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forum.planten.de  |  Pflanzen  |  Gehölze-Forum (Moderatoren: Hilmar, winterliesel)  |  Thema: Schmarotzerzucht 0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema. « vorheriges nächstes »
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Autor Thema: Schmarotzerzucht  (Gelesen 5086 mal)
Günther
Gast
« am: 22. Juni 2002, 15:20:14 »

Ich hab die Frage schon vor Urzeiten irgendwo gestellt, damals verliefs im Sande...
Misteln sind wohlbekannte Schmarotzerpflanzen, teilweise sehr wirtsspezifisch. Vermehrung üblicherweise durch Samen, manchmal auf dem Umweg über Vogelmägen.
Lassen sich nun Misteln, seis aus Samen, seis über Stecklinge, auch ohne Wirt ziehen, in Hydrokultur, speziellen Nährlösungen, oder wie, oder was?
Gibts da irgendwo irgendwelche Ezzes, Tips, Unterlagen...?
Neugierig, aber nicht viel erwartend...
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peterr
Gast
« Antworten #1 am: 22. Juni 2002, 15:58:56 »

Hallo Günther,

es gibt drei Unterarten von Misteln: die einen gedeihen nur auf Laubbäumen, die anderen nur auf Tannen und die dritten auf Kiefern und Fichten. Die Samenkörner der Laubbaummistel sind sehr flach.
Die anderen hingegen gewölbt. Die "Aussaat" der Laubbaummistel auf Amelanchier und Malus beschreibt Jürgen Dahl in "Nachrichten aus dem Garten":
"Man braucht dazu möglichst frische und viele Früchte. An einem trockenen Dezembertag zerdrückt man sie zwischen zwei Fingern und klebt den Samen mit dem ihm anhaftenden zähen Schleim an die Rinde einjähriger Zweige; am besten wickelt man den Schleimfaden ein paar mal um Samen und Zweig herum. Binnen Stunden trocknet der Schleim und hält den Samen fest. .....Im März wächst aus dem Samen ein am Ende verdicktes Füsschen und krümmt sich sogleich zum Ast hin; sobald sein Ende die Rinde berührt, erweiter es sich zu einer Haftscheibe, aus der der erste Senker in den Ast eindringt. Ein Jahr verharrt der Mistelkeimling so ....Erst im nächsten Frühjahr richtet sich dieses Ende auf, die Keimblätter entfalten sich, fallen aber bald ab, wenn das erste Laubblattpaar sich bildet. Von da an wächst die Mistel Jahr für Jahr in immer paariger Verzweigung etagenweise...

Peterr
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Sepp
Gast
« Antworten #2 am: 22. Juni 2002, 16:00:23 »

mich interessiert auch schon seit längerem, ob man Misteln veredeln kann.
Soviel ich weiss, schaden sie den Bäumen nicht zu sehr.

Und wer kennt sich da mit Arten aus? Es soll doch auf Gattungen spezielisierte Misteln geben Huch
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Günther
Gast
« Antworten #3 am: 22. Juni 2002, 18:04:02 »

Danke - aber eigentlich wollte ich Misteln im Topf, nicht auf dem Baum...
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Tolmiea
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Liebe ich dieses Forum???


« Antworten #4 am: 24. Juni 2002, 21:16:47 »

Schon Josef Wohlschlager schrieb in seinem Beitrag in der GP 97: "Einen schönen runden Mistelbusch heranzuziehen ist also beileibe kein Kunststück. Aber ob es nicht doch möglich sein sollte, ein Mistelsamenkorn in der Weise auf einen jungen, gerade gewachsenen Weißdornsproß zu setzten, dass so ein Mistel-Hochstämmchen oder Mistel-Kugelbäumchen heranwüchse?
Probieren!"

Wäre sicher ein Verkaufsschlager!

liegrü g.g.g.
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gregor
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« Antworten #5 am: 25. Juni 2002, 00:06:49 »

Wer sich mit Zauberpflanzen beschäftigt, stößt immer wieder auf die Mistel. Ihre Bedeutung für die Kelten wird in den Asterix-Comics natürlich etwas verzerrt dargestellt. Das Klischee vom Druiden, der mit der goldenen Sichel Misteln schneidet wird hier betont. Tatsächlich waren, wie uns Plinius der Ältere berichtet, auch andere Pflanzen von ebensolcher kultischen Bedeutung. Bärlapp (Lycopódium) durfte z.B. erst nach Reinigung des Druiden und einem Opfer geerntet werden. Der Druide mußte ihn bloßfüßig in weißem Gewand ohne Metall abschneiden, wobei die rechte Hand unter der linken durchgeführt wurde, "wie Diebe es machen". Die Salzbunge (Sámolus) wurde mit der linken Hand geerntet, sofort nach Hause gebracht und dort gelagert, "wo man die Getränke aufbewahrt".
Der Ritus bei Misteln verlief in etwa so: Am 6. Tag nach Neumond, wenn der Mond eine schöne Sichel bildet, zieht eine vom Druiden geleitete Prozession los. Gleich hinter ihm werden zwei Opfertiere geführt. Schließlich bildet die Menge einen Kreis um die vom Druiden ausgewählte Eiche. Die gesuchte Laubholz-Mistel (Víscum álbum) ist nur selten auf Eichen zu finden. Während der Druide Gebete singend mit seiner Goldsichel Misteln schneidet, die ohne weitere Berührung in ein weißes Tuch fallen, werden die Tiere geopfert.
Für die Gallier kamen diese sonderbaren Gewächse, die keine Verbindung zum Boden haben, aus einem anderen Universum, nämlich dem der Götter und Verstorbenen. Die im Winter auf scheinbar toten Ästen sitzende immergrüne Laubholz-Mistel (Víscum álbum) war ein Symbol für das Jenseits: Tod bringt Leben hervor. Ihrer Giftigkeit wegen waren Misteln bei den mittelalterlichen Alchimisten beliebt und wurden als Heilpflanzen gegen Epilepsie und Lungenblutungen, zur Blutdrucksenkung oder als Narkotikum eingesetzt. In neuerer Zeit sind sie in der Krebstherapie wichtig geworden. In der griechischen Mythologie wird die Mistel wegen ihrer narkotisch-psychoaktiven Eigenschaften erwähnt: Wahrscheinlich ist sie die "Goldene Zauberrute" des Äneas, der mit ihrer Hilfe in die Unterwelt eindrang. "Besuche in der Unterwelt" sind im Allgemeinen als Einfluß psychoaktiver Drogen zu deuten. In den germanischen Sagen tötet der blinde Wintergott Hödur unbeabsichtigt durch eine List des Loki seinen Bruder, den Sommergott Balder mit einem Mistelspeer. Im allgemeinen sollen Mistelzweige aber Böse Geister vertreiben.
Die Fähigkeit ohne Bodenkontakt zu wachsen erklärt sich im Schmarotzertum der Misteln. Sie senden Senkerwurzeln in Rinde und Holz. Diese dienen einerseits der Verankerung, andererseits zapfen sie mit sogenannten Haustorien die Leitungsbahnen der Wirtspflanze an. Im Gegensatz zu Sommerwurz (Orobánche), Schuppenwurz (Lathráea) und Teufelszwirn (Cúscuta) sind sie keine Vollschmarotzer, die selbst keine Photosynthese betreiben und sich ausschließlich auf Kosten des Wirtes ernähren, also dessen zum Wachstum benötigte Assimilate (Kohlehydrate) "stehlen", sondern Halbschmarotzer, die der Wirtspflanze lediglich das aus den Wurzeln Richtung Blätter gepumpte Wasser mit seinen Nährsalzen entziehen und selbst assimilieren. Dadurch wird der Wirt kaum geschwächt und erst bei Massenbefall geschädigt. Lediglich für die Holzindustrie sind die durch die Senkerwurzeln entstehenden Löcher mitunter ein Schaden. Übrigens sind nicht alle auf Bäumen wachsenden Pflanzen Schmarotzer. Die Epiphyten, zu denen viele Orchideen und Bromelien gehören, wachsen auf Bäumen um an mehr Licht zu kommen. Ihre Wurzeln klammern sich aber nur an der Rinde der Bäume an ohne zu schmarotzen. Um dennoch zu Nährstoffen zu kommen, haben sie oft nest- oder trichterförmigen Wuchs, so daß Fallaub, Vogelkot und andere "Abfälle" gesammelt werden, die bei ihrer Verrottung Nährstoffe freisetzen.
Wie die meisten Arten der Familie der Lorantháceae kommen auch die meisten der etwa 70 Mistel-Arten der Gattung Víscum in den Tropen vor. Im Wiener Raum ist die Laubholz-Mistel (Víscum álbum) häufig anzutreffen. Sie ist auf den meisten Laubbaumarten zu finden, meidet jedoch Eichen und fehlt auf Buche und Nadelbäumen. Sie schmarotzt aber auch an anderen Mistelarten, so kann dann der Eindruck entstehen, sie würde auf Eichen oder Koniferen wachsen. Sie ist die einzige Art mit rein weißen Beeren und weißen Samen.
Die ähnliche Tannen-Mistel (Víscum abiétis) ist auf Tannen beschränkt und hat, wie auch die nächste Art, grünlich- bis gelblichweiße Beeren mit grünlichen Samen. Die Föhren-Mistel (Víscum láxum) fällt durch ihre gelblichgrüne Färbung (vielleicht war sie die "Goldene Zauberrute" des Aeneas) und durch die kleinen schmalen Blätter auf. Sie lebt auf Kiefern, geht aber auch auf Fichten und kann künstlich auch auf Zedern und Lärchen gezogen werden. Für die Forstwirtschaft ist sie nicht schädlich, da sie nur an den dünneren Kronenästen wächst.
Im südlichen Mittelmeergebiet findet man das rotbeerige Víscum cruciátum auf Ölbaum, Mandeln, Edelkastanie, Pappeln und anderen Gehölzen. In Europa findet man es nur in Kalabrien und Andalusien.
Die Eichenmistel oder Europäische Riemenmistel (Loránthus europaeus) wirft ihr Laub im Winter ab. Außerdem hat sie gelbe Beeren, aus denen Vogelleim hergestellt wurde. Sie besiedelt Eichen, bevorzugt Flaum- und Zerr-Eichen (Quércus pubéscens s.l. und Qu. cérris), aber auch Edelkastanien. Die Gattung Loránthus mit ca. 500 Arten ist übrigens ebenfalls vorwiegend in den Tropen verbreitet.
Wer im Garten Misteln ziehen will, klebe die "selbstklebenden" Samen mit der Breitseite an die betreffenden, mindestens fingerdicken Äste, auch Sträucher sind geeignet. Sollten sie durch Vögel zu stark auftreten, sollte man aber möglichst schnell Druide spielen.
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d'Ehre
Grischa
Andreas Regner
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Klimazone 7 (6-8), phän. Naturraum 70


WWW
« Antworten #6 am: 13. Juli 2002, 09:44:53 »

Hallo,

der Beitrag von gregor, der etwas modifiziert auch schoneinmal im galafo-Archiv veröffentlicht worden war, ist jetzt auch zu finden unter:

http://www.planten.de/pflanzen/geh%F6lze/wildgeh%F6lze/mistel/

und

http://www.pflanzenbuch.de/article.php?sid=195


@ Günther,

der thread von dem du gesprochen hast, ist möglicherweise dieser hier aus dem gartenlandschaftsforum, noch im Archiv verfügbar:
http://www.planten.de/forum/messages/5/189.html
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grüsse
andreas
Tolmiea
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Liebe ich dieses Forum???


« Antworten #7 am: 09. Oktober 2007, 21:38:49 »

.....mein jahrelanges Mistelkleben hat sich also doch gelohnt. Es hat endlich geklappt.... ich habe eine kleine  Mistel an meinem Klarapfelbäumchen gefunden  Lächelnd Lächelnd Lächelnd

Bin allerdings etwas traurig, dass ich das kleine Stengelchen mit dem Haustorium, das ich sooooo gerne hätte sehen wollen, anscheinend bereits um Jahre verpasst habe..... Weinen Zunge
Einmal wenn frau net hinschaut.....

liegrü g.g.g.
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