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forum.planten.de  |  Pflanzen  |  Obst-Forum (Moderatoren: Walther, thuja thujon)  |  Thema: Halbstamm - Hochstamm 0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema. « vorheriges nächstes »
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Autor Thema: Halbstamm - Hochstamm  (Gelesen 9431 mal)
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« am: 04. Juli 2004, 08:56:40 »

Hallo!
Einer von meinen Apfelbäumen, die ich im Winter gesetzt habe, beginnt schon ziemlich niedrig mit den Ästen, so dass ich Angst habe, mir später den Kopf anzurennen. Da die Stammverlängerung in ca 2m Höhe eine schöne Aufteilung in eine neue Stammverlängerung und in 3 Leitäste anbieten würde überlege ich nun, die ursprünglich von der baumschule aals leitäste vorgesehenen wegzuschneiden und eine höhere Krone zu bilden; schadet das dem Baum oder wird er mechanisch instabil (weiss leider nicht, welche Unterlage)

Für nächstes Jahr hab ich sowieso überlegt, nur noch riesig gross wachsende Hochstämme zu setzen. Was gibts dazu zu sagen? (tragen angeblich erst später, was mich nicht stört, sind nicht gleich beleidigt, wenns ein trockenes Jahr gibt und stehen allgemein stabiler im Leben durch grosses weit verzweigtes Wurzelwerk, hoff i zumindest!

Danke!
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Baumfex
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« Antworten #1 am: 04. Juli 2004, 12:01:24 »

Hallo Manfred,
prinzipiell ist es kein Problem die zu tiefen Leitäste zu entfernen, allerdings würd ich nicht alle auf einmal entfernen, insbesondere dann nicht, wenn sie mehr oder weniger auf einer Ebene angeordnet sind. Alternativ kannst du sie auch runterbinden oder auf einen flachen Nebentrieb ableiten und dann noch eine Weile als Fruchtäste belassen. Schau dir aber die neu geplanten Leitäste genau an, sie dürfen nicht spitzwinklig angesetzt sein.
Baumgröße bzw. Kronengröße und Ertragsbeginn hat nach wie vor nichts mit der Stammhöhe sondern allein mit der Unterlage und der verwendeten Edelsorte zu tun!!
Wenn du große Bäume willst, solltest du dir gut überlegen ob du dich nicht lieber an den Leitästen beim Durchlaufen etwas bückst (bzw. einfach nur den Leitast am Weg höher wählst) oder alternativ schon eine Leiter brauchst, um an die untersten Äste zu gelangen.
Hohe Stammformen (1,60+) sind Wind und Sonne stärker ausgesetzt, was dem Wachstum/Baumgesundheit nicht unbedingt förderlich sein muß.

Gruß
Baumfex
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« Antworten #2 am: 04. Juli 2004, 13:14:20 »

Hallo Baumfex!
Ist es nicht so, dass Hochstämme gezogen werden wenn grosse Bäume gewünscht werden? hab das zumindest immer geglaubt. Die Verkäuferinnen bei der Baumschule wissen halt meistens nur, welche Sorte sie da verkaufen, über Baumgrösse, Unterlage usw. gibts halt meist nur ein kurzes Achselzucken. Die meisten Bäume scheinen einfach für den kleinen Garten eines Häuslbauers bestimmt zu sein

2. Warum nicht alle Leitäste auf einmal entfernen?? hängt das mit dem saftfluss oder so zusammnen?
der Baum trägt sowieso noch nicht, deshalb wärs kein Verlust
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« Antworten #3 am: 04. Juli 2004, 13:29:10 »

nochwas vergessen..

welche Unterlage würdest du empfehlen für einen besonders starkwüchsigen Baum, will alte pilzresistente Apfelsorten haben, Wühlmäuse werden auch hin und wieder an den Wuzeln knabbern, Seehöhe 500m, Boden nicht besonders fruchtbar, stellenweise auch etwas steinig.
und eher doch kein Hochstamm??
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Baumfex
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« Antworten #4 am: 04. Juli 2004, 14:01:20 »

Hochstämme wurden früher gezogen, weil das Land unter den Bäumen in den schlechten Jahren landwirtschaftlich genutzt werden mußte. Heute werden sie gezogen, weil alle meinen das wäre besonders öko und gäbe besonders große Bäume. Einziger Unterschied ist aber die Stammlänge (die an gewissen Standorten vielleicht auch ihre Berechtigung hat - aber dann muß es ja vielleicht nicht unbedingt ein Obstbaum sein?). Denn wie es um die Pflege von Obstbäumen bestellt ist, die erst in über 2m eine Krone Bilden und dann womöglich noch durch falschen Schnitt regelrecht zum Höhenwachstum gezwungen werden interessiert fast niemanden (die meisten Obstbaumleitern enden bei 5-6m, aber egal, keine Pflege mit anschließenden Radikalmaßnahmen scheint ja besonders öko zu sein  Traurig).
Meines Wissens müssen laut Baumschulverordnung eigentlich Unterlage, Zwischenveredlung und Edelsorte auf dem Etikett angegeben sein, kann aber auch eine Fehlinformation sein. Also Information einholen und aufs Etikett schreiben lassen.
Bei einem frisch gepflanzten Baum ist eigentlich jedes Blatt wichtig, damit er richtig wurzeln und wachsen kann. Schneidest du alle Leitäste weg, ist das ja ca. 2 Drittel der Krone und für den Baum nicht unbedingt vorteilhaft, obwohl gerade junge Bäume doch einiges wegstecken können, sobald sie mal richtig eingewurzelt sind. Werden die Äste auf einer Ebene komplett entfernt, dürften m. A. nach Saftfluß und "Wundheilung" signifikant gestört sein.

Gruß
Baumfex
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Baumfex
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« Antworten #5 am: 04. Juli 2004, 14:26:55 »

Nach meinem Wissen haben sich als Unterlage z. B. kernechte Sämlinge der Sorte Bittenfelder bewährt. Als kleines Schmankerl kannst du auch einen Baum wählen, der als Zwischenveredlung noch eine krebsresistente Zwischenveredlung als Stammbildner hat (hab ich letztens zumindest bei einer Versandbaumschule gelesen - ist dann aber natürlich teurer).
Von den alten Apfelsorten zeigen schon einige deutliche Abbauerscheinungen, was die Krankheitsresistenz betrifft, also am besten eine bewährte Sorte aus der Umgebung oder evtl. auch eine Neuzüchtung ins Auge fassen.
Willst du dir bei Ernte und Pflege nicht den Hals brechen, würd ich eine Stammhöhe von 1- 1,60 m wählen und den Baum mit 4- max. 5 Leitästen schön in die Breite auslasten. Pflanzabstand dann mindestens 12m, besser noch 15. Aber hierzu wurde ja hier im Forum bereits einiges geschrieben, mußt das also nur noch lesen und dir deine eigene Meinung bilden.

Gruß
Baumfex
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Pflaume
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« Antworten #6 am: 04. Juli 2004, 19:44:28 »

Hallo Manfred,

da Fritz und Baumfex derzeit scheinbar nicht da sind, gebe ich halt mal meinen Senf dazu.

Sehe gerade, Baumfex ist wieder da Smiley und hat schon das Wesentliche gesagt, ich laß aber mal meinen ursprünglichen Text. Bezieht sich nun natürlich auf Deinen Eröffnungsbeitrag.

Zum ersten Teil.
Du würdest dem Baum nichts anderes antun, als was bei Deinen anderen Bäumen bereits gemacht wurde.

Zum 2 Absatz:
Diese Ansicht hört man öfters und sie ist scheinbar nicht todzukriegen.

Zuerst ein kleiner Umweg:
Vor einigen Tagen hatten meine Schuhsohlen in 4,5 m Höhe plötzlich keinen Halt mehr. Gestern standen sie in 9 m Höhe erfreulicherweise stabil. Wäre es umgekehrt gewesen, meine Schlafprobleme (rechts weckt mich mein Arm auf, links meine Hüfte), wären wohl relativ unbedeutend. Das wird Dich nicht überzeugen.
Du wirst Dich ja hoffentlich dann nicht so blöd anstellen wie ich. Lächelnd
Hast Du mal gemessen wie lange Du für den Schnitt eines 5 m bzw. 10 m-Baumes benötigst?
Und wie lange Du benötigst für die Ernte?
Meine „kleinen“ Pflaumenbäume erbringen aufgrund der besseren Pflege regelmäßig mehr Ertrag, als die doppelt so hohen meiner Eltern, obwohl ich für deren Schnitt (die können nicht mehr so weit hoch klettern) mehr Zeit benötige, als für meine eigenen.
Vom Gesundheitszustand gar nicht zu reden.

Schauen wir uns mal die Fakten an:
Unabhängig davon, wie man den Baum formiert, an der Wurzel bzw. Unterlage ändern wir nichts (vom Wurzelabstechen, verpflanzen und evtl. Baumaßnahmen mal abgesehen, was ja normalerweise nicht gerade an der Tagesordnung ist).
Von der Unterlage hängt jedoch alles ab, da man sie normalerweise selten zu Gesicht bekommt, vergessen das die meisten.

Der größte Teil der Reservestoffe wird vom Baum im Wurzelsystem gespeichert.
Es allein versorgt den Baum mit allen Mineralstoffen, und nicht zuletzt kann nur dieses eine ausreichende Versorgung mit Wasser sicherstellen.
Nur das Wurzelsystem verankert den Baum im Boden und kann die gewaltigen, z.B. bei Sturm auftretenden Kräfte, in den Boden ableiten – oder auch nicht.
Je nachdem wieviel Wasser und Mineralstoffe etc. die Wurzel nach oben pumpt (bzw. liefern kann), kann der Baum wachsen, unabhängig ob als Spindel, Viertel-, Halb,- Dreiviertel-, oder Hochstamm gezogen.
Natürlich gibt es eine gegenseitige Beeinflussung, ein Spindelbäumchen kann natürlich nicht das Wurzelsystem mit so viel Assimilaten versorgen wie ein großkroniger Baum.
Logisch, daß dieses mangels Nahrung nicht seine Größe erreichen kann, die es genetisch an sich anstrebt.
Wer zeitlebens unterernährt ist erreicht auch nicht die volle Größe und schon gar nicht seine maximale Bauchgröße.
Dennoch wird jemand, der aus einem Boskop auf Bittenfelder einen Spindelbaum ziehen will, aus dem schneiden und fluchen nicht herauskommen. Jemand, der aus einem Boskop auf M27 einen Hochstamm ziehen will, wird genauso fluchen, denn das Ding wird nie mehr als ein krankheitsanfälliger Mickerling werden.
Wer´s nicht glaubt, der mache  einen Versuch oder schaue sich die Goldparmänen auf AII in der städtischen Anlage von Owen, angelegt nach dem Obstbauberater Heinz, an.
Oder die Mode Hauxäpfel auf Typenunterlagen. Sowas kann einfach nur schief gehen.

Zurück zur logischen Überlegung:
Nehmen wir wieder Boskop auf Bittenfelder, sagen wir mal 4 Stück und ziehen diese nun als Vietel-, Halb-; Dreiviertel-, und Hochstamm.
Wie wird sich das Kronenvolumen und die Gesundheit der Bäume statistisch (Ausreißer wegen Bodenunterschieden, falscher Auszeichnung!!!, etc. ausgenommen) und bei gleichem Schnitt, entwickeln? Sprich der einzige Unterschied ist die Höhe, in der die Krone beginnt.

Was würdest Du erwarten?
 
Grüße
Pflaume
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Credo, quia absurdum - Tertullian
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