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forum.planten.de  |  Pflanzen  |  Obst-Forum (Moderatoren: Walther, thuja thujon)  |  Thema: Alte Obstbäume 0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema. « vorheriges nächstes »
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Autor Thema: Alte Obstbäume  (Gelesen 16088 mal)
Gisela
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Gisela

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« am: 12. Dezember 2004, 12:19:04 »

Hallo an alle
Ich habe mich durchgelesen, aber speziell auf meine Frage nicht so das richtige gefunden. Nun hoffe ich auf Antworten.

Ich habe im September einen vernachlässigten Garten übernommen. Die vier Obstbäume wurden nach erster Sichtung gar nicht, bzw. nie fachgerecht geschnitten. Sie sind schon sehr alt, ich schätze mal so zwischen zwanzig und dreißig Jahren. Es sind an Astlöchern vielfach Höhlen im Stamm vorhanden.

Die beiden Äpfel haben überreich geblüht. Dann aber sind die Triebspitzen samt Blüten teilweise abgestorben, hängen jetzt dürr und verschrumpelt da. Neue Treibe wurden natürlich an den höchsten Stellen gebildet.
Früchte am inneren Holz waren überreich da, erstaunlich gesund, aber eben wegen zuwenig Licht klein und sauer.
Die Bäume tragen Moos auf den Ästen.

Ich weiß, wie man Obstbäume in Form bringt. Hier aber muss ich viel nachbessern, was in zig Jahren versäumt worden ist.

Ich habe noch nirgends geschnitten, mir nur meine neuen, alten Bäume angeschaut und vertraut gemacht (sie sind schließlich meine Freunde).
Ich muss sehen, von oben Licht in die Krone zu bringen.
Außerdem muss das obenstehende Fruchtholz in Richtung Kroneninneres eingekürzt werden, damit die unteren (sowieso schon recht hoch am Stamm stehenden) Leitäste wieder gefördert werden.
Beides erfordert das Entfernen von recht dicken Ästen.

Wie soll ich vorgehen? Im Winter (Jan, Feb) nur kleine Schnitte ausführen, z.B. die abgestorbenen Triebspitzen entfernen und erst im Sommer an die dicken Äste gehen?
Das hieße aber, dass die Bäume nochmal in Fruchtholz investieren, das zuviel ist und im Schatten liegt.

Wenn ich aber im Winter den kompletten Schnitt durchführe, gibt es viele Wunden auf einmal. Ich habe nicht vor, den oft gesehenen Radikalschnitt zu machen, dazu liebe ich Bäume viel zu sehr. Aber bei diesem Bäumen muss doch einiges runter.

Also ein weiteres Jahr mit Sauerobst vergeuden? Oder nach der Blüte schneiden? Oder im Sommer Holz mitsamt Früchten kürzen?
Was bekommt den Bäumen am besten, sodass sie nicht in Panik geraten aber auch nicht treiben, was nachher doch weggeschnitten wird?

Für Antworten bedanke ich mich schon im Voraus

Gisela grüßt
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Baumfex
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« Antworten #1 am: 12. Dezember 2004, 12:39:47 »

Hallo Gisela,

wenn dir bei deinem Problem auch z.B. mein antiquierter Beitrag http://forum.planten.de/index.php?board=9;action=display;threadid=9121;start=15 nicht weiterhilft, kann ich dir noch das Buch: "Der Notenschlüssel der Natur" von Helmut Palmer empfehlen. Ansonsten eben abwarten was an interessaten Beiträgen noch kommt.

Gruß und viel Erfolg
Baumfex
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Ligna et lapides docebunt te, quod a magistris audire non possis.
Amur
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« Antworten #2 am: 14. Dezember 2004, 22:52:33 »

Meiner Erfahrung nach macht es wenig Sinn zuerst an den dünnen Ästchen anzufangen rumzuschnippeln wenn noch dicke rausmüssen.
Schau welche Äste als Gerüst nötig sind, bzw. welche starken Äste raus müssen.
Häufig ist dann das meiste schon getan, oder kann aufs Jahr später verschoben werden, damit es nicht ganz so viel Wasserreiser auf einmal gibt.

Und einen Tod mußt du Sterben. Ohne Säge gehts nicht. Und sofern die Bäume noch gut treiben läßt sich fast alles draus machen.

mfg
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Gisela
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Gisela

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« Antworten #3 am: 14. Dezember 2004, 23:16:24 »

Danke euch beiden.
Dein Link, Baumfex, ist wirklich sehr informativ. Ich werde also mit der Säge rangehen und versuchen, eine optimale Förderung mit möglichst wenig Schnitten hinzukriegen, ok, keine Amputationen.
Wundverschlussmittel werde ich mal weglassen.

Außerdem behandle ich den Boden unter den Bäumen mit biologisch-dynamischen Präparaten, wie ich das in meinem vorigen Garten auch schon getan habe. Da allerdings waren die Bäume alle von mir selbst gepflanzt und ich freue mich jetzt umso mehr, dass ich Bäume habe, die älter sind als ich.

Hat mit den Präparaten hier jemand Erfahrung?

Gisela grüßt
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Re-Mark
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« Antworten #4 am: 15. Dezember 2004, 21:11:59 »

Gisela, hast du schonmal ein Buch darüber gelesen, was mit den Bäumen an größeren Schnittstellen passiert? Ich habe mir aus der Bibliothek etwas geholt:
Alex L. Shigo "Tree Pruning - A worldwide Photo Guide", 1989

In dem Buch sind u.a. eine Menge Längsschnitte durch alte Baumwunden abgebildet. Endlich sieht man mal, was so ein Schnitt innen verursacht. Kann sein, daß Shigo in einigen Details etwas umstritten ist (oder verwechsele ich das jetzt mit diesem Bayern?), aber die Grundlagen, wie Astgabelungen oder Astansätze aufgebaut sind, daran dürfte es nichts zu deuteln geben. Ich bin bisher (bis letzte Woche) von völlig falschen Annahmen über den Verlauf von Wunden in Bäumen ausgegangen, und ich schätze, daß ich damit letztes und dieses Jahr die meisten alten, verwahrlosten Obstbäume (>60 Jahre) auf unserem Wochenendgrundstück ruiniert habe.

Jetzt würde ich nicht mehr so stark zurücksägen, wie ich es noch letzen Monat vertreten habe. Der Grund war, daß ich solche 'Kopfweiden-Äste', an denen wieder und wieder dünne Äste abgeschnitten werden auf jeden Fall vermeiden wollte. Mittlerweile würde ich auf jeden Fall Schnittflächen an dicken Ästen vermeiden. Ein uralter Obstbaum läßt sich nicht ins alte, dicke Holz zurücksägen, ohne ihn der Fäulnis preiszugeben. Sicher kann man den einen oder anderen Ast absägen, wenn man den Astkragen dabei unbedingt respektiert, die Wunde trocken gehalten wird und der Hauptast oder der Stamm nicht dort endet, so daß weiter Nährstoffe daran vorbeitransportiert werden. Aber man kann den Baum nicht wirklich kürzen oder im Kronenumfang deutlich verringern, ohne ihn schwer zu schädigen.

Auch das mit dem Astkragen hatte ich nie richtig verstanden. Ok, da ist normalerweise diese Verdickung. Aber ob man nun noch ein paar Millimeter weiter reinschneiden oder nicht müßte doch egal sein, dachte ich. Mittlerweile denke ich, das ist falsch. Es ist, als ob der Zahnarzt beim Zähne ziehen gleich noch ein Stück Kiefernknochen mit rausbricht und das ganze offen läßt.

Ich werde alte Obstbäume in Zukunft mit anderen Augen sehen: entweder ich kann und will sie als alte, große Obstbäume respektieren und lichte höchtens etwas aus (vielleicht so bis 2-Euro-Aststärke), oder ich entferne sie komplett und freue mich daran, einen neuen Baum wachsen zu sehen.
Mal sehen, was von den Vorsätzen sich umsetzen läßt...
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Gisela
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Gisela

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« Antworten #5 am: 16. Dezember 2004, 14:34:46 »

Hallo Remark
Also entfernen werde ich diese Bäume ganz bestimmt nicht. Wenn sie nicht von selbst sterben wollen, werd ich alles tun, sie zu fördern. Es sind immerhin die Bäume meines Großvaters, und ich darf sie nach vierzig Jahren und drei fremden Zwischenherrn nun in meine Obhut nehmen. (Das war ein schier unglaublicher Zufall).

Habe ich das recht verstanden (und ohne nun das Buch kaufen zu müssen), dass jede Schnittstelle nicht bloss dastehen darf, sondern immer kleinere Triebe um sich haben sollte, die den Saft transprotieren und ableiten? Sozusagen umleiten durch Schnitt?

Warum das Ziel des Kronenaufbaus aus den Augen verlieren, wenn es über Jahre hinweg und mit sanften schrittweisen Schnittmaßnahmen gelingen sollte, die Krone pyramidenförmig zugunsten der untersten Leitäste zu gestalten?

Du, ich muss das versuchen. Sonst fallen mir die unteren Äste weg und die Bäume überlagern den Garten in unerreichbarer Höhe.

Danke dir
Gisela grüßt
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Amur
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« Antworten #6 am: 16. Dezember 2004, 15:48:16 »

Hallo Remark
....

Warum das Ziel des Kronenaufbaus aus den Augen verlieren, wenn es über Jahre hinweg und mit sanften schrittweisen Schnittmaßnahmen gelingen sollte, die Krone pyramidenförmig zugunsten der untersten Leitäste zu gestalten?

....
Danke dir
Gisela grüßt

Ohne jetzt diesen Schnittpapst gelesen zu haben:
Wenn du große Äste herausnimmst, ist der Baum nicht in der Lage diese Wunde so schnell zu schließen, daß nicht massive Infektionen mit allen möglichen Pilzen hier eindringen und den Stamm oder den Gerüstast schädigen. Diese Infektionen ziehen sich dabei enorm weit hinein, also nicht nur lokal um diese große Wunde.

D. h. du leitest damit die Aushöhlung des Gerüstes und des Stammes u. U. ein.
Bleibt eigentlich nur die Fragestellung, ob du mit Schnittmassnahmen im dünneren Bereich, den Baum licht und vor allem bei Vollbehang, auch leicht genug bekommst. Was nützt dir ein gesunder Stamm wenn ihn ein Gewittersturm oder ein Herbststurm abreißt, weil er zuviel Wiederstand bietet. Ob du mehrmals im Jahr einen Schnitt machst, um die Grünmasse entsprechend gering zu halten? Dann mags gehen.

Und das Ausfaulen eines starken Stammes/Astes benötigt zunächst etliche Jahre, bis es wirklich statisch Probleme gibt.
Dazu kommt, daß gerade über Jahre ungeschnittene Obstbäume, oft schon Starkäste durch Astbruch, wegen Überlastung, verloren haben. Somit sind solche "Problemstellen" meist schon längst vorhanden, auch ohne Säge.
Durch starke Verkleinerung der Krone kann das endgültige Ende hier oft noch für Jahre, ja Jahrzehnte hinausgezögert werden.
Also sieh dir die Bäume an. Wenn möglich ohne große Wunden. Oft aber nicht möglich, bzw. es sind schon welche da.

mfg
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Amur
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« Antworten #7 am: 16. Dezember 2004, 15:59:57 »

Habe ich das recht verstanden (und ohne nun das Buch kaufen zu müssen), dass jede Schnittstelle nicht bloss dastehen darf, sondern immer kleinere Triebe um sich haben sollte, die den Saft transprotieren und ableiten? Sozusagen umleiten durch Schnitt?
....

Zum Teil wurde (oder wird?) unten am großen Schnitt eine Pfropfung gemacht und oben dieselbe wieder eingeleitet. Dadurch wurde die Überwallung gefördert.
Habe es offen gesagt noch nicht probiert.
Die alten Bäume, welche ich bis jetzt geschnitten habe, waren eh zu 90% innen hohl, waren meist voller abgebrochener Äste etc. Da hilft m. e. nur ein starker Rückschnitt auch in den starken Ästen. Die ursprüngliche Gesamtstatik des Gerüstes ist sowieso schon hinüber. Da galt es vor allem die Krone dem vorhandenen anzpassen.
Alle haben, selbst in exponierten Lagen, Lothar überstanden und gedeihen und tragen recht gut.
Nur eine Birne mußte gefällt werden, da sie direkt an einem viel begangenen Weg stand und von dem 1 Meter durchmessendem Stamm über ein Drittel bereits weggefault war. Man konnte richtig reinstehen. Da hilft dann auch ein verkleinern der Krone mehr. Obowhl auch die Lothar freistehend auf einem Hügel überlebte. Aber wer nimmt da schon das Risiko auf sich?

mfg
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Gisela
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Gisela

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« Antworten #8 am: 16. Dezember 2004, 17:50:07 »

Also ehrlich, ihr macht mir richtig Angst. Ich will doch meine Bäume nicht totschneiden!
Sie sind aber wirklich total überwuchert, teilweise hat sich die Stammverlängerung aus einem Seitenast gebildet, sodass im Laufe der Jahre eine nach außen verlagerte Krone entstand. Diese hängt zum Nachbarn rüber, es handelt sich nämlich nur um 200 qm Schrebergarten.

Ich werde mir sämtliche Tipps zu Herzen nehmen und möglichst vorsichtig rangehen.

Vielen Dank
Gisela
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Baumfex
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« Antworten #9 am: 16. Dezember 2004, 21:02:39 »

Zunächst möchte ich mich der Meinung von Amur mal so in etwa anschließen. Wenn die Statik mal nicht mehr stimmt muß zwangsläufig auch mal ein größerer Ast raus. Allerdings kann das vorhandene Astgerüst nicht einfach in einen "Musterbaum" umgewandelt werden, sondern es muß viel improvisiert und nachgedacht werden. Da dürfen sich dann schon auch mal 2 Leitäste kreuzen oder die Mitte an der Basis eines Leitastes entspringen, während die ursprüngliche Mitte verkümmert ist, usw.
Wichtig scheint mir allerdings, daß mit dem Schnitt oben begonnen wird (wegen dem Licht), daß große Schnitte insbesondere direkt auf der Astoberseite und an den Gerüstästen möglichst vermieden werden (bei nur 4 Bäumen besteht evtl. die Möglichkeit - wie Amur schon sagte - auf längere Stummel zu schneiden und dann Reiser einzuveredeln, was zumindest "humaner" als eine Vollamputation sein dürfte.
Dann ist, wie Re-Mark schon erwähnte, wichtig, beim Schnitt den Astkragen nicht zu verletzen, so daß mit einer besseren Wundabschottung zu rechnen ist.
Optimaler Schnittzeitpunkt für Apfelbäume ist meiner Meinung nach nach wie vor der Frühling bzw. milde Spätwinter oder auch der Spätsommer (speziell bei zu stark wachsenden Bäumen).

Gehst du beim Schnitt besonnen vor, und nimmst je nach Wüchsigkeit nicht mehr als 20 - 30% der Äste auf einmal heraus, solltest du nach ein paar Jahren, je nach Ursprungszustand, wieder einigermaßen passable Bäume haben. Gleichzeitig müssen natürlich die entstehend brauchbaren Jungtriebe nach und nach das alte und abgetragene Holz ersetzen.

Ansonsten ist der Schnitt ungepflegter bzw. miserabel gepflegter Obstbäume wohl immer eine Gradwanderung, die viel Denkarbeit und Erfahrung erfordert.

Gruß
Baumfex
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puhnga
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« Antworten #10 am: 16. Dezember 2004, 23:19:10 »

Hallo

Wenn blühende Triebe so absterben - wie beschrieben, müsste mal ein einheimischer Gärtner die Bäume auf Feuerbrand checken !

punga
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« Antworten #11 am: 17. Dezember 2004, 01:22:12 »

Baumfex hat ganz recht: viel Denkarbeit und Erfahrung. Ich habe versucht, mangelnde Erfahrung mit Denkarbeit zu ersetzen. Das ging so:

- Die Bäume sind seit Jahrzehnten nicht richtig geschnitten worden. Dadurch ist die Krone durchgegangne, also in die Höhe geschossen, hat über der ursprünglichen Krone eine neue Krone gebildet. Selbst mit der extralangen dreiteiligen Leiter bin ich bei einigen Bäumen nicht rangekommen, weder zur Ernte noch zur Pflege. Also mußten die Bäume niedriger werden, also 'runtersägen'.

- Da ich wußte, daß die Bäume dann um die Schnittstelle viele Wasserschosser bilden und ich einige davon durch herunterbiegen zu neuen Ästen machen wollte, mußte ich deutlich unter die gewünschte Endhöhe gehen. Denn sonst wären die Neutriebe bald wieder zu hoch geworden. Und schon war eine Oberarmdicke Schnittfläche da...  Traurig

- Dann traf ich bei der Gelegenheit auf abgestorbene Äste, die auch weg mußten. Dabei festgestellt, daß die Fäulnis (natürlich) sehr viel tiefer geht. Also noch weiter absägen. So gab es noch weitere große Wunden...

- Hier und da ergab es sich, daß nun tiefere Seitenäste den höchsten Punkt bildeten. Da der Baum an der höchsten Stelle am stärksten treibt, mußten die natürlich auch kürzer werden...

-Am Ende kam ein ziemlich verstümmelter Baum heraus. Bei einer Pflaume steht sogar nur noch der Stamm mit drei 'Hauptaststummeln' (jeweils ca. 2m lang). Der Baum war unten herum völlig verkahlt und wenn ich nur soweit heruntergeschnitten hätte, daß noch gut belaubte Zweige drangeblieben wären, dann wäre der Neutrieb wieder in zu großer Höhe entstanden.  Unentschlossen


Ich habe den 'Schnittpapst' auch nicht wirklich gelesen. Das Betrachten der Fotos und der kurzen Kommentare darunter mußte für's erste reichen. Bis zum Frühjahr folgt weitere Literatur.

Ein paar Sachen, die hängengeblieben sind:
+ Es dringen praktisch immer Mikroorganismen in die Wunde ein, auch wenn man Baumwachs draufschmiert. Oft fühlen sich die Pilze unter der aufgetragenene Schicht besonders wohl, weil sie für gleichmäßige Feuchigkeit sorgt. Es gibt wohl deshalb noch immer Streit unter den Experten, ob man Wundverschlussmittel aufbringen soll oder nicht. Tja, wie gesagt, ich habe keine Ausbildung in der Richtung und kaum Erfahrung, aber meine bisherigen Beobachtungen und der gesunde Menschenverstand geben Shigo auf jeden Fall soweit recht: Ast absägen und Wundverschlussmittel drauf ist falsch. Wenn, dann muß der Schnitt perfekt durchgeführt werden, das Mittel sehr sorgfältig aufgetragen werden und wohlmöglich noch Fungizid enthalten, um die Sporen, die auf jeden Fall beim Sägen auf die Schnittfläche gelangen am Auskeimen zu hindern.

+ Bäume können ihre Wunden nicht heilen. Verschließen im Sinne von komplett überwachsen geht bei abgesägten Ästen auch kaum, und selbst wenn, dann ist infiziertes Holz mit eingeschlossen. Bäume schotten ab. Selbst wenn ein meterlanger Keil infiziertes (verfärbtes) Holz von der Schnittstelle aus in den Leitast/Stamm reicht, selbst dann muß die Fäulnis nicht immer weiter fortschreiten. Hier bin ich bisher von einer völlig anderen Annahme ausgegangen.

+ Laut Shigo lebt auch Holz noch, es sollen sich noch lebende Zellen darin befinden, die u.a. Abwehrstoffe, z.B. Phenole produzieren können. Experten wissen das wahrscheinlich, aber ich dachte halt bisher, daß nur die äußerste Schicht unter der Rinde lebt...
Hier ist er wahrscheinlich wieder umstritten: Wenn ich die Kommentare richtig verstanden habe, dann soll laut Shigo u.U. sogar das Kernholz noch zu Abschottung in der Lage sein. Da dürften die meisten Experten anderer Meinung sein...


Hol dir einfach mal das Buch aus der Bibliothek oder sieh es dir in einer Buchhandlung an. Es gibt auch eine deutsche Übersetzung. Sieh dir einfach mal ein paar Fotos und die Bildunterschriften an. Man sollt solche Längsschnitte wenigstens einmal gesehen haben.

Ich werde jetzt nicht zum Shigo-Jünger mutieren, aber wenigstens sehe ich große Äste nicht mehr als totes Holz mit etwas lebendem Gewebe drumherum an. Und ich werde in Zukunft nicht mehr die ganze Abschottung zunichte machen, indem ich wegen verfärbter Bereiche im Holz immer weiter zurücksäge.

Und: ja, ein Ast sollte nicht mit einer dicken Schnittstelle enden. Dabei geht es nicht unbedingt um irgenwelche Säfte, die abgeleiten werden müßten. In Bäumen werden Wasser und Mineralien (meist der Einfachheit halber als 'Nährstoffe' bezeichnet) nach oben transportiert und Assimilate (also Zucker, Vitamine,...) in der äußersten Schicht nach unten. Wenn man einen Ast absägt, dann kommen einerseits keine Mineralien mehr zur Wunde und andererseits kein Zucker von den Blättern zurück. Wie soll der Ast da die Wunde abschotten?
Deshalb werden bei der Baumverjüngung normalerweise sogenannte 'Zugäste' stehengelassen. (Das fand ich schon in vielen Obstbaubüchern, nur war es meist nur sehr schwammig erklärt.)
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puhnga
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« Antworten #12 am: 17. Dezember 2004, 07:23:52 »

Ja  ja die Theorie!
Wenn in Deinem Garten Bäume stehen - die von sich aus in die Höhe und ins Holz wachsen, dann liegt das nicht am vernachlässigten Schnitt, sondern an der Art / Sorte / Unterlage Deiner Bäume !!
Und alles was Du veranstaltest um den Baum "kleiner" und "tiefer" zu schneiden - wird scheitern - weil die Anlagen des Baumes auf Wachstum gelegt sind. Einen uralten sich selbst überlassenen Halb- oder Hochstamm kann man besser in dem Alter rausreissen und ersetzen. Es sei denn - man hat Platz, dann lässt man diese ökologisch wertvollen Bäume für die Faune stehen. Viele alte und morsche Bäume bleiben so noch lange der Natur erhalten.
Baumsatzungen in ganz Deutschland tragen dem Rechnung, denn Obstbäume fallen nicht unter die Baumsatzung und können - weil man ernten will - ausgetauscht werden.

Es ist richtig - dass man den Stummelschnitt vermeiden soll. Wieso sollen denn eigentlich Stummel entstehen?
Es ist immer möglich den Ast so wegzunehmen - dass Zugäste verbleiben - die weiterhin das Wundgewebe versorgen. Wer Stummel schneidet - hat entweder einen falschen Baum oder falsch geschnitten. Der "Witz" beim Obstbaumschnitt ist doch der - dass man schon im zarten Baumesalter die Krone aufbaut. Und da bedarf es nur weniger Handgriffe im Mai / Juni um die krautigen Triebe zu erziehen.

punga
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« Antworten #13 am: 17. Dezember 2004, 09:30:04 »

Ja  ja die Theorie!
Wenn in Deinem Garten Bäume stehen - die von sich aus in die Höhe und ins Holz wachsen, dann liegt das nicht am vernachlässigten Schnitt, sondern an der Art / Sorte / Unterlage Deiner Bäume !!

Wie ich oben schon schrieb: Es handelt sich um Bäume, die lange vor dem 2. Weltkrieg gepflanzt wurden. Auf die Sorten-/Unterlagenwahl hatte niemand von uns heute lebenden Einfluß, auch meine Großmutter nicht. Kann ja sein, daß 'moderne' schwachwünchsige Unterlagen auch bei Verwahrlosung nicht ihre Krone nach oben verlagern, aber ich wage zu behaupten, daß es für Sämlingsunterlagen normal ist. Vor allem dann, wenn sie nicht völlig frei stehen, sondern zu mehreren in einem nicht allzu großen Garten.

Zitat
Und alles was Du veranstaltest um den Baum "kleiner" und "tiefer" zu schneiden - wird scheitern - weil die Anlagen des Baumes auf Wachstum gelegt sind.

Ich wage zu widersprechen. Meine Sägeaktion wird vielleicht scheitern, weil die Bäume verstümmelt sind, Pilze jetzt erst recht freie Bahn haben und weil ich nicht jeden Monat für Pflegearbeiten dorthin komme. Aber man sehr wohl auch starkwüchsige Sämlingsbäume auf, sagen wir mal, 5m Höhe halten, wenn man immer alles senkrecht hochschießende abschneidet oder herunterbindet.
Ich habe dieses Jahr auch eine von sehr kompetenter Hand gepflegte Süßkirschenplantage besichtigt: die Bäume waren auf jeden Fall über 30 Jahre alt und alle waren niedriger als 3 m. Soweit ich weiß gab es damals noch keine schwachwüchsigen Süßkirschenunterlagen.

Zitat
Einen uralten sich selbst überlassenen Halb- oder Hochstamm kann man besser in dem Alter rausreissen und ersetzen. Es sei denn - man hat Platz, dann lässt man diese ökologisch wertvollen Bäume für die Faune stehen. Viele alte und morsche Bäume bleiben so noch lange der Natur erhalten.

So in etwa beschrieb ich meine guten Vorsätze für die Zukunft auch (weiter oben).

Zitat
Baumsatzungen in ganz Deutschland tragen dem Rechnung, denn Obstbäume fallen nicht unter die Baumsatzung und können - weil man ernten will - ausgetauscht werden.

Vielleicht 'Baumsatzungen in ganz Deutschland', aber auch 'alle Baumsatzungen in Deutschland'?

Zitat
Es ist richtig - dass man den Stummelschnitt vermeiden soll. Wieso sollen denn eigentlich Stummel entstehen?
Es ist immer möglich den Ast so wegzunehmen - dass Zugäste verbleiben - die weiterhin das Wundgewebe versorgen. Wer Stummel schneidet - hat entweder einen falschen Baum oder falsch geschnitten.

Wenn der Baum deutlich über die mit der Leiter erreichbare Höhe hinausgeht und man ihn kürzen möchte, dann ist es nicht immer möglich Zugäste zu belassen.

Zitat
Der "Witz" beim Obstbaumschnitt ist doch der - dass man schon im zarten Baumesalter die Krone aufbaut. Und da bedarf es nur weniger Handgriffe im Mai / Juni um die krautigen Triebe zu erziehen.

Eben. Bei übernommenen Bäumen hat man darauf keinen Einfluß mehr, aber wer einen Baum pflanzt sollte sich um die Kronenerziehung kümmern und damit in späteren Jahren sehr viel Arbeit sparen.
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Gisela
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Gisela

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« Antworten #14 am: 17. Dezember 2004, 11:49:52 »

Meine Obstbäume scheinen tatsächlich von Feuerbrand befallen zu sein. Monilia stellt sich ja ähnlich dar, ich gehe jedoch nicht davon aus, da eine dicht daneben stehende Kirsche keine Symptome zeigt, sie ist völlig gesund.

Ist es bei Feuerbrand möglich, dass nur die Triebspitzen befallen sind, und die geernteten Äpfel völlig normal aussehen?

Es ist bestimmt auch ratsam, das Schnittgut komplett zu verbrennen und nicht durch den Häcksler zu geben, oder??

Für Antworten dankbar ist
Gisela
die herzlich grüßt
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