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forum.planten.de  |  Pflanzen  |  Obst-Forum (Moderatoren: Walther, thuja thujon)  |  Thema: Sauerkirschen mit Schrotschuss 0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema. « vorheriges nächstes »
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Autor Thema: Sauerkirschen mit Schrotschuss  (Gelesen 8729 mal)
Mephistopheles
Gast
« am: 13. Juli 2006, 19:58:27 »

Hallo,

meine Sauerkirschen haben - mehr oder weniger - die Schrothschußkrankheit.

Es gibt ein Kirschengebüsch, wo alle eher weniger betroffen sind, dann einen älteren Kirschbaum, wo beinahe jedes Blatt befallen ist und einen mannshohe Kirsche, etwas abseits, wo praktisch nicht betroffen ist.

Der Boden ist humos, erdig (kein Sand, keine Steine) und fruchtbar, der Garten etwa 200m von einem Flüsschen entfernt im Schwemmland.

Die anderen Bäume und Sträucher (Haselnuss, Hartriegel, Johannisbeere) sind alle pumperlgesund, nur die Kirschen machen mir Sorgen.

Was meinen die Fachleute?
Was kann ich unternehmen?
Vielleicht ist das nicht der ideale Standort für Sauerkirschen?

Gruß
Mephistopheles
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spatenstich
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spatenstich
Ein Tag ohne Lachen ist ein schlechter Tag!


« Antworten #1 am: 14. Juli 2006, 07:08:37 »

Ich hab Dir was aus dem österr. Pflanzenschutzmittelregister herausgearbeitet:

Dithane M-45 (Fungizid; Wirkstoff: Mancozeb)
Schadorganismus/Zweckbestimmung: Schrotschusskrankheit [Stigmina carpophila]
Kultur/Objekt: Kirschen, Pflaumen (Zwetschken)
Einsatzgebiet: Obstbau
Aufwandmenge: 0.2 %
Anwendungsart: Spritzen
Wartefrist in Tagen: 28

In Österreich sind 4 Präparate - alle mit dem selben Wirkstoff - zugelassen.

Spatenstich   Huch
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Mephistopheles
Gast
« Antworten #2 am: 14. Juli 2006, 20:28:50 »

Hallo Spatenstich,

wenn ich eine Erkältung habe mit 40C, dann nehm ich deswegen keine Medikamente und geh auch nicht zum Arzt, sondern stelle das Essen ein und trinke paar Tage Tee und Orangensaft.
Dann geh ich, sobald ich wieder laufen kann mit Schwammerln in den Knie raus in die Winterkälte (ok; war gerade trockene Kälte, sehr kalt, sehr trocken; bei Nieselmatsch hätt ichs mir wahrscheinlich doch überlegt), und gut is.

Wenn ich Bluthochdruck habe, dann nehm ich deswegen auch keine Medikamente ganz im Gegensatz zur ärztlichen Empfehlung, sondern fange an zu joggen und seitdem Blutdruck normal.

Warum nur Zunge soll ich die Kirsche abspritzen und mich dabei nebenbei selber vergiften?

Meine Frage geht dahin, was kann ich tun, damit die Kirschen sich selber helfen?


Gruß
Mephistopheles
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wendel
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« Antworten #3 am: 14. Juli 2006, 22:22:48 »

Hallo Mephistopheles,

Freier ,leicht zugiger Standort und nicht zu dichtes Laub helfen den Kirschen. Wie immer gibt es Sortenunterschiede!, die sich im Wuchsaufbau und der Robustheit unterscheiden.
Tal und Muldenlagen oder Innerorts, lassen oft Nebel und hohe Luftfeuchte entstehen , die zusammen mit Regen  Schrotschuss oder auch die ähnliche Psydomonas Symtome entstehen lassen.
Bei letzterer sind aber oft Zweigverkrüppelungen mit Gummifluss und Fleckige schwarze Punkte auf den Früchten erkennbar ,Sauerkirschen haben dafür eher ein Faible Safir, Heimanns Rubin...

Gruss wendel
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Pflaume
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« Antworten #4 am: 15. Juli 2006, 11:45:09 »

Hallo Mephistopheles,

schön, ich dachte schon meine Einstellung sei ausgestorben.

Ein vernünftiger Schnitt (die Blätter sollten durch Wind und Sonne schnell abtrocknen, da die Blätter nur in feuchtem Zustand infiziert werden), entfernen der herabfallenden Sporenträger (Blätter).
Der Standort bei Dir ist natürlich nicht ideal, da vermutlich hohe Luftfeuchtigkeit und der Boden wird evtl. zu Staunässe neigen, aber daran kannst Du nichts ändern.

Beim Schnitt darauf achten, daß nicht mehrere Äste sich gegenseitig bedecken (also am besten Palmerschnitt), da die Sporen von den infizierten Blättern mit dem Regenwasser auf die darunterliegenden Blätter tropft, weshalb normalerweise die obersten Blätter relativ gesund sind, während die untersten Blätter die massivsten Schädigungen aufweisen.

Grüße
Pflaume
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Credo, quia absurdum - Tertullian
flor
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Album Flor
Klimazone 7/8, phänologischer Naturraum 52


« Antworten #5 am: 15. Juli 2006, 12:23:41 »

Hallo Mephistopheles,

es gibt ein Buch von Marie-Luise Kreuter, Pflanzenschutz im Biogarten. Dort habe ich nach der Krankheit gesucht und folgendes gefunden:

Der Pilz, der diese Krankheit verursacht, überwintert im Fallaub oder in kranken Früchten, die am Baum hängengeblieben sind. Bei hoher Luftfeuchtigkeit breitet sich die Infektion besonders rasch aus.

Vorbeugende und sanfte Mittel
Durch freien Standort und guten Schnitt dafür sorgen, dass Nässe rasch abtrocknen kann.
Krankes Laub und Früchte so früh wie möglich entfernen und vernichten. Kranke Triebe wegschneiden. Große Baumscheiben anlegen. Vorbeugend mit Schachtelhalm-Brühe spritzen.

Grüße
Flor
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"Wem Mutter Natur ein Gärtchen gibt und Rosen, dem gibt sie auch Raupen und Blattläuse, damit er's verlernt, sich über Kleinigkeiten zu entrüsten."
Wilhelm Busch (1832 - 1908)
Mephistopheles
Gast
« Antworten #6 am: 15. Juli 2006, 18:56:53 »

Danke, WendelFlorPflaume,

damit ist mir echt geholfen.
Demnach stehen die Kirschen als Gebüsch wohl genau falsch.
Und der optimale Standort in meinem Garten wäre wohl da, wo jetzt eine braunblättrige Hasel steht, total alleinstehend und auf einem 1m hohen Huckel.

Die Kirschenstämmchen sind etwa daumendick, da kann ich wohl noch umpflanzen?
Brauch ich eigentlich eine 2te Kirsche als Bestäuber?
Ich hab übrigens keine Ahnung, was für eine Sorte ich da habe, ich weiß nur, es sind Sauerkirschen, da täuschen mich meine Geschmacksnerven wohl nicht.

Was ist eigentlich Palmenschnitt?

Auf der anderen Seite passt so ein Bäumchengebüsch hervorragend zum Gartendesign.
Es gliedert die westliche Hälfte des Gartens hervorragend in eine total sonnige flache Südseite, dann die Bäumchen ca 2m hoch, dann eine halbbeschattete Nordseite, begrenzt durch eine 6m hohe Weide und eine etwas 4-5m hohe Hasel.
Ich würde gerne essbaren Weißdorn, essbare Eberesche, Schlehen, Hollunder dort pflanzen. Vielleicht auch Pflaumen, Mirabellen?
Hat jemand noch Vorschläge, was zueinander passt?
Vielleicht auch mit verschiedenen Blütezeiten?

Gruß
Mephistopheles

schön, ich dachte schon meine Einstellung sei ausgestorben.
alles Lebenserfahrung, Pflaume. Die Schulmedizin kann alles behandeln und nichts heilen. Heilen tut sich der Körper selbst - man muß ihm nur die artgerechten Standortbedingungen bieten. Zwinkernd Vielleicht auch deswegen der Garten. Josef

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flor
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Album Flor
Klimazone 7/8, phänologischer Naturraum 52


« Antworten #7 am: 15. Juli 2006, 20:04:48 »

Hallo Mephistopheles,

da ich noch nicht so lange Internet habe bin ich nicht so gewandt mit Googlen. Dafür habe ich eine Reihe von Büchern die mir weiterhelfen. Stichwort Palmenschnitt:

Obstgehölze erziehen und schneiden
Bernd Schulz
Gerd Grossmann
Ulmer Verlag
ISBN 3-8001-3667-8

Ein sehr umfangreiches Buch. Viele Bilder (wichtig).

Warme, sonnige Grüße
Flor
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Wilhelm Busch (1832 - 1908)
Pflaume
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« Antworten #8 am: 16. Juli 2006, 08:43:25 »

Und der optimale Standort in meinem Garten wäre wohl da, wo jetzt eine braunblättrige Hasel steht, total alleinstehend und auf einem 1m hohen Huckel.

Die Kirschenstämmchen sind etwa daumendick, da kann ich wohl noch umpflanzen?

Dürfte nach dem Blattfall kein Problem sein, Wurzelspitzen anschneiden.
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Credo, quia absurdum - Tertullian
Pflaume
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« Antworten #9 am: 16. Juli 2006, 08:51:10 »



Brauch ich eigentlich eine 2te Kirsche als Bestäuber?
Ich hab übrigens keine Ahnung, was für eine Sorte ich da habe, ich weiß nur, es sind Sauerkirschen, da täuschen mich meine Geschmacksnerven wohl nicht.

Viele Sauerkirschen sind selbstbestäubend, aber nicht alle!
Andererseits können Sauerkirschen oft auch durch Pflaumen, Zwetschgen, evtl. selbst durch Schlehen befruchtet werden, Voraussetzung ist natürlich, die Blütezeit überschneidet sich.
Wenn Dich Deine Geschmacksnerven nicht täuschen, dann hast Du vermutlich schon Früchte erhalten. Ohne vorausgegangene Befruchtung wäre dem wohl nicht so. Smiley
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Credo, quia absurdum - Tertullian
Pflaume
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« Antworten #10 am: 16. Juli 2006, 09:31:24 »

Was ist eigentlich Palmenschnitt?


Hallo Mephistopheles,

wenn Du die Beiträge von Baumfex, Fritz oder meiner Wenigkeit im Archiv durchgehst, wirst Du Palmer immer wieder als Referenz finden, sein letztes Buch (ca. 200 Seiten und etwa 400 Fotos) ist nicht nur für mich so eine Art Bibel des Obstbaumschnitts.
Es gibt 2 Schulen, die Palmeranhänger und der Rest, der sich wiederum in verschiedene Schnittschulen aufteilt.
Es gibt bösartige Palmerschnittanhänger die die andere Fraktion immer wieder dazu auffordern endlich einen älteren, großkronigen Obstbaum vorzuweisen, der nach ihrem Schnitt geschnitten wurde und der in Sachen Ertrag, Gesundheit und Bearbeitungszeit (Schnitt, Ernte)
vorbildlich oder optimal ist.
Soweit mir bekannt, ist dies noch nicht geschehen, die Palmerfraktion (außer Palmer selbst, der ruht bekanntlich in Frieden, den er im Leben nie finden konnte) wartet wohl noch weitere 50 Jahre, oder länger darauf.

So als kurzen Überblick wie ein Schnitt nach Palmer aussieht:
http://www.naturbauten.com/palmer/

Der Unterschied zu normalen Schnittbüchern ist vermutlich, Palmer machte Fotos (also nicht irgendwelche Gemälde, die sich gegen den eingezeichneten Unsinn nicht wehren können) vor und nach dem Schnitt und in den Folgejahren. Angabe des Standplatzes und Jahr, Besitzer und wer geschnitten hat, so daß man dies auch überprüfen kann).
Ansonsten wird meist ein Schnitt empfohlen, der denjenigen, der danach handelt meist nicht glücklich macht. Man schaue sich´nur die Bäume in den Folgejahren an, die bei irgendwelchen Schnittkursen oft verschnitten werden. Meist sind in den Büchern Zeichnungen, an die sich die dummen Bäume im eigenen Garten einfach nicht halten wollen, vermutlich weil sie nicht lesen können.
Palmer lebte eben vom Verkauf von Obst und nicht von Steuergeldern. Einen Schnitt der nur theoretisch oder mit unverhältnismaßigem Zeitaufwand funktioniert konnte er sich deshalb nicht leisten.

Zu Deinen restlichen Fragen gibt es Leute die dazu bessere Empfehlungen geben können als ich.

Grüße
Pflaume
« Letzte Änderung: 16. Juli 2006, 09:33:20 von Pflaume » Gespeichert

Credo, quia absurdum - Tertullian
Mephistopheles
Gast
« Antworten #11 am: 16. Juli 2006, 22:09:44 »

Dürfte nach dem Blattfall kein Problem sein, Wurzelspitzen anschneiden.

Danke.
Ich werde eine Kirsche auf jeden Fall umpflanzen.
Die Kirschenernte ist jetzt vorbei und ich habe von den etwa 10 Kirschen gewichtsmäßig etwa die Hälfte, wenn überhaupt, geerntet wie von einem einzigen Johannisbeerstrauch. Und der ist noch nicht abgeerntet.
Das kanns doch wohl irgendwie nicht sein.

Was meinst du übrigens mit "Wurzelspitzen abschneiden"?

Den Palmer werde ich mir auf jeden Fall besorgen und auch den Bernd Schulz (Dank für die Empfehlung an flor!), aber was in deinem Link über den Palmer steht: "Der Rebell" usw., gefällt mir ausgesprochen gut und passt auch zu meinem Nicknamen, den ich mir auch nicht zufällig gewählt habe.

Gruß
Mephistopheles
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Pflaume
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« Antworten #12 am: 17. Juli 2006, 07:28:23 »

Hallo Mephistopheles,

anschneiden und abschneiden sind nicht ganz identisch.
Abschneiden dürfte klar sein.
Anschneiden nennt man es, wenn man einem Trieb die Terminalknospe (und evtl. auch mehr) entfernt.
Hierdurch entfällt deren Auxinproduktion und die anderen dahinterliegenden Knospen treiben verstärkt aus.
Genau das soll erreicht werden, wenn man die Wurzelspitzen anschneidet, die Wurzel soll sich dadurch stärker verzweigen und mehr Neutriebe bilden, als sie das ohne diesen Kniff tun würde.

Du siehst, es kommt beim Obstbaumschnitt auf genaues lesen an. Hier kann der Unterschied zwischen Murks und Erfolg liegen.
Aber das wirst Du bei Palmer sowieso noch feststellen. Finde selbst bei jedem durchlesen etwas, was ich überlesen und damit falsch interpretiert habe, vermutlich weil ich dachte, klar, kenn ich schon, ist ja selbstverständlich.

Grüße
Pflaume
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Credo, quia absurdum - Tertullian
Mephistopheles
Gast
« Antworten #13 am: 17. Juli 2006, 10:43:40 »

... wenn man einem Trieb die Terminalknospe (und evtl. auch mehr) entfernt.
Hierdurch entfällt deren Auxinproduktion und ...


Schockiert  
Was - for heaven`s sake - ist eine Terminalknospe? Und was ist eine Auxinproduktion  Huch  Huch  Huch

Gruß
Mephistopheles


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Pflaume
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« Antworten #14 am: 18. Juli 2006, 10:17:42 »

Hallo Mephistopheles,

eine Terminalknospe ist die Abschlußknospe, endständige Knospe, man könnte auch sagen, die letzte Knospe am Ende des Triebes.
Auxine sind Pflanzenhormone womit das Längen- und Breitenwachstum sowie der Blütenansatz in jedem Bereich eines Triebes reguliert wird.
Schau mal im Archiv, dort gibt es dazu mehr.

Grüße
Pflaume
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Credo, quia absurdum - Tertullian
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