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forum.planten.de  |  Pflanzen  |  Obst-Forum (Moderatoren: Walther, thuja thujon)  |  Thema: Zwetschken vermehren 0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema. « vorheriges nächstes »
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Autor Thema: Zwetschken vermehren  (Gelesen 15970 mal)
Wood-Stock
Gast
« am: 20. Mai 2004, 17:58:59 »

Wir haben einen alten Zwetschken Baum und wollen ihn vermehren.

1. Wenn man einen Kern einsetzt, muss man dann das entstandene Pflänzchen veredeln?

2. Funktioniert die Vermehrung auch, wenn man einen Ast abschneidet und ihn wurzeln lässt? Muss man den dann veredeln?
« Letzte Änderung: 20. Mai 2004, 17:59:51 von Wood-Stock » Gespeichert
Laurin
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Den Garten machen die Blumen, nicht der Zaun


WWW
« Antworten #1 am: 20. Mai 2004, 18:26:47 »

Wenn der Ast wurzelt, ist er sortenecht, man braucht also nicht vermehren, aber ob diese Methode bei Zwetschken geht ?
Samenvermehrung bringt meist ganz gute Ergebnisse, daher gibts ja so viele Typen der Hauszwetschke. Bei primitiveren Pflaumen (Ziparten, Kriechen,...) werden die Kinder fast gleich.
Laurin
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Re-Mark
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Ich liebe dieses Forum!


« Antworten #2 am: 20. Mai 2004, 19:52:00 »

Wenn ihr rauskriegen könntet, ob der alte Baum veredelt oder wurzelecht ist...
Die meisten Pflaumen vermehren sich unheimlich gerne selbst per Wurzelschosser. Ich habe viele viele Stunden mit dem ausgraben, ausreißen und abhacken von solcherlei 'wildtrieben' verbracht (Grundstück war etwas ungepflegt). An einer Grundstücksgrenze stand eine ganze Reihe von z.T. 2m hohen Bäumchen. Ich habe mich gefragt, was das sei. Als ich einen entfernen wollte bemerkte ich, daß alle aus einer sehr langen und sehr dicken Wurzel entsprangen. Alles Pfläumenschösslinge (der Mutterbaum existierte vermutlich nicht mehr, es sei denn die Wurzel entspringt einem noch weiter entfernten Baum. Ich habe sie nicht komplett ausgraben können).
An anderen Stellen spriessen die wie Löwenzahn, gerne auch einige Meter vom Pflaumenbaum entfernt.

Wenn Euer Baum veredelt ist, dann würde sich nur die Unterlage so vermehren, aber wenn er wurzelecht ist, dann solltet ihr mal nach solchen Trieben suchen. (Solltet ihr eh - sonst steht ihr irgendwann im Pflaumenwald. Oder meine Pflaumen bzw. ihr Standort ist besonders extrem...)

Trotzdem kann ich mir eine Frage nicht verkneifen: Warum gerade dieser Baum? Na gut, er scheint Euch zu schmecken. Aber das würden ein paar Dutzend andere Sorten sicher auch. Falls ihr wegzieht und gerne weiterhin die Sorte hättet, von der schon Eure Großeltern aßen, ok.
Aber sonst: es gibt viele gute Pflaumensorten. Vielleicht sogar bessere als Eure alte. Einige sind resistent gegen verschiedene pflaumentypische Pilzkrankheiten. Andere haben vielleicht andere Reifezeiten, was vorteilhaft sein kann, falls ihr Euren alten Baum behaltet. Denn dann müßt ihr nicht auf einmal die Ernte von zwei Bäumen verarbeiten, sondern habt länger frische Früchte. Die Sorten unterscheiden sich auch in der Empfindlichkeit der Blüten gegenüber Spätfrösten.
Bei neu gekauften Pflaumenbäumchen kann man auch eine Unterlage verlangen, die keine Wurzelausläufer bildet.

Ihr sollet im übrigen Euren Baum dieses Jahr gut beobachten, ob er gesund ist. Falls irgendwelche deformierten Pflaumen oder fleckigen Blätter auftreten auch mal einen Experten fragen. Wäre irgenwie blöd, z.B. eine Virose mitzuvermehren.

Eine Buchempfehlung:
[Feucht/Vogel/Schimmelpfeng/Treutter/Zinkernagel: 'Kirschen- und Zwetschenanbau', Ulmer 2001]

Zu eurem Vorhaben:
Wenn ihr Pflaumen aussät, wird es viele Jahre dauern, bis die Jungbäume Früchte tragen. Man veredelt nicht nur um eine bestimmte Sorte zu erhalten, sondern auch um früher ernten zu können. Nicht jeder wartet gerne 15 Jahre auf die ersten Pflaumen (ich weiß nicht, wie lange es bei Pflaumen wirklich dauert. Pflaumen-Enthusiasten vor.)

Wenn ihr wirklich ganz unbedingt Eure alte Sorte vermehren wollt, dann könnt ihr
a) eine gute Unterlage kaufen (die für den Standort geeignet ist, virusfrei, kompatibel zu eurer Sorte, keine Ausläufer bildet evtl. schwachwüchsig (und damit früh Ertrag bringend) etc.) und etwas von eurem Baum darauf veredeln lassen.
b) von irgendjemandem Wurzelschösslinge (oder vielleicht sogar Sämlinge?) geben lassen und Euch selbst an der Veredelung versuchen. Soo schwer soll das nicht sein (ich habe es aber bisher noch nicht gemacht, mangels Material).


Zu Ast abschneiden und bewurzeln habe ich einen indirekten Hinweis im Buch gefunden:
S.113: "Wurzelechte Unterlagen von 'Hauszwetsche' aber auch von 'Nancy-Mirabelle' und 'Große Grüne Reneclaude' lassen sich für die Pfopfung verwenden. Ein alter Brauch war früher das Ausgraben von Wurzelschossern. In der Folge war die vegetative Vermehrung in den Baumschulen ein großer Fortschritt. [heißt das jetzt, die Baumschulen betrieben Stecklingsvermehrung?]
Nach den extremen Frostwintern in den 40er Jahren hat man es versäumt, die besonders frostharten Bäume systematisch zu vermehren. Trotzdem gild heute die 'Hauszwetsche' als robuste Unterlage, da sie in vielen Lagen und Böden gut wächst.
Mittels der Gewebekultur gelang es 1980 in Weihenstephan, die Zwetschensorten selbst zu bewurzeln. Die ausgepflanzten Jungbäume waren wüchsig und hatten gesundes Laub. Sie bildeten jedoch in beträchtlichem Maße Dornen anstelle von normalen Kurztrieben mit Blüten. Dornen kennzeichnen die Juvenilphase eines Baumes. Die Bildung von Blüten wurde um zwei bis drei Jahre verzögert. Danach zeigten die Bäume jedoch eine große Fruchtbarkeit."

Wenn die Leute Gewebekultur einsetzen, dann scheint die Stecklingsvermehrung eher nicht zu funktionieren. Außer bei den drei zuerst genannten Sorten, da weiß ich nicht, wie ich den Text verstehen soll. Aber falls ihr eine 'Hauszwetsche' habt, dann ist der Baum vielleicht eh nicht veredelt und ihr könnt Wurzelschösslinge nehmen.

« Letzte Änderung: 20. Mai 2004, 20:00:53 von Re-Mark » Gespeichert
Pflaume
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« Antworten #3 am: 25. Mai 2004, 23:43:17 »

Hallo Wood-Stock,

Laurin und vor allem Re-Mark haben ja schon beinahe alles dazu gesagt. Deshalb nur noch einige Anmerkungen hierzu:

Wenn der Baum veredelt wurde, so erkennt man das daran, daß z.B. die genannten Wurzelschösslinge evtl. etwas andere Blätter (Farbe, Gestalt etc.) haben oder etwas früher, spater blühen als der veredelte Baum.
 Bei veredelten Bäumen ist oft der Stamm in Bodennähe unterschiedlich dick (bei einer schwachwüchsigen Unterlage mit starkwüchsiger Veredelung ist oft der Stamm oberhalb von ca. 10 cm dicker als unten, da die Veredelung starkwücksiger ist) bzw. nicht schön gerade (da die meisten Bäume unten okuliert werden, das betreffende Auge treibt dann seitlich aus, die Biegung bleibt dann oft viele Jahre noch erkennbar).

Ein Pflaumenkeimling hat zusätzlich zum Erbgut der Mutterpflanze noch Erbgut von einer Vaterpflanze, wird also immer anders sein als die Mutterpflanze, was allerdings auch positiv sein kann, dies sieht man allerdings erst nach 5 bis 10 Jahren. Wenn er nicht befriedigt, kann man ihn verdeln, allerdings sind Pflaumen meiner Erfahrung nach nicht so leicht zu veredeln wie z.B. Äpfel. Wenn man hier das Kambium freilegt, so dauert es bei 20 Grad nicht mal eine Minute bis es sich braun verfärbt hat, schnelles arbeiten ist hier also Pflicht.
Einfacher ist es jede Menge auszusäen (Pflaumenkerne gibt es in einigen Wochen ja sowieso jede Menge Zunge) und dann die nicht zufriedenstellenden Exemplare nach und nach zu entfernen, damit die guten /der Gute Platz zum wachsen hat. Da der alte Baum noch steht, dürftest Du ja auf einen sofortigen Ertrag nicht angewiesen sein.

Wurzelechte Unterlagen werden durch Wurzelabrisse gewonnen, Stecklingsvermehrung bei Pflaumen ist nicht so einfach, sprich geht meistens schief.

Grüße Pflaume
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Credo, quia absurdum - Tertullian
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