem so ist, besteht die Gefahr, daß er zu früh massiv Früchte ansetzt und aufgrund des starken Kraftentzuges hierduch, sitzen bleibt.
Natürlich liefern auch die Blätter an den Spießen Energie. Aber mir ist es lieber, der Baum nimmt die Energie, die er zur Ausbildung der Blätter dort benötigt, um sie an einer anderen Stelle, die mir längerfristig sinnvoller erscheint und wo diese Gefahren geringer sind, zu investieren.

Zu den Fragen von Dir:
Äste die unter die Waagerechte abgekippt sind, sollten weggeschnitten werden.
An ihnen entstehen wenige Früchte, und diejenigen, die dort entstehen werden nicht optimal versorgt.
Aber gerade aus diesem Grund würde ich diese Zweige dieses Jahr noch nicht wegschneiden. Denn die an diesen Zweigen angesetzten Blätter liefern Energie und werden derzeit auch noch gut von der Sonne bestrahlt.
Die Gefahr, daß diese groß wachsen und damit Energie benötigen besteht hier nicht.
Evtl. Gailtriebe sind gegebenenfalls auszubrechen, am Einfachsten indem alle nach oben zeigenden Knospen durch darüberfahren mit der hohlen Hand, entgegen der Wuchsrichtung, bei beginnender Knospenschwellung, entfernt werden.
Warum die Äste an der Nordseite auch austreiben sollten? Nun einerseits schneidet man diese an, um sie zum wachsen zu motivieren, andererseits schneide ich das weg, wo die Gefahr besteht, daß der Baum dort viel Energie investiert, und was längerfristig sowieso entfernt werden muß.
Dadurch hat der Baum einen Energieüberschuß und den wird er dort investieren, wo ich ihm die Möglichkeit lasse.

Grüße
Pflaume

Legende
Rot  = Schnitt jetzt
Blau = so dürfte der Baum darauf reagieren, durch das Gewicht des Austriebes werden die Zweige von sich aus etwas nach außen kippen
Grün = Ziel in 2-3 Jahren durch den Schnitt für Leitäste und Mitte
Orange = Fruchtäste bzw. an der Mitte Fruchtzweige
Äste die ich nicht verschmiert habe sind, je nach Stellung, sinngemäß zu behandeln oder wenn steil stehend, zu entfernen
Der Baum sollte, wenn man ihn von einem um 90 Grad versetzten Standpunkt aus sieht, gleich aussehen, in dem Fall sieht man eben die anderen 2 Leitäste und die Mitte

* Baum von Wildwuchs Vorschnitt (Photo) (139,75 KB, 640x480 - angeschaut 535 Mal.)
« Letzte Änderung: 16. März 2007, 08:03:14 von Pflaume » Gespeichert

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Pflaume
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« Antworten #11 am: 16. März 2007, 08:19:46 »

Anmerkung:
Auch ich bin hier davon ausgegangen, alle Äste seien auf dem ersten Bild (was definitiv nicht stimmt), ohne geometrische Verzerrung aufgenommen. Du musst Dich vor Ort im Zweifel nicht einfach sklavisch an die Skizze halten, sondern obiges sinngemäß auf die Realität anwenden. Sofern der Sinn meiner Ausführungen überhaupt erkennbar ist. Smiley
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wildwuchs
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Klimazone 8a, Holsteinsche Elbmarsch


« Antworten #12 am: 19. März 2007, 19:53:19 »

So, dank Eurer ausführlichen Hilfe (und nach dem Studium dieses informativem aber furchtbar unübersichtlichen Buches von G. Mangold) habe ich`s gewagt und planvoll geschnitten und gebunden ...Habt Ihr Bezugsquellen für "Astgewichte"? -Nachher -Foto folgt noch...
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Baumfex
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« Antworten #13 am: 20. März 2007, 02:25:17 »

Von "Astgewichten" halte ich gar nichts, weil damit nichts fixiert werden kann. Binden oder wegschneiden ist beim Obstbaumschnitt wesentlich sinnvoller. Das Mangold -Buch ist, soweit ich mich erinnern kann, nicht besonders gut gelungen. Wurden da etwa "Astgewichte" empfohlen??? Das Originalbuch von Helmut Palmer "Der Notenschlüssel der Natur" ist wesentlich informativer, überfordert den absoluten Anfänger evtl. aber auch etwas ...

Gruß
Baumfex
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« Antworten #14 am: 21. März 2007, 08:44:21 »

Hallo wildwuchs,

ich kann nur jedes Wort von Baumfex unterstreichen, mal davon abgesehen, daß ich natürlich gegen das Binden bin, auch weil gerade das falsch angewandte Binden (von Astgewichten mal abgesehen) für so viele verhunzte Bäume verantwortlich ist (wenn es Dich interessiert kann ich Dir hier mal Bilder von der Entwicklung und Schnitt eines Baumes einstellen, der dieses Jahr dennoch eine Schnur bekam, ist allerdings kein Hochstamm und kein Apfel, vor genau 3 Jahren gepflanzt).

Beim Buch von PALMER gibt es leider ein Problem, es ist m.W. derzeit nicht mehr zu bekommen, auch nicht bei ebäh. Auch Frau Palmer sagte mir vor einem halben Jahr, Ihr privater Bestand sei nun aufgebraucht.

Grüße
Pflaume
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