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forum.planten.de  |  Pflanzen  |  Obst-Forum (Moderatoren: Walther, thuja thujon)  |  Thema: Helmut Palmer ist tot 0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema. « vorheriges nächstes »
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Autor Thema: Helmut Palmer ist tot  (Gelesen 5229 mal)
Wühlmaus
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Wühlmaus
Raue Ostalb, 500m ü.NN, Tallage, 6b


« am: 26. Dezember 2004, 19:25:33 »

Am 24. Dezember ist der Remstalrebell im Alter von 74 Jahren gestorben.

WühlmausGrüße
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Walther
Global Moderator
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Walther

« Antworten #1 am: 27. Dezember 2004, 11:13:23 »

Hallo Wühlmaus

Schade, dass dein Nachruf so kurz ist, wenn dieser Mensch den Obstbau über das Tal der Rems hinaus positiv beeinflusst hat.

Kannst du vielleicht noch schreiben, wass er den so "rebellisches" auf dem Obstsektor getrieben hat?

Vielleicht kann man ja noch was lernen. Oder bin ich der Einzige, der ihn nicht kennt?  Verlegen

LG
Walther
« Letzte Änderung: 27. Dezember 2004, 11:15:01 von Walther » Gespeichert
Andreas Regner
Global Moderator
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Klimazone 7 (6-8), phän. Naturraum 70


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« Antworten #2 am: 27. Dezember 2004, 12:04:08 »

Hallo,

ich selber kenne den Notenschlüssel der Natur bzw. andere Veröffentlichungen von Helmut Palmer nicht. Seine eigene Homepage ist wenig aussagekräftig. Eher so eine Kontakt-Visitenkarte.

Hier im Forum wurden einige Male Schnittmethoden von ihm diskutiert, bzw. seine Ansichten erwähnt, u.a.:

Pflaume hat welke Triebspitzen
http://forum.planten.de/index.php?board=9;action=display;threadid=10255

Wie sieht ein gut gepflegter großkroniger Obstbaum bei euch  aus?
http://forum.planten.de/index.php?board=9;action=display;threadid=14068

(Auswahl aus der Abfrage Helmut Palmer hier in der Suche des Forums - im Archiv findet man drei weitere Referenzierungen.
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grüsse
andreas
Giuseppe
Moderatoren
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Giuseppes Fotoalbum
Zone 6, Naturraum 60, 470m ü. NN


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« Antworten #3 am: 27. Dezember 2004, 13:19:22 »

zur Information für die, die mangels räumlicher Nähe von Palmer weniger wissen.

Remstalrebell hieß er weniger wegen seiner - zugegebenermaßen auch nicht überall hochgeschätzten - Ansichten über Obstbäume und ihre Pflege. Diesen Beinamen "verdiente" er sich durch andere Aktionen, wie seine mehr als dreihundert Kandidaturen für Bürgermeisterämter im württembergischen Raum und seine unjustiziablen Ausdrucksweisen, die ihn mehr als einmal vor Gericht brachten, meist wegen Beleidigung (hier weiterlesen).

Die wenigsten dürften aber wissen, dass die an ihrem Ende in den Boden eingegrabenen Leitplanken an den Straßen auch auf eine Idee von Palmer zurückgehen. Ob er selbst Motorradfahrer war und damit die Gefahr erkannte oder ob er entsprechende Unfälle erlebt hatte, bei denen Motorradfahrer von den nicht abgesenkten Leitplankenenden regelrecht aufgespiest wurden, weiß ich jetzt aber auch nicht. Jedenfalls griff der ADAC diese Idee auf und focht sie in einer längeren Kampagne durch, bis sie ins Allgemeingut überging.

Vielleicht interessiert auch manche/n diese Biografie.

Giuseppe
« Letzte Änderung: 27. Dezember 2004, 13:43:50 von Andreas Regner » Gespeichert

Mithilfe von Stereotypen können sich Voreingenommene das Dazulernen ersparen
Baumfex
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Ich liebe dieses Forum!


« Antworten #4 am: 27. Dezember 2004, 18:56:53 »

Eine Ära geht zuende und damit auch ein Stück personifizierte Zivilcourage!

Die Tatsache, daß Helmut Palmer laut Pressebericht die Obstbauberater der Landratsämter hier mit dem "ersten Holzhacker- und Halbdackelpreis" ausgezeichnet hat, spricht für sich und recht hat er.

Einen Beleg für diese These gibt es z. B. hier: http://forum.planten.de/index.php?board=9;action=display;threadid=14068

Gruß
Baumfex
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Aliquid amplius invenies in silvis quam in libris.
Ligna et lapides docebunt te, quod a magistris audire non possis.
Pflaume
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« Antworten #5 am: 31. Dezember 2004, 19:44:28 »

Hallo Wühlmaus

Schade, dass dein Nachruf so kurz ist, ...
LG
Walther

Hallo Walther,

der Nachruf von Wühlmaus entspricht Palmer: kurz, prägnant, alles Wesentliche.

An einem Nachruf für Palmer haben sich schon einige Zeitungen versucht, gerecht kann ihm wohl aber niemand werden.
Er war aufbrausend, ohne Rücksicht auf eigene Verluste und ging deshalb jeden, auch „Planungsverbrecher“  und “Faulenzer in der Verwaltung“, ohne Ansehen der Person auf  viele einfallsreiche Arten an, was ihm wegen Beamtenbeleidigung sogar einmal Gefängnis auf dem Hohenasperg einbrachte, eine spätere Begnadigung lehnte er natürlich ab. Der frühere FDP-Innenminister von BW und Palmer haßten sich aus tiefstem Herzen.
Die „nahtlose Übernahme von Gedankengut und Richtern aus dem 3. Reich“ war ihm ein Dorn im Auge, die Juristen liebten ihn aufgrund dieser Aussagen nicht.

Viele Feinde machte er sich schon früh bei der Universität Hohenheim, in dem er dort einigen Professoren in Sachen fachliches Können zu nahe trat.
Für die Bürokraten war er sowieso ein rotes Tuch, denn Verschwendung, sei es Geld oder Lebensmittelvernichtung, prangerte er unüberhörbar an.  
Nicht nur weil Palmer sinngemäß den Polizisten nachsagte, die braunen Hosen würden zu Ihrer Gesinnung passen, fand er auch dort nicht gerade Sympathisanten.
Ein Überzeugungstäter,  mit viel mehr als einem Schuß Genialität, er beherrschte Veredelung und Obstbaumschnitt aus dem ff, wobei er die gängigen Lehren hierzu als unsinnig, dumm, widernatürlich etc., ablehnte.
Woher er seine Zivilcourage und seine Kraft nahm, wir Normalsterbliche können nur rätseln.
Ein Dickbrettbohrer, mit dem es nicht einfach war zu leben, aber der eine nicht zu schließende Lücke hinterläßt und -
wie er gerade heute an jeder Ecke fehlt.

Das Motto „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ ,  niemand den ich je kennenlernte hat es so unnachgiebig und geradlinig gelebt wie er, es bescherte ihm erwartungsgemäß viele Feinde, geachtet wurde er dafür von Achtkarätern wie z.B. dem Stuttgarter Alt-OB Manfred Rommel oder dem Ex-Bundespräsidenten von Weizsäcker. Beide schrieben bzw. sagten deshalb mehrfach, Deutschland benötige mehr Männer wie Palmer.

Er lebte vom Verkauf des Ertrages von Obstbäumen sowie seinen Schnittkursen und war daher, im Gegensatz zu gewissen Professoren etc., auf wenig arbeitsaufwendigen Schnitt/Ernte und auf Erfolg angewiesen, insbesondere da viele seiner Obstlieferanten ihre Bäume von ihm pflegen ließen. Das aber geht nur, wenn ein Baum im Schnitt in 15 Minuten in Ordnung gebracht werden kann, sonst hat der Tag einfach nicht genug Stunden. Hinzu kam, daß er immer wieder Obstbäume, die seiner Ansicht nach seines Schnittes besonders bedurften oder sein Mitleid erregten, in Ordnung brachte, so etwas kostet natürlich Zeit. Den Eigentümer fragte er dabei nicht, was bei manchem Schnittbanusen ob des unerwarteten neuen Anblicks seines Obstbaumes zuerst nicht immer Begeisterungsstürme und Dankbarkeit auslöste.

Seine Lehre widersprach dem hier Üblichen, stand auf den Schultern der schweizer Schnittlehre und des Öschbergschnitts, ist jedoch logisch, wenn man die Sache aus der Sicht eines Baumes sieht.
Selbst die Uni Hohenheim nannte den Umkehrschnitt kürzlich nach Palmer. Der Palmerschnitt, SETRA, richtiger Astwinkel, der Langschnitt als das einzig richtige, die Propagierung von mehr als 3 Augen beim Edelreis und das ausbrechen der oberen Augen, längerer Kontaktbereich zwischen Edelreis und Unterlage um ein ausbrechen zu verhindern, sein Verbot des pfropfens an der Astunterseite (wg. des zu erwartenden Absterbens an der Oberseite), das Verwerfen von zu kurzem abwerfen eines Baumes und sein Einsatz für Sämlinge als Unterlage, sein Kampf gegen die in der Praxis ungepflegten, arbeitsaufwendigen und gefährlichen Hochstämme, gegen Überlagerungskronen, sind wohl die ersten Dinge, an die der Baumfreund beim Namen Palmer denkt.
Sein Buch  „Der Notenschlüssel der Natur“ ist aus der Praxis für die Praxis geschrieben, in einer klaren und verständlichen Sprache, mit vielen Beispielen und Bildern wie man es machen sollte und was dabei heraus kommt, wenn man es anders macht.
Eine Offenbarung und die Quintessenz eines langen (wenn auch viel zu kurzen), arbeitsreichen Lebens, auch wenn einzelne Punkte, wie der Schnitt direkt am Stamm vielleicht heute, aufgrund der Erkenntnisse von Shigo, überholt sind.
Es darf m.E. bei keinem der sich, aus Hobby oder Beruf mit Bäumen beschäftigt,  fehlen, was für wenige Bücher in diesem Bereich zutrifft.

In Sachen Palmerschnitt verweise ich hier mal wieder auf den Kurzüberblick von Konstantin Kirsch

http://www.naturbauten.com/palmer/

Grüße
Pflaume

PS: Ich danke Hr. Patrick Palmer für seinen Hinweis, dank dessen ich einen Punkt betreffs seines Vaters etwas weniger mißverständlich nacheditieren konnte.
« Letzte Änderung: 05. Januar 2005, 23:56:50 von Pflaume » Gespeichert

Credo, quia absurdum - Tertullian
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